Wo der Bergbau einst begann

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Die erste europäische Steinkohlengrube wurde von Klosterbrüdern gegründet. Unser Bild zeigt die Abtei Rolduc um das Jahr 1830. Dieses Gemälde stammt von Hendrik Kettner.
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Bekam im Talbahnhof für seinen Vortrag viel Applaus: Dr. Dr. Heribert Offermanns. Foto: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Die „Abtei Rolduc als erstes Steinkohle-Bergbauunternehmen Europas“ sollte das Thema eines Vortrags am Donnerstag sein, zu dem der Eschweiler Geschichtsverein und die Volkshochschule in den Talbahnhof eingeladen hatten.

Aber der Referent Professor Dr. Dr. Heribert Offermanns fasste das Thema weiter und schilderte ausführlich auch die Bedeutung, die Eschweiler in der Geschichte des Bergbaus hatte.

Anhaltender Applaus war sein Lohn. Simon Küpper, Ehrenvorsitzender des Geschichtsvereins, staunte: „Ich habe in 42 Jahren, die ich im Geschichtsverein bin, keinen Vortrag von einem Nicht-Eschweiler gehört, in dem Eschweiler so herausgehoben worden ist. Das war eine außerordentliche Leistung, Herr Offermanns!“

Der promovierte Chemiker, der als Vorstandsmitglied der Degussa AG viele Jahre lang auch ein renommierter deutscher Wirtschaftsführer war, schilderte die Geschichte des Steinkohlenabbaus im Aachener Revier humorvoll wie einen historischen Wettstreit zwischen Eschweiler und Herzogenrath.

Das reichte von der ersten urkundlichen Erwähnung, bei der Eschweiler dank Einhard, dem Biografen Karls des Großen, die Nase vorn hat, bis zu den Stadtrechten. Die erhielt Herzogenrath mehrere Jahrhunderte früher als Eschweiler, dank Kaiser Rudolf von Habsburg.

Amüsante Lektion

Im Mittelpunkt dieser amüsanten Geschichtslektion stand natürlich der Bergbau. Der wurde schon von den Römern erwähnt. Dabei waren die Römer nicht einmal die ersten, die im Rheinland nach Bodenschätzen gruben. Das waren die Kelten. Schon 400 Jahre vor Christi Geburt, in der Eisenzeit, förderten sie am Korkus im Süden von Eschweiler Eisenerz und später Kalkstein. „Ein Kranz keltischer Siedlungen um Scherpenseel und weitere keltische Siedlungen in Eschweiler sind belegt“, wusste Professor Offermanns, der die Kelten als bedeutendes Bergbauvolk würdigte. Auch die Namen „Inde“ und „Killewittchen“ seien keltischen Ursprungs.

Eine Eisenschmelze nahe der „Propsteier Villa“, einem römischen Landgut im heutigen Propsteier Wald, wertete Offermanns als Hinweis darauf, dass die Römer im Eschweiler Raum bereits Steinkohle nutzten, die hier ja an vielen Stellen offen zutage trat – wie übrigens auch im Wurmtal bei Herzogenrath, wo das heute noch zu sehen ist.

Das Aachener Steinkohlenrevier besteht aus zwei Vorkommen, die durch den so genannten Aachener Sattel getrennt sind. Im Süden liegt das zwölf Kilometer lange und zwei Kilometer breite Inderevier mit Eschweiler als Zentrum, nordwestlich davon das bedeutend größere Wurmrevier, das sich von Alsdorf bis in den Limburger Bereich erstreckt.

Heute teilt die deutsch-niederländische Grenze das Revier, aber diese Grenze entstand ja erst im 19. Jahrhundert. Sie verläuft in der Straßenmitte der Neustraße in Herzogenrath (Deutschland), die zugleich die Nieuwstraat von Kerkrade (Niederlande) ist. Ursprünglich war diese Straße von den Mönchen des Klosters Rolduc angelegt worden, als Transportweg für ihre Kohlen nach Aachen. Rolduc und Herzogenrath liegen in Sichtweite voneinander.

