Wolfram Stolz packt gegen seine eigene Partei die Keule aus

Von: Andreas Röchter
Letzte Aktualisierung:
cdueschfo
Vorgänger und Nachfolgerin: Renée Grafen übernimmt das Amt der Vorsitzenden des CDU Ortsverbands Eschweiler von Wolfram Stolz. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Es war ein neues Gesicht, das am Dienstagabend im „Hotel de Ville” an das Mikrofon trat, um die Teilnehmer der Mitgliederversammlung des CDU-Ortsverbandes Eschweiler zu begrüßen. Renée Grafen ist die neue Vorsitzende, die die Nachfolge von Wolfram Stolz, der am 31. August zurücktrat, bis zu den Neuwahlen im kommenden Jahr kommissarisch übernehmen wird.

Die Diplom-Ingenieurin für Chemie möchte dazu beitragen, die Christdemokraten der Indestadt wieder näher an die Bürger heranzurücken. „Die Bürgernähe haben wir als Eschweiler CDU zu sehr aus den Augen verloren. Dies zu ändern, habe ich mir auf die Fahne geschrieben”, nannte Renée Grafen ihr vorrangiges Ziel. „Dies kann nur gelingen, wenn wir auf die Bürger zugehen und ihnen dadurch wieder Gehör verschaffen.”

Während der Vorstellung der Fraktionsmitglieder sowie der Wahlbezirksinhaber des Ortsverbandes ergriff Wolfram Stolz das Wort, um die Gründe für seinen Rücktritt darzulegen. „Dass Renée Grafen diese Arbeit übernommen hat, kommt nicht von ungefähr. Diese Nachfolgeregelung war seit langem vorbereitet, der Anlass war allerdings ganz anders als geplant”, betonte der Christdemokrat.

„Die letzte Kommunalwahl haben wir verloren. Die Höhe der Niederlage war ungewöhnlich, aber nicht unerwartet”, blickte er zurück. Das vom Stadtverbandsvorstand erarbeitete Konzept sei bis zur Wahl eines gewesen, dass über zwei Wahlperioden hinausgehen sollte. „Wir waren dabei, ein Team zu bilden, das schlagkräftig für die nächsten Jahre werden sollte.”

Bis dahin sei eines der Probleme gewesen, dass der damalige Fraktionsvorsitzende Franz-Josef Dittrich auch in Sachen Personalfindung einen Alleinführungsanspruch habe durchsetzen wollen. „Doch dies ist nicht Aufgabe der Fraktion, sondern der Partei.”

Der Ortsverband habe viele politische Themen aufgegriffen. „Nach der Wahl war das alles nicht mehr wahr”, kritisierte Wolfram Stolz, der bis auf weiteres im Vorstand des Ortsverbandes kooptiert bleiben wird. Der Bürgermeisterkandidat, der lange aufgebaut werden sollte, sei ins Abseits bugsiert worden. Leistungsträger hätten plötzlich eine untergeordnete Rolle gespielt.

„Die darauf einsetzenden Kampagnen gegen mich habe ich anfangs noch hingenommen. Es blieb aber die Erkenntnis, dass diese Partei nicht in der Lage ist, eine interne Auseinandersetzung auch intern zu führen. Der Streit um den besten Weg und das beste Ziel verkommt zu einer persönlichen Auseinandersetzung. Die CDU in Eschweiler ist unter der aktuellen Führung nicht konfliktfähig. Die Tatsache, dass außer einer Auseinandersetzung mit mir die Leistungen in politischer Hinsicht gleich Null sind, finde ich verheerend. Die fortwährende Demotivierung aller Leistungsträger in der Partei kommt einer Zersetzung gleich.”


Nach dieser Erklärung sah sich der Stadtverbandvorsitzende Willi Bündgens gezwungen zu antworten. „Nicht einmal 1/10 aller Mitglieder des Ortsverbandes sind heute hier vor Ort. Diese nicht befriedigende Situation spricht Bände. Wir müssen unbedingt ein besseres Ansehen gewinnen. Deshalb ist es unabdingbar, dass wir unsere Darstellung verändern”, so die Forderung. Vereinbarungen zwischen dem Fraktionsvorsitzenden Bernd Schmitz, Wolfram Stolz und Willi Bündgens seien von Wolfram Stolz über den Haufen geworfen worden. „Du hast ein freies Mandat. Doch man sollte auch darüber nachdenken, wen man vertritt”, sprach Bündgens Stolz direkt an.

„Wir haben bei der vergangenen Kommunalwahl keinen einzigen Wahlbezirk gewonnen! Kann man tiefer sinken?”, lautete seine Frage. Deshalb sei eine Strukturreform der Eschweiler CDU vonnöten. Treffen mit den Ortsverbandsvorständen stünden bevor. „Noch sind wir aber auf keinem guten Weg”, lautete das Fazit von Willi Bündgens. Rene Grafen bemühte sich, die Wogen zu glätten: „Wir benötigen sowohl Quer- als auch Geradeausdenker.”

Zuvor hatte Peter Schöner, Vorsitzender des Europavereins GPB, zum Thema „Auf dem Weg zur Postdemokratie” referiert.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert