Wüste Pöbeleien an der Tauschbox der Awa

Von: Patrick Nowicki
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Die Hütte wurde dreimal wieder aufgebaut. Jetzt muss Awa die Notbremse ziehen.

Eschweiler. Das Aus kommt plötzlich, aber nicht überraschend. In dieser Woche wird die „Wunderkiste“, die Tauschbox der AWA Entsorgungs GmbH vor dem Talbahnhof, abgebaut. Die Gründe erschrecken: Die Hütte brannte nicht nur zwei Mal ab, jetzt kam es auch zu wüsten Beschimpfungen gegen die Ehrenamtler, die sich um die Sauberkeit und Ordnung in und an der „Wunderkiste“ kümmern.

Zudem fanden die Helfer verschreibungspflichtige Medikamente, die man in einem Regal oben versteckt hatte. „Wir tun dies schweren Herzens, aber uns bleibt keine andere Möglichkeit“, sagt Regina Brück, Leiterin der AWA-Abfallberatung.

Die „Wunderkiste“ wurde am 17. November 2012 aufgestellt. Sie richtet sich gegen die Wegwerf-Mentalität. Was nicht mehr gebraucht, aber zu schade ist, es in die Tonne zu stecken, kann dort abgelegt werden. Wer etwas benötigt, kann es sich im Gegenzug mitnehmen. Zum Nulltarif. Das Prinzip funktioniert an anderen Stellen hervorragend, nur in Eschweiler gab es immer wieder Probleme. In der Silvesternacht 2013 brannte sie zum ersten Mal nieder: Unbekannte hatten Feuerwerkskörper in der Holzhütte gezündet. Die Entrüstung war groß.

Die AWA entschied sich dazu, eine neue „Wunderkiste“ fertigen zu lassen. Auch der Bau ist mit einem sozialen Engagement verbunden, denn den Auftrag erhielt die Dürener Gesellschaft für Arbeitsförderung, die jungen Menschen die Möglichkeit gibt, in die Arbeitswelt zu gelangen. Die Freude über die neue „Wunderkiste“ währte jedoch nur sieben Monate, denn im Oktober 2014 wurde sie wieder ein Raub der Flammen. Und wieder hatte jemand ein Feuer gelegt.

Die Awa entschloss sich erneut, die Hütte wiedererrichten zu lassen – zum dritten Mal. Die wiederholte Zerstörung hat jedoch eine Konsequenz. Die „Wunderkiste“ bleibt abends verschlossen. Ehrenamtliche Helfer öffnen sie jeden Morgen wieder. Eine Marotte werden sie jedoch nicht los: Immer wieder laden Menschen nicht Weiterverwertbares, sondern Müll in die Tauschhütte oder stellen ihn einfach daneben. Mehrfach wurden verschreibungspflichtige Medikamente in den oberen Regalen gefunden. „Dies ist beunruhigend, da auch viele Kinder die Wunderkiste regelmäßig aufsuchen“, sagt Awa-Sprecher Michael Uhr.

In den vergangenen Monaten nahmen die Vorfälle zu. Manche bedienten sich in den Regalen, ließen sie allerdings dann durchwühlt zurück. Wenn Helfer die Menschen darauf ansprachen, wurden sie beschimpft. Dies gipfelte schließlich darin, dass mit Schlägen gedroht wurde.

Die betroffene Ehrenamtlerin medete sich bei der Awa, die jetzt die Notbremse zieht. „Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass solche Tausch- und Gratisboxen gut und richtig sind, aber es funktioniert an dieser Stelle einfach nicht“, zieht Regina Brück ein negatives Fazit. Die Hütte wird in dieser Woche abgeholt und kommt auf dem Gelände des Wertstoffhofs in Warden zu stehen. Dort kann man zwar auch Weiterverwertbares abgeben und abholen, aber der Standort ist auch in den Augen der Awa-Verantwortlichen nicht der günstigste. „Die Menschen, die solche Sachen dringend benötigen, besitzen selten ein Auto“, sagt Regina Brück.

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