„Wird weniger Wasser gebraucht, steigt der Preis“

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Wasser Symbol Wasserhahn Leitungswasser Foto Lukas Schulze/dpa
Das Städtische Wasserwerk Eschweiler führt momentan eine Befragung seiner Kunden durch. Die Gründe hierfür erläutert Geschäftsführer Dieter Kamp im Interview mit unserer Zeitung. Foto: Lukas Schulze/dpa

Eschweiler. Wer in diesen Tagen einen Brief des Städtischen Wasserwerks Eschweiler (StWE) im Briefkasten findet, wird sich vielleicht wundern, warum er diesmal etwas dicker ausfällt. Grund hierfür ist eine kurze Befragung, die das StWE durchführt. Sie hilft dabei, ein neues Wasserpreis-Modell zu entwickeln. StWE-Geschäftsführer Dieter Kamp erklärt im Interview die Hintergründe.

Warum will das StWE ein neues Preismodell entwickeln?

Kamp: Grund hierfür ist, dass die Menschen immer weniger Wasser brauchen. Der Bedarf ist auf rund 120 Liter pro Person pro Tag zurückgegangen. Dank sparsamer Armaturen, optimierter Haushaltsgeräte und rationellen Umgangs mit Trinkwasser. Das gleiche gilt natürlich auch für die Industriekunden: Durch Strukturwandel, Konjunkturschwankungen, den Einsatz von Kreislaufsystemen sowie Wasserrecycling. Dadurch sinkt die Auslastung des Wasserwerks und der Rohrnetze. Das hat zur Folge, dass der Aufwand für die Qualitätssicherung des Trinkwassers steigt.

Welche Auswirkungen hat das?

Kamp: So paradox es klingt: Wird weniger Wasser gebraucht, steigt der Preis. Wenn die Absatzmengen zurückgehen, bleiben die Kosten für die Versorgungsinfrastruktur trotzdem gleich. Denn etwa 80 bis 90 Prozent der Kosten eines Wasserversorgers sind fix. Sinkt also der allgemeine Wasserverbrauch, müssen die festen Kosten auf eine kleinere Zahl von Kubikmetern umgelegt werden. Dadurch steigt tendenziell der Preis für jeden Kubikmeter Trinkwasser.

Und wie wollen Sie hier gegensteuern?

Kamp: Wir untersuchen, ob uns ein neues Wasserpreis-Modell dabei helfen kann. Das haben wir auch schon mit dem Aufsichtsrat besprochen. Aber keine Sorge, das bedeutet keine Preiserhöhung. Das Ziel ist eine Tarifstruktur mit – wie heute auch – fixen und variablen Preiselementen, die sich aber der tatsächlichen Kostenstruktur annähert. Ein bewährtes Preismodell, das diesen Anforderungen gerecht wird, ist das Systempreismodell. Bei diesem Modell dient die Anzahl der Wohneinheiten als Bemessungsgrundlage. Damit können wir die Kosten besser und verursachungsgerechter verteilen. Doch bevor es Fakten gibt, muss erst einmal untersucht werden, ob das Tarifsystem bei uns anwendbar ist.

Und wie kann die Umfrage Sie dabei unterstützen?

Kamp: Wichtig für unsere Untersuchungen zum neuen Wasserpreis-Modell ist, dass wir wissen, wie viele Wohneinheiten es pro Gebäude bei unseren Kunden gibt. Wir haben hierzu zwar schon einige Angaben, möchten sie aber jetzt vervollständigen und aktualisieren. Darum haben wir unsere Kunden angeschrieben und um eine Selbstauskunft gebeten. Sie haben einen Fragebogen bekommen, in dem sie die Anzahl der vorhandenen Wohneinheiten vermerken können und ob das Gebäude gewerblich oder überwiegend gewerblich genutzt wird. Portofrei kann der Fragebogen dann mit Unterschrift versehen an uns zurückgeschickt werden. Wenn alle Daten vorliegen, können wir die Untersuchungen abschließen. Dann sehen wir, welches Tarifmodell geeignet ist.

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