„Wir waren noch so jung“: Zwischen Fiktion und Realität

Von: kaba
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Michael Kuhn und Jennifer Riemek lasen aus ihrem Werk „Wir waren noch so jung“. Myriam Audin begleitete mit der Violine. Foto: Katja Bach

Eschweiler. Gebannt hingen die Zuhörer an den Lippen von Michael Kuhn und Jennifer Riemek. Es war keine gelöste Atmosphäre, denn dafür war das Thema des Abends viel zu ernst. Kuhn und Riemek lasen aus ihrem Roman „Wir waren noch so jung“, der die Geschichte eines jüdischen Jungen erzählt und seine Erfahrungen mit dem zunehmenden Antisemitismus und dem aufkommenden Nationalsozialismus um 1935 schildert.

Das Besondere an diesem Werk ist, dass es aus einem Romanteil besteht, in dessen Mittelpunkt dieser jüdische Junge und später Mann Jakob steht, und zudem einen Dokumentarteil aufweist, in dem Dokumente und Zeitzeugenaussagen zu finden sind, die belegen, dass die Geschehnisse im Romanteil der Realität entlehnt sind. „Dadurch erhält der Roman eine besondere Brisanz“, empfand Michaele Schmülling-Kosel, Leiterin der Stadtbücherei, in der die Lesung am vergangenen Mittwoch stattfand.

„Es ist ein ernster Hintergrund und dadurch, dass die Geschichte in Aachen spielt, fühlt man sich noch einmal mehr näher am Geschehen“, sagte sie weiter. Und auch das war wohl ein Grund für das konzentrierte und bewegte Zuhören der Gäste. Wer sich in Aachen auskennt, konnte sich durch Kuhns präzise Beschreibungen sofort am Ort des Geschehens wiederfinden und nahm so anders teil an der Erzählung, als hätte sie woanders gespielt.

Man konnte spüren, dass das Publikum auch emotional von dem berührt wurde, was Michael Kuhn und Jennifer Riemek vorlasen. Hin und wieder hörte man Laute der Ungläubigkeit oder sah den einen oder anderen mit dem Kopf schütteln, wenn der Romanfigur Unrecht widerfuhr oder Riemek mit den entsprechenden Passagen aus den Zeitzeugenaussagen die Realitätsnähe dokumentierte. Die emotionale Atmosphäre wurde zudem von Myriam Audin verstärkt, die immer wieder sehr gefühlvoll kurze Stücke auf der Violine spielte.

Im Anschluss an die Lesung gab‘s zunächst eine kurze Pause, in der die Besucher scheinbar das Gehörte verarbeiteten, bevor dann eine lebhafte Diskussion zwischen Publikum und Autoren entstand. „Dieses Buch wäre ideal gewesen, um es mit meinen Schülern zu lesen“, erklärte eine ehemalige Lehrerin und lobte das Zusammenspiel von fiktionaler Romangeschichte und den Dokumenten der jüdischen Gesellschaft Aachen.

Auch andere Zuhörer stimmten dem zu und betonten, wie wichtig es in der heutigen Zeit wieder sei, sich mit diesem Thema zu befassen. Dem stimmten auch Michael Kuhn und Jennifer Riemek zu, die mit ihrem Buch auch die Schulen erreichen wollen. „Wir geben nicht auf und versuchen weiter, unser Werk bekannt zu machen und für die Thematik zu sensibilisieren.“ Wer wissen wollte, wie es mit Jakob weitergeht, konnte das Buch im Anschluss an einem Stand erwerben.

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