Eschweiler - Wirte schalten Sky nach Preiserhöhung ab

Wirte schalten Sky nach Preiserhöhung ab

Von: Sonja Essers
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Lutfi Kadourah hat sein Sky-Abo gekündigt. Das Schild von Sky will er auch bald abmontieren. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Immer weniger Gäste schauen sich die Spiele der Fußball-Bundesliga oder der Champions League in ihrer Stammkneipe an. Trotzdem sollen die Gastronomen für diesen Kunden-Service mehr zahlen. Und zwar deutlich mehr.

In der Indestadt ziehen die Kneipiers die Reißleine und zeigen dem Bezahlsender Sky die rote Karte. Zum 1. September erhöht dieser zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres seine Tarife und zieht damit den Unmut der Eschweiler Wirte auf sich. Kündigungen bleiben da nicht aus.

Seit November des vergangenen Jahres betreibt Lutfi Kadourah die Shisha-Bar „La Mocca“ an der Indestraße. Um mehr Kunden zu gewinnen, schloss der 25-Jährige ein en Vertrag mit dem Sender Sky ab. Über der Eingangstür des Lokals brachte er ein Schild an und trug seine Shisha-Bar auf der Internetseite des Senders ein.

„Ich dachte, dass ich so mehr Leute anziehen könnte“, sagt er. Auch seine Öffnungszeiten passte der 25-Jährige, der rund 2000 Euro in einen neuen Beamer investierte und sich von einem Freund eine Leinwand borgte, dementsprechend an. Öffnete er seinen Laden zu Beginn jeden Tag um 17 Uhr, so machte er für die Sportbegeisterten eine Ausnahme und öffnete an den Samstagen bereits um 14 Uhr.

Doch der große Ansturm blieb aus und bei Kadourah stellte sich bereits nach wenigen Wochen Ernüchterung ein. „Es waren höchstens zehn Leute da und die haben dann vielleicht eine Cola getrunken und eine Shisha geraucht“, sagt er. Pro Gast seien so höchstens zehn Euro zusammengekommen. „So konnte ich noch nicht einmal meine Kosten decken.“

Als die Preiserhöhung des Bezahlsenders vor einigen Wochen ins Haus flatterte, zog Kadourah dann die Reißleine und kündigte sein Abo. Waren für den 61 Quadratmeter großen Gastraum des Lokals bisher 330 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer im Monat fällig gewesen, so sollte der Gastronom ab September monatlich 475 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer zahlen (siehe Box unten). „Ich hätte Sky gerne behalten, aber das ist einfach ein Service, für den man draufzahlen muss“, sagt er. „Für die Gastronomen ist das einfach viel zu teuer.“

Mit seiner Meinung ist der 25-Jährige nicht allein. Michael Esser ist Inhaber der Gaststätte „Mexi & Co“ am Markt und ist sich sicher, dass die Zeiten, in denen zahlreiche Fußballfans ihren Lieblingsmannschaften in der Kneipe um die Ecke zujubelten, der Vergangenheit angehören. Die Resonanz sei vor allem seit dem Nichtraucherschutzgesetz nicht mehr so groß.

„Zu einem Fußballspiel gehören für die meisten Gäste ein Bier und eine Zigarette einfach dazu“, ist sich Esser sicher. „Für 30 oder 40 Euro im Monat kann man sich die Bundesligaspiele zu Hause anschauen, zusammen mit Freunden, einem Kasten Bier und einem Zigarettchen.“ Nicht nur Esser fragt sich: „Wer kommt da noch in die Kneipe?“

Kein Entgegenkommen

Sky berücksichtigt diese Umstände allerdings nicht. An einem Entgegenkommen sei der Sender nicht interessiert, sind sich sowohl Kadourah als auch Esser sicher. „Die kommen den Gastronomen nicht entgegen, weil sie denken, dass wir ein Schweinegeld verdienen würden. Das ist aber nicht so“, findet Kadourah und auch Esser meint: „Die haben eine Friss- oder Stirb-Mentalität. Aber da sie die einzigen auf dem Markt sind, können sie es sich leisten.“

Man versuche den Gastronomen Leckerchen zuzuschmeißen und sie so zufrieden zu stellen, sagt Esser und verweist auf das Programm des Senders, das mittlerweile auch Spiele der englischen und italienischen Fußball-Ligen enthält. Diese seien für seine Gäste jedoch wenig relevant, wie der Gastronom betont.

Beliebt seien vor allem Partien mit deutscher Beteiligung. Doch gerade bei der Champions League bestehe diesbezüglich auch immer ein gewisses Risiko. „Man weiß ja nie, wie weit die deutschen Teams kommen“, gibt Esser zu bedenken.

Auch Kadourah hat von dem erweiterten Programm nicht profitiert. „Wenn überhaupt wollten die Gäste Fußball gucken. Für eine andere Sportart haben sie sich gar nicht interessiert.“

Derzeit werden auf der Internetseite des Senders sieben Eschweiler Gaststätten aufgeführt, die Sky abonniert haben. Dazu gehören das „Chaplin“, „Dom Carlos“, „Gewölbe“, „Haus Lersch“, „Mexi & Co“, „Schneckes“ und die Shisha-Bar „La Mocca“.

Wie sich die Preise für die Gastronomen zusammensetzen, wird ebenfalls auf der Internetseite des Senders deutlich. Dort heißt es: „Es werden sowohl wirtschaftliche Faktoren als auch die Sportaffinität, die Einfluss auf die Wertschöpfung von Sky in der Gastronomie haben, berücksichtigt. Daraus wurde pro Postleitzahl eine entsprechende Einstufung entwickelt. Somit geht unser Preissystem individuell auf Ihren Standort ein. Natürlich spielt auch die Größe Ihrer Betriebsstätte eine Rolle.“

Michael Esser zahlt 475 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer dafür, dass seine Gäste Sporthighlights wie die Spiele der Bundesliga, Champions League und Formel-1-Rennen auf der Leinwand in der Gaststätte schauen können.

Vor vier Jahren sah das noch ganz anders aus. Damals zahlte der Gastronom gerade einmal 1800 Euro – im Jahr. Eine Kündigung kommt für ihn trotzdem nicht in Frage. „Der Eventcharakter ist Teil meines Konzepts. Ich komme nicht drum herum, Sky zu zeigen. Deshalb muss ich in den sauren Apfel beißen, die Kosten tragen und schlucken.“

Froh über Kündigung

Für Lutfi Kadourah war dies allerdings keine Option. Er ist froh, dass er sein Abo gekündigt hat. Auch das Schild über seiner Eingangstür will der 25-Jährige in den kommenden Tagen abhängen.

Kadourah ist jedoch nicht der einzige Eschweiler Gastronom, der sein Abo gekündigt hat. Auch im Restaurant „Dom Carlos“ in Weisweiler scheint man von dem Bezahlsender genug zu haben. Auf die Nachfrage unserer Zeitung reagierten die Inhaber lediglich mit der Aussage: „Damit wollen wir nichts mehr zu tun haben.“ Auch sie haben abgeschaltet.

Der Bezahlsender selbst wollte am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung keine Angaben machen, wie viele Eschweiler Gastronomen im laufenden Jahr ihr Abo gekündigt haben. Die Kneipenliste auf der Internetseite des Unternehmens ist allerdings deutlich kürzer geworden.

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