Eschweiler - Woche der Wiederbelebung: Aufklären und Ängste nehmen

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Woche der Wiederbelebung: Aufklären und Ängste nehmen

Von: Sonja Essers
Letzte Aktualisierung:
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So lernen bereits die Kleinen die richtige Reanimation. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Nach Feierabend wollen Sie eigentlich nur schnell eine Kleinigkeit einkaufen und dann wieder zurück in die eigenen vier Wände. Sie stehen in der Warteschlange an der Supermarktkasse und plötzlich passiert es: Der ältere Herr vor Ihnen bricht zusammen, liegt regungslos auf dem Boden und atmet nicht mehr. Was würden Sie in einer solchen Situation tun?

Die Antwort auf diese Frage sollte eigentlich klar sein. Die Realität sieht jedoch meist anders aus. In weniger als 30 Prozent der Fälle beginnen Menschen in Deutschland mit der lebensrettenden Reanimation – Tendenz sinkend.

Warum in Situationen wie diesen nicht immer geholfen wird, weiß Dr. Michael Dück, Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Operative Intensivmedizin sowie der Schmerzambulanz am St.-Antonius-Hospital(SAH). Der Grund: „Die meisten haben Angst etwas falsch zu machen. Das kann man aber gar nicht. Nur, wenn man nichts tut, macht man etwas falsch“, sagt Dück.

Ängste nehmen und aufklären

In der Woche der Wiederbelebung, die in diesen Tagen bundesweit stattfindet, wollen Dück und seine Kollegen den Indestädtern nicht nur ihre Ängste nehmen, sondern sie auch über den richtigen Ablauf einer Reanimation informieren.

Wie wichtig dies ist, wissen Dück und sein Kollege Dr. Torsten Rütters aus eigener Erfahrung. „Früher hat man sich in Erste-Hilfe-Kursen damit beschäftigt, wo man drücken darf. Es ist wichtig, das man einfach kräftig auf den Brustkorb drückt, da muss man vorher nicht erst schauen, wie viel man nach rechts oder nach links geht.“

Auch die Mund-zu-Mund-Beatmung sei kein Muss mehr. „Wer sich davor scheut, lässt es sein. Die Herz-Druck-Massage ist das Entscheidende und reicht bei der Reanimation vollkommen aus. Damit ersetzt man die Herzpumpe und das Blut fließt wieder“, sagt Dück. Wichtig sei zudem, dass man den Patienten nicht in die stabile Seitenlage lege. Auch das werde oft falsch gemacht.

Vor zwei Jahren erlebte Dück in seiner Freizeit eine ähnliche Situation, wie die bereits beschriebene. In einem Baumarkt begannen er und weitere Indestädter mit der lebensrettenden Reanimation. Wenige Minuten später übernahm der Notarzt.

Bereits zwei Tage später konnte der Patient von der Intensivstation auf die normale Station verlegt werden. „Das war aber nur möglich, weil die Rettungskette nicht unterbrochen wurde“, erklärt Dück und fügt hinzu: „Draußen vor Ort sind auch wir Ärzte Laien. Wir können auch nur die Herz-Druck-Massage ausüben, bis der Notarzt eintrifft.“

Wichtig sei, dass die Hilfe bereits in den ersten fünf Minuten erfolge. Schließlich könne die Anfahrt des Notarztes zwischen sechs und acht Minuten dauern. Es müsse also schon vorher etwas geschehen.

Das ist jedoch in den meisten Fällen nicht so. „In Deutschland könnten viel mehr Patienten durch Laien gerettet werden, als das bisher noch der Fall ist“, so Dück.

In Ländern wie Dänemark, Schweden und Norwegen sieht das allerdings ganz anders aus. Dort liege die Reanimation durch Laien bei über 70 Prozent. Das liege vor allem daran, dass Erst Hilfe in diesen Ländern bereits ab dem Kindesalter eine wichtige Rolle spiele, meint Dück.

Daran arbeitet man seit 2012 allerdings auch in der Indestadt. Beim Projekt „Leben Retten – kinderleicht“ lernen Grundschüler nicht nur die Grundlagen der Reanimation, sondern auch den Umgang mit dem Defibrillator kennen. Dabei haben Dück und seine Kollegen interessante Erfahrungen gemacht: „Kinder haben keine Berührungsängste und gehen deutlich unbefangener an die Sache heran als Erwachsene.“

Eine Befragung der Viertklässler ergab zudem, dass fast alle kleinen Lebensretter das Gelernte auch im Alltag anwenden würden. „Der Wille ist bei den Kindern da. Falls sie einmal in eine solche Situation kommen sollten, werden sie es einfacher haben, als so mancher Erwachsener“, meint Rütters.

Bereits zehn Schulen nahmen das kostenlose Angebot in Anspruch. Ein Teil der Bilder, die die Kleinen nach dem Kurs malten, können in dieser Woche im Rahmen einer Ausstellung, die im Foyer des Hospitals stattfindet, bewundert werden.

Am heutigen Dienstag findet zudem ein Reanimationstraining in der Fußgängerzone statt. Zwischen 10 und 14 Uhr können die Inde-städter an der Grabenstraße/Ecke Hospitalgasse selbst Hand anlegen und an entsprechenden Puppen für den Notfall üben.

Prüfen, Rufen, Drücken

Die wichtigste Grundregel für die richtige Reanimation lautet: Prüfen, Rufen, Drücken. Was man darunter versteht? Ganz einfach: Das bedeutet, dass zunächst einmal geprüft werden sollte, ob der Betroffene noch atmet, dann sollte der Notarzt gerufen werden. Außerdem sollte mit der Herz-Druck-Massage begonnen werden.

Immer wieder hören die Ärzte des St.-Antonius-Hospitals allerdings, dass sich Menschen vor der Reanimation scheuen, weil sie Angst haben, dem Betroffenen eine Rippe zu brechen. Auch davor wollen Dück und sein Team den Indestädtern die Scheu nehmen. „Das kann passieren. Ist aber wirklich nicht so schlimm. Schlimmer wäre es nämlich, gar nichts zu tun“, sagt Dück.

Auch verschiedene Berufsgruppen sollen während der Woche der Wiederbelebung über die richtige Reanimation informiert werden. In diesem Jahr sind es die Taxifahrer, für die am morgigen Mittwoch ein Kurs veranstaltet wird.

Auf diese Weise will das Team um Dr. Michael Dück in den kommenden Tagen so viele Indestädter wie möglich informieren, damit diese für einen Notfall gewappnet sind.

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