Eschweiler - Wolfgang Gerhards: Dieser „Sternekoch“ setzt auf sein Bauchgefühl

Wolfgang Gerhards: Dieser „Sternekoch“ setzt auf sein Bauchgefühl

Von: Patrick Nowicki
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Erhielt die Goldene Ehrennadel des Caritasverbandes: Wolfgang Gerhards (rechts), Leiter des Hauses St. Josef. Überreicht wurde die Ehrung von Hans Mölders vom Caritasverband. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Was haben ein Sternekoch wie Christian Bau und der Leiter des Hauses St. Josef, Wolfgang Gerhards, gemeinsam? Nun, jede Menge, wenn man den Worten Robert Wagners glauben darf. Dem Fachbereichsleiter des Hauses St. Josef war es vorbehalten, seinem „Chef“ für 25 Jahre an der Spitze der Jugendhilfeeinrichtung zu gratulieren.

Er tat dies, um an die Fähigkeiten eines erfolgreichen Sternekochs zu erinnern, der nicht nur die Zutaten kennen, sondern sein Wissen auch an sein Team weitergeben muss. „Zudem muss man sich ständig hinterfragen und verbessern, denn einen Stern bekommt man nicht für alle Zeiten geschenkt, sondern man muss sich immer wieder neu beweisen“, meinte er.

Bei der Feierstunde, mit der Wolfgang Gerhards am Donnerstag von Mitarbeitern und Wegbegleitern überrascht wurde, klang immer wieder der Wandel an, den das Haus in den vergangenen Jahrzehnten durchlaufen hat. Bis 1992 wurde das Waisenhaus vom Orden Arme Dienstmägde Jesu Christi betreut.

Mit Gerhards begann dann eine neue Zeitrechnung, die sich auch in Zahlen widerspiegelt: Startete er in einer Einrichtung mit 56 Plätzen und 30 Mitarbeitern, so wuchs das Team auf inzwischen 280 Mitglieder und Angeboten in fast allen Bereichen der Jugendhilfe.

„Blutjunge 27 Jahre“

Dass der Caritasverband diese Leistung zu würdigen weiß, machte Vorstandsmitglied Hans Mölders deutlich, der Gerhards mit der Goldenen Ehrennadel auszeichnete. Er ließ den beruflichen Weg des Jubilars Revue passieren. Dieser führte nämlich nicht sofort in einen sozialen Beruf, sondern in eine Ausbildung zum Industriekaufmann.

Noch zu Beginn des anschließenden Studiums der Betriebswirtschaftslehre fasste Gerhards den Entschluss, eine andere berufliche Richtung einzuschlagen: Er absolvierte ein Studium der Sozialpädagogik in Düsseldorf. Mit „blutjungen 27 Jahren“, sagte Mölders, habe er sich dann auf die Stelle des Heimleiters in Eschweiler beworben.

Dass diese Bewerbung überhaupt erfolgte, war der Gattin Marina Stein-Gerhards zu verdanken. Dies jedenfalls stellte Wolfgang Gerhards in seinen Worten heraus. Das markante Datum: der 10. August 1992. Zu diesem Zeitpunkt verließen die Ordensschwestern das Haus. In seiner Zeit als Leiter sei ihm das Vertrauen zu seinem Team besonders wichtig gewesen. „Es gibt diesen Satz: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Ich habe ihn umgedeutet in: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser“, sagte Gerhards.

Auch der Humor sei ihm in seinem Beruf sehr wichtig, um eine Begebenheit aus einem erlebnispädagogischen Seminar zu schildern. Auf 25 Jahre Haus St. Josef zurückblickend, meinte er: „Die Leine war immer so lang, dass ich die Gelegenheit hatte, etwas zu gestalten.“ Damit sprach er unmittelbar die Verantwortlichen in der Pfarre St. Peter und Paul an.

Namentlich nannte er die Pfarrer Peter Müllenborn und Dr. Andreas Frick sowie den langjährigen Vorsitzenden des Kirchenvorstands, Manfred Esser, der ebenfalls zur Überraschungsfeier gekommen war. Das Haus St. Josef sei prägend für die Kirchengemeinde, meinte schließlich Pfarrer Michael Datené.

Erstklassiges Zeugnis

Ob Gerhards wirklich nichts von der Feier ahnte, als er am Donnerstag seinen Dienst antrat, konnte man nicht endgültig klären. Allerdings betonte er, dass ihn die Redebeiträge „berühren“. Der Chefkoch– um im Bild des Sternekochs zu bleiben – erhielt schließlich ein erstklassiges Zeugnis seiner Mitarbeiter. Deren Vertreter Daniel Horn zitierte den Leitspruch: „Wir bieten Lösungen, keine Plätze.“

Zwölf Gruppen, in denen 101 Kinder und Jugendliche leben können, werden vom Haus St. Josef betrieben. Sechs der Häuser bieten Außenwohngruppen Platz. Hinzu kommen vier Tagesgruppen, in denen die Kinder und Jugendlichen an fünf Werktagen nach der Schule in der Zeit von 10 bis 17.15 Uhr von pädagogischen Fachkräften betreut werden. In den Augen Horns würden die Einrichtungen des Hauses „jungen Menschen Sicherheiten geben“.

Keine Gewissheit hatte Gerhards, wohin die Reise nach der Feier im Saal des Hauses gehen wird. Fachbereichsleiter Robert Wagner kündigte eine Tour an, die zunächst mit dem Rad, dann mit dem Auto und schließlich in Wanderschuhen zu bewerkstelligen sei. Zuvor charakterisierte er Gerhards mit dem Vergleich zu einem Sternekoch. Er bescheinigte seinem „Chef“, auch intuitiv zu handeln. „Ob sich dieser Schritt dann als richtig erweist, erfährt man erst in der Zukunft. Meistens war er richtig“, räumte er ein.

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