Eschweiler - Witzig-schräger Botschafter der Eifelgemeinden im Talbahnhof

Witzig-schräger Botschafter der Eifelgemeinden im Talbahnhof

Von: Christoph Hahn
Letzte Aktualisierung:
15881130.jpg
Die Nordeifel in Person: Jupp Hammerschmidt entfaltet im Eschweiler Kulturzentrum Talbahnhof einen komödiantischen Bilderbogen voller Menschen und Geschichten. Foto: Christoph Hahn

Eschweiler. In Höfen liegt der Ort der Welterkenntnis. Und gleich nebenan, in Kalterherberg, lauern die Mächte der Finsternis, die den braven Nachbarn einen ekelhaften Sturm, auf Platt „Ne baschtisch wrakke Wönk“, nach nebenan schicken.

Diese und andere zwerchfellerschütternden Erkenntnisse bescherte das Gastspiel von Jupp Hammerschmidt, im bürgerlichen Leben Wendelin Rader, den Gästen des Eschweiler Kulturzentrums Talbahnhof. Mit seinem Weihnachtsprogramm „Da hammer die Bescherung“ entführte der Kabarettist seine begeisterungsfähigen Zuhörer in seine Nordeifeler Heimat – und entfaltete dabei mit seinem Solo einen breiten komödiantischen Bilderbogen.

Und Hammerschmidt gibt den Menschen an den Tischen im Saal reichlich – und findet dabei in allem die Eifel. Zur Melodie von „Stille Nacht“ singt er „Eifel, mein Glück und mein Stolz“ und erinnert an seine Kinderzeit als Messdiener. Da wird’s dann sehr, sehr schräg, und zwar gewaltig.

Denn damals haben Jupp und sein Freund Karl-Heinz Thönneßen samt der anderen Ministranten eine hoch künstlerische Performance aufgeführt – eine, bei der die Höfener Buben dank ihres „Ballett-Gens“ so etwas Ähnliches wie Sirtaki tanzen und dabei, den heiligen Josef fest im Blick, singen: „Zimmermanns Jupp, dä arme Schlupp“.

Die Martinslaternen, in Höfen „Fackeln“ genannt und aus Rüben ausgehöhlt – „Beugemigranten“, also die früher „Nickneger“ genannten Figuren, in die Kinder ihre Spende für die Mission warfen, der Gang der Familie – Vater vorn, Mutter hinten – zur Christmette: In Hammerschmidts Programm steckt viel selbst Erlebtes, das der Mann auf der Bühne manchmal nur um einen kleinen Tick übertreibt. Gemixt mit einem gehörigen Schuss wohlig-warmem Heimatgefühl verfehlt das die Wirkung auf die Zuschauer nicht.

Die Geschichten sind die eine Hälfte. Jupps Schauspielerei liefert aber einen nicht weniger wichtigen Anteil am Erfolg im Talbahnhof. Er schaut in die Weite, als ob er dort und dort das Höfen der Kindheit und Jugend mit Händen greifen könnte. Ist Hammerschmidt schon als kabarettistischer Botschafter der Eifel und ihrer Menschen eine Hausnummer – als Geschichtenerzähler und Fabulierer ist er ebenso gut.

Zusammen mit der Gabe, Menschen und ihr Tun bis zur Kenntlichkeit zu übertreiben macht das den Erfolg des Gastspiels an der Inde aus.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert