Winfried Grunewald als neuer Chef für heterogene Arbeitsgruppe

Von: Patrick Nowicki
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Hilberts Treppe als Sinnbild: Der neue Schulleiter des Städtischen Gymnasiums, Winfried Grunewald, setzt auf Gemeinschaft. Foto: Patrick Nowicki
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„Versuch‘s mal mit Gemütlichkeit“: Der Schulchor gab dem neuen Chef am „Städti“ Ratschläge gegen den Alltagsstress. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Hilberts Veranschaulichung von Unendlichkeit, eine nicht enden wollende Treppe, soll als Sinnbild für die Arbeit des neuen Schulleiters Winfried Grunewald stehen, der am Montagmorgen offiziell von der Schulgemeinschaft des Städtischen Gymnasiums begrüßt wurde.

Der 44-Jährige machte vor allem deutlich, dass er sich als Teamplayer sieht, der mit allen gemeinsam über die Treppe gehen möchte. „Das Fundament wird von allen gebildet, von Schülern, Lehrern und Eltern“, sagte er.

Der Wunschkandidat

Dem neuen Chef am Gymnasium schlugen am Montag die Sympathien entgegen. Er hatte sich in der dritten Bewerbungsrunde durchgesetzt und war der Favorit der Schulversammlung. Am Eschweiler Gymnasium ist er kein Unbekannter, schließlich stellte ihn der ehemalige Schulleiter Ulrich Reinartz als Lehrer für Mathematik und Physik mit dem Satz ein: „Sie wissen schon, dass Sie als Westfale ins Rheinland kommen?!“ Im Februar 2013 wechselte er als stellvertretender Schulleiter ans St.-Angela-Gymnasium – zum 1. November kehrte er zurück. „Ich freue mich natürlich, hätte aber nicht gedacht, dass es so schnell klappt“, gab Grunewald am Montag zu.

Dass seine Amtsübernahme mit hohen Erwartungen verknüpft ist, machte in der Begrüßungsfeier auch der Lehrerrat deutlich. Ursula Lövenich, Anke Kalhöfer, Annette Zumbroich, Christian Kraus und Thomas Dolls lasen eine fiktive Stellenanzeige vor. Darin suchte eine „heterogene Arbeitsgruppe“ von „Kompetenzvermittlern“ eine neue Leitung. Anschließend salutierten sie als Matrosen vor ihrem neuen „Kapitän“ und überreichten eine bunte Schultüte und einen Rettungsring. „Wir setzen große Hoffnungen in Dich“, riefen sie Grunewald zu.

Viele Weggefährten, ehemalige Lehrer, Vertreter von Parteien, anderen Schulen und der Verwaltung waren am Montag der Einladung gefolgt und hießen auch am Mikrofon den neuen „Hausherren“ in der Aula des Gymnasiums willkommen. Bürgermeister Rudi Bertram, die stellvertretende Sprecherin der Schulleiterkonferenz, Michaela Silbernagel, die beiden Pfarrer Dr. Andreas Frick und Dieter Sommer – sie alle sprachen zu den zahlreichen Gästen und sicherten Grunewald ihre gute Zusammenarbeit zu.

Die Ernennungsurkunde hatte Winfried Grunewald schon in der vorigen Woche erhalten. Deswegen präsentierte der Schuldezernent der Bezirksregierung, Paul Palmen, zwar nicht das Schriftstück, wohl aber den ein oder anderen Ratschlag. Er bezeichnete Grunewalds Ernennung als „Rückkehr des verlorenen Sohnes“. Allerdings hielt er dem neuen Schulleiter auch vor, dass er in Zukunft auch die ein oder andere unpopuläre Entscheidung treffen müsse, was einem naturgemäß nicht so leicht falle, wenn man sich seit 15 Jahren als Kollegen kenne. Eine deutliche Hoffnung verknüpft er allerdings mit der Ernennung: „eine sichere Perspektive für viele Jahre erfolgreicher Schulleitung“.

Die Schüler drücken dem 44-Jährigen auch künstlerisch die Daumen: Schülersprecher Jonas Nobis enthüllte ein Bild, auf dem alle Pennäler in den vergangenen Tagen ihren Daumenabdruck hinterlassen haben. Dieses Werk soll nun das Zimmer des Schulleiters schmücken. Zuvor hatte Nobis mit der Elternpflegschaftsvorsitzenden Ulrike Vogel-Wittemann einige Worte an Grunewald gerichtet. Verknüpft mit dem Wunsch, er möge immer ein offenes Ohr haben.

Dass der Übergang zwischen Dr. Friedhelm Mersch und Winfried Grunewald nicht ganz nahtlos vonstatten ging, macht die Tatsache deutlich, dass die stellvertretende Schulleiterin Maria Weber einige Monate die Schulleitung übernehmen musste. In ihrem Rückblick berichtete sie aber, dass sie positiv überrascht worden sei. „Viele haben mir ihre Unterstützung zugesagt und ihren Worten auch Taten folgen lassen“, sagte sie. Die Rückkehr von Grunewald wertete sie als „Kompliment für das Städtische Gymnasium und das Kollegium“. Wer kehre schließlich gerne an einen Ort zurück, an dem es ihm nicht gefalle, meinte sie. Ihr Fazit: „Du identifizierst dich mit dieser Schule.“

Der so mit Vorschusslorbeeren bedachte Winfried Grunewald entpuppte sich in seiner Ansprache als Naturwissenschaftler, der viel Wert auf das menschliche Miteinander legt. So kam es nicht von ungefähr, dass er seinen Wunsch von Schulgemeinschaft mit einer Anlehnung an den Mathematiker David Hilbert verdeutlichte: eine nicht enden wollende Treppe.

Wer steht im Mittelpunkt? Der Schüler? Der Lehrer? Die Eltern? „Wir alle gehen gemeinsam auf dieser Treppe“, gab er die Antwort. Mal bleibe man stehen, mal seien Stufen hoch. Auf den jeweiligen Etagen gebe es die Möglichkeit, hinzuzukommen oder auszusteigen. „Mit dem Abitur kann eine neue Treppe beginnen“, erläuterte er. In Grunewalds Bild soll die Mitte frei bleiben: „Begibt sich der Schulleiter in die Mitte, so kann er abstürzen.“ Wer sich dort befinde, bleibe stehen. Auch blockiere dies die Sicht auf andere. Deswegen wolle er nun die Ärmel hochkrempeln und mit der Arbeit beginnen, darauf freue er sich.

Anschließend nutzten die Schulgemeinschaft und die Gäste die Gelegenheit zum Plausch. Die musikalische Untermalung des anschließenden Empfangs übernahmen Oberstufenschüler. Während der Begrüßungsfeier sang der Chor der Schule unter der Leitung von Annette Zumbroich. Zunächst empfing er alle Gäste mit „Willkommen, bienvenue, welcome“ international in der Aula, dann folgten gesangliche Ratschläge an Winfried Grunewald – mit einem Augenzwinkern: „Versuch‘s mal mit Gemütlichkeit“ aus „Dschungelbuch“ und „Always look on the bright side of life“ aus dem Film „The life of Brian“.

Lange To-do-Liste

Am Montag nahm sich Grunewald die musikalischen Hinweise zu Herzen und genoss den Einstieg in seine erste Schulleiterstelle. Ab heute beginnt für ihn der Alltag an der Peter-und-Paul-Straße. Was ihn erwartet, deutete seine Stellvertreterin Maria Weber an, und sie muss es wissen: „Die To-do-Liste eines Schulleiters am Städtischen Gymnasium ist lang.“

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