Eschweiler - Winfried Effenberg zieht den Schlussstrich

Winfried Effenberg zieht den Schlussstrich

Von: ran
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Nach 46 Jahren Öffentlicher Dienst, 30 Jahren Sozialamt und zuletzt dreieinhalb Jahren, in denen er das Amt des Seniorenbeauftragten in der Stadt Eschweiler etablierte, rückt nun die Musik noch mehr als zuvor in den Vordergrund: Winfried Effenberg blickt auf ein sehr bewegtes Arbeitsleben zurück. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Er blickt auf ein bewegtes Arbeitsleben zurück, das ihn über Aachen, Hamburg, Köln, Brunssum und Stolberg zurück in seine Geburts- und Heimatstadt Eschweiler führte.

Unter anderem war er als Landes-, Bundes und Kommunalbeamter tätig und fungierte seit dem 1. Oktober 2008 als erster hauptamtlicher Seniorenbeauftragter der Indestadt. Zum 1. Mai geht Winfried Effenberg nun nach insgesamt 46 Jahren im Öffentlichen Dienst, davon 30 Jahre in den Sozialämtern Stolberg und Eschweiler, in den Ruhestand. Seine letzte Amtshandlung fand aber bereits am Dienstag der vergangenen Woche während der Sitzung des Sozial- und Seniorenausschusses statt. Bis Ende April steht nun der letzte Urlaub seines Arbeitslebens auf dem Programm.

„Mein Herz hängt am Sozialamt und an der Arbeit für und mit Senioren”, denkt Winfried Effenberg gerne an die vergangenen Jahrzehnte zurück. Der Weg zum Sozialamt verlief jedoch über einige Umwege, von denen der 62-Jährige keinen missen möchte. Nach der Mittleren Reife, die Winfried Effenberg 1966 an der Realschule Patternhof ablegte, schlug er zunächst die Laufbahn als Landesbeamter im mittleren Dienst beim damals noch existierenden Regierungsbezirk Aachen ein. Nach dessen Auflösung verpflichtete sich der Indestädter für vier Jahre als Zeitsoldat. „Mit Eschweiler verwachsen, hoffte ich auf eine heimatnahe Verwendung - und wurde zunächst in Hamburg stationiert”, erinnert sich der Musikbegeisterte schmunzelnd.

Über die Zwischenstation Köln folgte die Versetzung in das Nato-Hauptquartier im niederländischen Brunssum, wo Winfried Effenberg die Aufgaben eines Personalverwalters wahrnahm. „Eine sehr schöne Zeit, in der ich viel für das Leben gelernt habe, vor allem Selbstständigkeit”, betont er. Schließlich bot die Bundeswehrverwaltung Winfried Effenberg die Ausbildung für den gehobenen Dienst in Siegen an. „Keine ganz leichte Zeit. Ich war damals bereits mit meiner Frau Liesel verheiratet und Tochter Melanie war unterwegs. Da ist es nicht so schön, drei Jahre lang nur an den Wochenenden zu Hause zu sein”, berichtet er. Doch zur Belohnung folgte eine Stelle als Bundesbeamter bei der Standortverwaltung der Bundeswehr in der Preyerstraße im heimatlichen Eschweiler.

„Für mich optimal, wir wohnten damals nämlich am Markt”, wurde Winfried Effenberg nun absolut heimatnah eingesetzt. Als sich aber die Gerüchte verdichteten, die Standortverwaltung würde geschlossen, streckte der damalige Bundesbeamte seine Fühler in Richtung Kommunalverwaltung aus. „Die Stadt Stolberg nahm mich und stellte mich vor die Wahl: Kämmerei oder Sozialamt. Da ich gerne direkten Kontakt zu Menschen habe, entschied ich mich für das Sozialamt.” Ein Schritt, den Winfried Effenberg auch drei Jahrzehnte später in keinster Weise bereut. „Ich wurde von Amtsleiter Georg Roßbruch zielstrebig eingeführt und fühlte mich nach einem Dreivierteljahr fit, selbstständig arbeiten zu können”, erinnert sich Winfried Effenberg an Zeiten, in denen ein Sachbearbeiter auch schon 140 bis 150 Fälle pro Jahr zu bearbeiten hatte.

