Aachen/Eschweiler - Witwe schildert unter Tränen den Morgen vor dem Mord

Witwe schildert unter Tränen den Morgen vor dem Mord

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Vor Gericht: Barbara F. soll einen 75-jährigen Rentner brutal erstochen haben, um an sein Geld zu kommen. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Eschweiler. Tränen brachen aus den Augen der zierlichen Seniorin hervor, sie stockte abrupt bei der Befragung des Vorsitzenden Richters Arno Bormann am Mittwoch vor dem Aachener Schwurgericht. Dann aber hatte sie sich wieder gefasst und gab klare und deutliche Antworten auf Fragen, die den gewaltsamen Tod ihres Mannes betreffen.

Denn ein Mörder, respektive eine Mörderin, hat der 74-Jährigen am Silverstertag des vergangenen Jahres ihren Ehemann genommen, mutmaßlich wegen des Geldes, das das Rentnerpaar, in Schulbladen versteckt, unter der Wäsche in den Schränken aufbewahrte.

Auf der Anklagebank sitzt eine 48-jährige Frau, die die schmale Seniorin immer mit „Tante“ anrededete, obwohl beide nicht wirklich verwandt sind. Jener Barbara F. wird vorgeworfen, am Silvestervormittag den Rentner ermordet zu haben, weil er nicht dem Wunsch entsprochen habe, ihr erneut Geld zu leihen.

Witwe Karin R. beschrieb, wie sie ihren Mann vorfand. Nur die Beine mit den Schuhen hatte sie unter dem Küchentisch liegend gesehen, als sie die Etagentüre gegen 10.45 Uhr aufschloss – da kam die rüstige Rentnerein bereits von einem frühen Einkaufsbummel durch die Stadt zurück. Panik habe sie erfasst, sie habe nach der Nachbarin gerufen, die gerade im Treppenhaus war.

Ja, die Angeklagte kenne sie gut, sie seien aber nicht verwandt. Und Barbara F. habe immer wieder Geld geliehen von ihnen, es aber auch wieder zurückgegeben. Zuletzt seien es so um die 1000 Euro gewesen. Und die Angeklagte sei an jenem Morgen genau in dem Moment aufgetaucht, als sie sich zu ihrem täglichen Gang in die Stadt aufgemacht habe. „Sie hat gefragt, ob ich bereits die Suppe fertig hätte. Nun, sagte ich, das hättest du doch unten schon gerochen“, beschrieb die Zeugin ihre Verwunderung über das überraschende Auftauchen von Barbara F..

Vereinbartes Klingelzeichen

Dann seien beide zusammen losgegangen, das war so gegen 9.30 Uhr, wahrscheinlich etwas davor. Nach einigen Metern gemeinsamen Weges trennte man sich. „Wusste man, dass sie regelmäßig morgens gehen?“, fragte der Richter. Ja, das sei bekannt gewesen. Und auch die Tatsache, dass man Klingelzeichen vereinbart habe und Fremde somit nicht einfach hätten vor der Türe auftauchen können. So habe die Angeklagte auch gewusst, wo das Bargeld zu suchen sei. In der Tat war die Wohnung nicht durchsucht und verwüstet worden, nur zwei Schubladen standen auf, daraus fehlten insgesamt rund 2000 Euro.

Die Fragen des Gerichts zielen klar darauf ab zu erhärten, ob die Angeklagte entweder völlig überrascht war, dass Ehefrau Karin R. sich noch in der Wohnung aufhielt an jenem Tag und einen möglichen Plan, den Ehemann alleine anzutreffen, vereitelte. Denn ansonsten war die 74-Jährige früher aus dem Haus. Nur: Das spätere Opfer hatte es an diesem Tage ruhig angehen lassen und war erst gegen 9 Uhr aufgestanden. Desweiteren spielen zwei Zigarettenstummel eine wesentlich Rolle, die im Aschenbecher auf dem Küchentisch ausgedrückt waren, darunter lag der von mehrerern Messerstichen niedergestreckte Körper des Rentners. Denn der Mann rauchte eigentlich nur im Keller, nur in Gesellschaft und mit Bekannten griff er auch in der Wohnung zur Zigarette. „Es kann sein, dass sie ihn gezwungen hat, die Schuldladen aufzumachen“, vermutete Karin R. unter Tränen. Doch die Angeklagte schweigt im Prozess zu den Vorwürfen, bei der Polizei hatte sie die Tat verneint.

Ihre Nichte berichtete als nächste Zeugin, dass die alte Dame völlig zerstört sei und leide. „Es war eine gute Ehe, wie man sie heute kaum noch findet“, sagte die 48-Jährige. Der Prozess geht am Montag, 25. August, weiter.

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