In den Annales Rodensis, den lateinisch verfassten Jahrbüchern der Augustiner-Chorherren des Klosters Rolduc, erscheint im Jahr 1113 der Begriff „kalculen“. Damit sind wahrscheinlich Kohlengruben gemeint, auch wenn sich Sprachforscher nicht ganz sicher sind. Aber im Wurmrevier beruft man sich gern darauf, denn dieses „kalculen“ wäre damit die älteste schriftliche Erwähnung des Steinkohlebergbaues in Europa.

Auch Professor Offermanns, ein gebürtiger Herzogenrather, folgt dieser Deutung. Damit ist der Bergbau auf Steinkohlen im Wurmrevier früher belegt als der auf dem Eschweiler Kohlberg, dem heutigen Stadtwald.

Inde- und Wurmrevier

Ausführlich widmete sich der Referent der Bergbau-Geschichte in beiden Revieren, dem Inde- und dem Wurmrevier. Für Eschweiler ist da natürlich besonders Christine Englerth zu erwähnen, die Gründerin des Eschweiler Bergwerksvereins (EBV), der später in Aachen-Kohlscheid seinen Sitz hatte. Denn im Inderevier war mit dem Steinkohlenbergbau früher Schluss als im Wurmrevier. 1852 – diese Information fügte Simon Küpper hinzu – war die Eschweiler Zeche Zentrum mit 2500 Bergleuten die größte Steinkohlenzeche im Königreich Preußen. Doch mit dem Absaufen der Grube Reserve Nothberg im 2. Weltkrieg endete diese Epoche. Im Wurmrevier war erst 1997 mit der Schließung des Bergwerks Sophia Jacoba Schluss.

Ära endet um 1800

Die Ära des Bergbaus durch die Mönche der Abtei Rolduc endete allerdings schon sehr viel früher, nämlich um 1800, also noch vor der Gründung des Eschweiler Bergwerksvereins. Heribert Offermanns gab einen Überblick der Klostergeschichte, die zu einem Teil auch zu seiner Familiengeschichte gehört. Denn zur Blütezeit des Bergbau-Unternehmens Rolduc, des ersten europäischen Bergbau-Unternehmens, wirkte dort Petrus Josephus Chaineux als Abt, ein Onkel der Ururgroßmutter von Offermanns.

1104 wurde die Abteil Klosterrath/Rolduc gegründet, von dem jungen Priester Ailbertus von Antoing, dem die Klosterzucht im Stift Doornik, von wo er kam, nicht streng genug gewesen war. Die Kohleförderung begann wenige Jahre später. Während sich die Klosterbrüder anfangs selber als Kohlengräber betätigten, wurde die Förderung später an Köhler-Gesellschaften abgegeben, gegen Deputatlieferung und Zahlung des so genannten Erbpfennigs. Ab etwa 1733 nahmen die Mönche den Bergbau wieder selber in die Hand.

Es wurden neue Schächte abgetäuft. Ab 1760 erwirtschaftet die Abtei Gewinne mit ihrem Bergwerk.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts beschäftigte die Abtei bis zu 800 Bergleute. Doch dann kam die Zeit Napoleons. Beim Einmarsch der französischen Truppen verließ Abt Chaineux mit einigen seiner Klosterbrüder Rulduc und floh nach Westfalen, wo er im Jahr 1800 starb. Das Bergbau-Unternehmen Rolduc hörte auf zu bestehen.

Steinkohle als Energie-Ressource

Kurt Manthey, der Vorsitzende des Eschweiler Geschichtsvereins, dankte dem Referenten herzlich für den Vortrag und leitete die anschließende Diskussion, in dem auf die Steinkohle als Energie-Ressource und Grundstoff für die chemische Industrie eingegangen wurde.

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