Wo Autofahrer sogar handgreiflich werden

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Eigentlich nicht zu übersehen: In Dürwiß gilt fast flächendeckend Tempo 30. Es werde jedoch oft viel schneller gefahren, beschweren sich Anwohner. Foto: Ebbecke-Bückendorf
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Die Polizei kontrollierte auf der Weisweiler Straße den Berufsverkehr ortsauswärts und winkte manchen Autofahrer raus, der dort schneller als 30 km/h fuhr. Foto: Ebbecke-Bückendorf
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Genau für diese Straße war am Abend zuvor von Bürgern mehr Polizeikontrollen gefordert worden. Das Tempo-30-Schild hier ist zu klein, monieren Anwohner der Weisweiler Straße. Und wer hat eigentlich Vorrang in dem künstlichen Engpass? Foto: Ebbecke-Bückendorf
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Wo die Gefahrenpunkte im Dürwisser Straßenverkehr sind, zeigten am Donnerstagabend in der Festhalle des Ortes Wilfried Berndt (links) und Mark Pützer. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Dürwiß ist als Wohnort weithin beliebt. Das macht die Dürwisser stolz. Aber es macht auch Probleme. Verkehrsprobleme. Entsprechend groß war der Andrang der Besucher beim „Dürwisser Dialog“ am Donnerstag. Die CDU hatte dazu in die Festhalle des Ortes eingeladen.

Der Stadtteil, der auf inzwischen bald 8000 Einwohner angewachsen ist, hat nur drei Zufahrten, und eine davon ist eine Wohnstraße. Das hätte, sagte der Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes Hajo Berndt, vor ein paar Jahrzehnten nicht viel ausgemacht. Denn früher kamen auf drei Familien ein Auto. Heute – da übertrieb der Vorsitzende ein wenig – kämen auf eine Familie drei Autos, und das gibt Konflikte. Bereits, wenn diese Autos stehen. Aber mehr noch, wenn sie fahren.

Probleme an Weisweiler Straße

Vier Gefahrenpunkte stellten die Dürwisser Christdemokraten vor, drei davon entlang der Weisweiler Straße. Sie berichteten, welche Lösungsvorschläge sie selber haben, und notierten alle Ideen, die aus den Reihen der Besucher – überwiegend Anwohner dieser Straßen – kamen. Das waren eine Menge.

Drei der Knackpunkte liegen an der Weisweiler Straße. Die ist eine Tempo-30-Zone. Zugleich ist sie aber seit dem Bau der Landstraße 11 und der Auffahrt Eschweiler-Ost der kürzeste Weg von und zur Autobahn. Und das nicht nur für alle Dürwisser. Sogar Autofahrer aus Eschweiler Wohngebieten fahren dort entlang, wenn es sich in der Innenstadt zu sehr knubbelt, versicherten Bürger.

Morgens im Berufsverkehr erlebe man dramatische Situationen: „Wer 50 fährt, ist dort langsam unterwegs!“ Ein Anwohner berichtete sogar von Tätlichkeiten, wenn sich Autofahrer streiten, wer als erster durch einen der künstlichen Engpässe dieser Straße darf: „Ich habe da quasi einen Logenplatz.“

Entlastungsstraßen

Verengungen durch Baumbeete, Aufpflasterungen, eine 30 auf dem Asphalt – es wurde schon viel getan, um die Weisweiler Straße zu entschärfen. Nach Ansicht sowohl der CDU als auch der Anwohner reicht das jedoch nicht aus. Besonders am östlichen Ortseingang müsse der Verkehr noch stärker verlangsamt und auch verringert werden. Zumal demnächst durch das Baugebiet Neue Höfe weitere 75 Wohneinheiten mit der doppelten Zahl Autos hinzu kämen, argumentierte Mark Pützer vom Vorstand des CDU-Ortsverbandes.

Als schnelle Maßnahme wurden vorgeschlagen, stärker auf Tempo 30 hinzuweisen. So sei zum Beispiel das Schild zu klein. Auch solle man an den Verengungen regeln, welche Richtung Vorrang hat, damit der ortseinwärts fahrende Verkehr grundsätzlich warten muss. Bisher gilt, dass zuerst fahren darf, wer als erster an der Engstelle ist. Bei gleichzeitigem Eintreffen muss man sich mit Handzeichen einigen. Manche Fahrer verstehen das mit den Handzeichen offenbar falsch und werden handgreiflich. Weiterhin wurden mehr Polizeikontrollen gefordert, auch eine stationäre Blitzanlage wurde angeregt.

