Wirtschaftsbetriebe in Eschweiler in „desaströser Lage“

Von: Patrick Nowicki
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Schreiben in diesem Jahr wieder Miese: die Wirtschaftsbetriebe Eschweiler. Prüfer attestierten dem Stadtunternehmen eine desaströse Lage“. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Die Krise der Wirtschaftsbetriebe Eschweiler (WBE) beschäftigt den Stadtrat in einer Sondersitzung am 10. September. Die CDU beantragte die Zusammenkunft, nachdem Wirtschaftsprüfer dem Unternehmen der Stadt eine „desaströse bilanzielle und finanzielle Lage“ bescheinigt hatten.

Das Aachener Büro VBR ging allerdings vorrangig dem anonymen Hinweis nach, dass sich die Firmenleitung illegal bereichert haben soll. Dem widersprechen die Wirtschaftsprüfer deutlich: Die Vorwürfe hätten sich „im Rahmen unserer Prüfung für die Jahre 2014 und 2015 in keiner Weise bewahrheitet“, heißt es in dem Gutachten.

Das Stadtunternehmen hat erste Konsequenzen gezogen. So wurden die Buchhaltung neu strukturiert und eine damit bisher betraute Person versetzt. Eine externe Steuerberatungsgesellschaft hat diese Aufgaben übernommen. Die Wirtschaftsprüfer hatten zuvor in diesem Bereich deutliche Mängel festgestellt. So hakt der Jahresabschluss für das vergangene Jahr wegen kaufmännischer Fehler. Details wollte der WBE-Geschäftsführer Manfred Knollmann nicht nennen.

Patronatserklärung

Der ehemalige Kämmerer der Stadt, der das 100-prozentige Tochterunternehmen der Stadt seit einem Jahr in Teilzeit leitet, spricht von Fehlern der Vorjahre: „Es lassen sich in zwölf Monaten nicht alle Versäumnisse der Vergangenheit beseitigen.“ Er selbst beziehe eine Vergütung in Höhe von 1250 Euro, darin sei der Firmenwagen eingerechnet. Nach den anonymen Vorwürfen ließ er sich das Vertrauen des Aufsichtsrats zusichern.

Diesen leitet Bürgermeister Rudi Bertram als Vorsitzender, ihm gehören allerdings auch die Vertreter der Rats­parteien an. Die Stadt hängt schließlich am finanziellen Fliegenfänger der WBE, gab der Rat doch eine Patronatserklärung ab. Diese besagt, dass die Stadt für das Defizit der WBE aufkommen muss.

Knollmann betont, dass man diese Finanzspritze benötige, sonst sei der Gang in die Insolvenz gewiss. Allerdings dürfte das Loch in diesem Jahr geringer ausfallen, als ursprünglich befürchtet. War im Juni noch von einem Defizit in Höhe von 1,7 Millionen Euro die Rede, so spricht Knollmann aktuell von einer Millionen Euro. Als erste Reaktion auf die Misere mussten Mitarbeiter gehen, die mit einem Zeitvertrag ausgestattet waren. Auch von unwirtschaftlichen Fahrzeugen trennte man sich.

Um die Wirtschaftsbetriebe auf gesunde Füße zu heben, sollen die Leistungsentgelte der Stadt angepasst werden. „Diese sind vielfach nicht mehr zeitgemäß“, berichtet Knollmann und nennt als Beispiel den Wartungsvertrag für Geräte auf Kinderspielplätzen. Der sieht noch 200 Geräte vor, tatsächlich kümmert sich das Unternehmen um die doppelte Menge. Auch Klauseln in Altverträgen sollen aktualisiert werden, um die Ertragslage für das Unternehmen zu verbessern. Darüber hinaus will Knollmann „strukturelle Änderungen“ vornehmen. So denke man darüber nach, Wartungen und Reparaturen von Geräten fremd zu vergeben. Erste Gespräche dazu habe man geführt.

Zwar spricht Knollmann auch davon, dass die „schwarze Null“ am Ende eines Jahres stehe, aber bisher ist dies dem Unternehmen noch nie gelungen. Da es jedoch unwahrscheinlich ist, dass sich die Stadt von den WBE trennt, werden „Gebührenanpassungen“ in der Geldbörse der Bürger zu spüren sein. Allerdings geht Knollmann davon aus, dass die Gebührenzahler lediglich „marginale Erhöhungen“ verkraften müssen.

CDU will Sitzung abwarten

Die Christdemokraten, die die Sondersitzung des Rates beantragten, wollen sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht äußern. „Wir kennen das Gutachten, werden jedoch die Sitzung abwarten“, teilte der CDU-Fraktionsvorsitzende Willi Bündgens mit. Der Antrag ist mit konkreten Fragen an die WBE-Geschäftsleitung verbunden.

Im Juni dieses Jahres erhielten die Rats­parteien und Bürgermeister Rudi Bertram ein anonymes Schreiben, in dem der Verfasser der WBE-Leitung finanzielle Bereicherung unterstellte und weitere Missstände anprangerte. Daraufhin berief Bertram den Aufsichtsrat ein, der schließlich die Aachener Wirtschaftsprüfer beauftragte, den Gerüchten nachzugehen. Die Expertise äußert in vielen Punkten Kritik, räumt allerdings ein, dass nicht alles Bestandteil des Auftrags war. So monieren die Prüfer unter anderem, dass in vielen Bereichen keine Dienstanweisung bestehe. Dies will Knollmann nun nachbessern. Nach Informationen unserer Zeitung soll das Gutachten 13500 Euro gekostet haben.

Die WBE kümmern sich unter anderem um die Straßensäuberung und den Winterdienst. Zwei Personen sind alleine damit beschäftigt, 8000 Straßeneinläufe in Eschweiler zu kontrollieren. Auch die Müllentsorgung wird zum Teil von den WBE übernommen und ist eine der wichtigsten Einnahmequellen. Hinzu kommt die Friedhofspflege. Bis vor zwei Jahren waren Schönmackers Umweltdienste mit 49 Prozent beteiligt und mussten das jährliche Defizit auffangen.

Erfüllung der Aufgaben

Die Erfüllung dieser Aufgaben müssen von der Kommune sichergestellt werden. Alleine dies spricht in den Augen Knollmanns dafür, die WBE als Tochterunternehmen der Stadt zu erhalten. „Ich kenne keine Kommune in der Größe Eschweilers, die sämtliche dieser Aufgaben an andere Unternehmen vergeben hat“, sagt er. Zudem glaube er nicht, dass die Stadt dadurch besser dastehe.

Ob dies die Ratsparteien auch so sehen, wird sich in der nicht-öffentlichen Sondersitzung am 10. September zeigen. Sie findet an diesem Tag um 17 Uhr statt, anschließend tagt der Planungs-, Bau- und Umweltausschuss. Allerdings wird Knollmann selbst nicht Rede und Antwort stehen können: Er befindet sich zu diesem Zeitpunkt in Urlaub.

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