Dienstantritt in Eschweiler

Über die Arbeitsgruppen- und Abteilungsleitung stieg der nun „Beinahe-Ruheständler” zum stellvertretenden Amtsleiter auf. In einer Zeit, in der der Siegeszug des Computers auch vor den Sozialämtern nicht Halt machte. „Das Prosoz-Institut in Herten entwickelte ein EDV-Programm für Sozialämter, bei dessen Einsatz die Stadtverwaltung Stolberg die Vorreiterrolle in der Region Aachen übernahm. Ich war dann zusätzlich nebenberuflich in der Qualitätssicherung von Prosoz tätig, was sich auch bis Eschweiler herumsprach. Bald darauf bot mir der damalige Sozialamtsleiter Stefan Graaf eine Stelle in Eschweiler an.” Am 1. Juli 1999 trat Winfried Effenberg seinen Dienst bei der Stadt als Innenrevisor im Sozialamt und EDV-Beauftragter an. Übrigens genau zwei Monate vor seinem Sohn Michael, der am 1. Oktober 1999 Mitarbeiter des Ordnungsamts Eschweiler wurde und seit kurzem für das Schulamt tätig ist. „Ich habe also meine Gene im Rathaus gelassen”, freut sich der Vater, der am 1. Januar 2005 die Nachfolge von Stefan Graaf als Abteilungsleiter „Sozialhilfe” übernahm und seitdem durch die Einführung von SGB II und SGB XII „stürmische” Zeiten erlebte.

Rund dreieinhalb Jahre später trat Bürgermeister Rudi Bertram an den zweifachen Vater mit der Frage heran, ob er sich vorstellen könne, zusätzlich die Aufgaben eines hauptamtlichen Seniorenbeauftragten der Stadt Eschweiler zu übernehmen. Nach kurzer Bedenkzeit sagte Winfried Effenberg zu, das Amt ab dem 1. Oktober 2008 auszufüllen. „Es handelt sich dabei um keine Pflicht-, sondern um eine freiwillige Aufgabe der Stadt. Das heißt, sie darf keine zusätzlichen Kosten verursachen”, unterstreicht Winfried Effenberg, der bereits im Jahr 2009 die erste „Woche der Senioren” initiierte. Eine Veranstaltung, die sich inzwischen etabliert hat. „Die Maßnahme, die Stelle eines Seniorenbeauftragten einzurichten, war richtig. Senioren haben das Recht und heutzutage auch den Anspruch, ausführlich mit Informationen über für sie relevante Themen versorgt zu werden. Dafür reichen keine fünfminütigen Gespräche.” So rückten Veranstaltungen zu Themen wie Demenz, Patienten- und Vorsorgevollmacht oder barrierefreies Wohnen immer mehr ins Blickfeld. Wichtig sei vor allem, Netzwerke mit allen Beteiligten, von den Wohlfahrtsverbänden bis zu den Pflege- und Wohneinrichtungen, zu schaffen. Und auch in der Politik müsse ein Umdenken stattfinden. „Seniorenarbeit muss zur Pflichtaufgabe werden. Das bringt alleine schon der Demographische Wandel mit sich”, blickt Winfried Effenberg, dessen Nachfolger(in) in Kürze bekannt gegeben wird, auch nach vorne.

Blick in die Zukunft

Der eigenen Zukunft schaut der erste Seniorenbeauftragte Eschweilers mit Vorfreude entgegen. Dabei spielt neben der Familie vor allem die Musik eine entscheidende Rolle. Seit 50 Jahren ist Winfried Effenberg Sänger im Kirchenchor St. Peter und Paul, auch dem Kammerchor der Franz-Liszt-Gesellschaft gehört er an. Darüberhinaus stehen das Klavierspielen und die Ahnenforschung hoch im Kurs. Und auch der Kontakt zum Rathaus dürfte nicht abreißen, schließlich hat Effenberg seine Gene im Rathaus gelassen.
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