Diskutiert wurde zudem über mögliche Entlastungsstraßen. Während die CDU über einen Straßenneubau vom Baugebiet Neue Höfe aus Richtung Osten nachdenkt, kam eine weiter gehende Idee aus den Reihen der Besucher. Walter Münchow regte eine Ortsumgehung parallel zur Autobahn an, und zwar auf der alten Gleis-Trasse der Rheinbraun, die unter der Feldflur noch vorhanden sei.

Diese Straße würde südlich von Dürwiß die Jülicher Straße mit der neuen L 11 verbinden und könnte über Kreisverkehre angebunden werden. Verlängert man diese Straße noch bis zur Rue de Wattrelos, bekomme man eine komplette Ortsumgehung auch für die Eschweiler Kernstadt, zum Beispiel bei Stau oder Sperrung auf der Autobahn – der Weg durch die Eschweiler Innenstadt sei durch die neue Umweltzone für Lkw ja tabu. Vor allem aber werde der Verkehr von und zur Auffahrt Ost aus Dürwiß herausgehalten.

Diesen Vorschlag fanden viele Besucher faszinierend. Der Stellvertretende Bürgermeister Wilfried Berndt wies allerdings auf den zu erwartenden langen Planungszeitraum hin: „Das wird ein dickes Brett, das wir da bohren müssten.“

Gefährliche Kreuzung

Nicht weit entfernt vom Ortseingang der Weisweiler Straße liegt der Knackpunkt Nr.2, ein Feldweg, der von der Weisweiler Straße abzweigt und Richtung Nordwesten führt, auf die Sebastianusstraße und das Baugebiet Neue Höfe zu. Dieser Weg wird nach Darstellung der CDU gern von Autofahrern als Schleichweg benutzt, was Spaziergänger gefährdet. Die Vorüberlegungen des CDU-Ortsverbandes: Eine Sperre, die von Traktoren überfahren werden kann. Gegenvorschlag eines Bürgers: Diesen „Hundegassiführweg“ gleich als Straße ausbauen. Das würde auch die Weisweiler Straße entlasten.

Heftig diskutiert wurde auch über das westliche Ende der Weisweiler Straße, die Kreuzung mit Heinrich-Heine-Straße, Konrad-Adenauer-Straße und Gasthausstraße.

Nach Ansicht vieler Bürger ist dies eindeutig die gefährlichste Kreuzung in Dürwiß. Seitdem die Gasthausstraße zur Einbahnstraße wurde, gibt es nach Darstellung des CDU-Ortsverbandes eine neue Gefahr. Da Autofahrer, die aus der Konrad-Adenauer-Straße kommen, wissen, dass von rechts niemand kommt, brettern manche mit hohem Tempo geradeaus über die Kreuzung und gefährden sowohl Fußgänger als auch andere Verkehrsteilnehmer.

In der Versammlung wurde sogar der Verdacht geäußert, dass es dort absichtlich provozierte Unfälle gibt.

Zwischentitel

Wie lässt sich dem abhelfen? Die Stadt Eschweiler, so berichtete Hajo Berndt, will es probeweise mit einer Einbahn-Regelung auf dem östlichen Stück der Heinrich-Heine-Straße versuchen. Drei Monate lang soll getestet werden, ob die Kreuzung dadurch entschärft wird.

Wer aus der Konrad-Adenauer-Straße kommt, wird dann nur noch nach links oder rechts abbiegen können. Das würde auch die Verkehrssituation in der Heinrich-Heine-Straße entschärfen. Da diese schmale Straße oft einseitig zugeparkt ist, kommt es bislang im Begegnungsverkehr zu Staus und gefährlichen Situationen. Anwohner berichteten, dass Autofahrer sogar über die Bürgersteige fahren.

Anwohner sind nicht nur die Leidtragenden, sondern oft auch die Verursacher von gefährlichen Verkehrssituationen – das wurde bei einem weiteren Gefahrenpunkt deutlich, der Kreuzung Raiffeisenweg/Hainbuchenweg. Dort wohnen viele junge Familien mit kleinen Kindern. Weil auf dem Raiffeisenweg, auch von Anwohnern des Wohngebiets, oft zu schnell gefahren werde, seien spielende Kinder gefährdet. Offenbar reicht es nicht aus, dass auf der Asphalt eine 30 und auch ein Schild „Vorsicht spielende Kinder“ aufgemalt ist.

Hilfreich ist eine Radarlux-Anlage, die mit lächelndem Smiley Autofahrer belohnt, die unter 30 km/h fahren. Allerdings ist diese Anzeigetafel seit zwei Tagen defekt.

Gefordert wird dort ein Sackgassen-Schild für den südlichen Teil des Hainbuchenwegs, weil dort oft ortsunkundige Autofahrer einbiegen. Weiter will sich die CDU für eine Aufpflasterung der Kreuzung einsetzen.

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