Eschweiler - Windparkpläne entfachen Proteststürme

Windparkpläne entfachen Proteststürme

Von: Patrick Nowicki
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Der Blick auf die Halde Nierchen: Dort befinden sich aktuell neun Windräder, die durch vier deutlich größere und effektivere Anlagen ersetzt werden sollen. Die Anwohner haben für die Pläne allerdings wenig Verständnis und protestieren gegen das sogenannte Repowering. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Die Energiewende erhitzt die Gemüter: Während Umweltaktivisten die Abläufe in noch bestehenden Tagebauen stören und damit oft gegen Gesetze verstoßen, wettern Bürger gegen geplante Windparks vor der eigenen Haustüre. Zumindest in Weisweiler scheint der Protest zu fruchten.

Wie unsere Zeitung auf Anfrage erfuhr, ist die Zahl der Einwände gegen das „Repowering“ auf der Halde Nierchen mit etwa 150 dermaßen hoch, dass sich im Rathaus inzwischen die Stimmen häufen, dass die Pläne in der Schublade bleiben. Sowohl die Menschen in Langerwehe als auch in Weisweiler machten auch schon bei Bürgerversammlungen deutlich, was sie von der Idee halten, die neun derzeitigen Windräder durch vier zu ersetzen, die deutlich höher sind: nichts.

Die Einwände der Bürger werden von Fachingenieuren bewertet. Die Eschweiler Stadtverwaltung sortiert die Widersprüche und Kommentare, ehe sie den Kommunalpolitikern mit einem Beschlussvorschlag vorgelegt werden. „Der Bürgerwunsch ist sehr deutlich, dies muss man auch respektieren“, sagte Eschweilers Technischer Beigeordneter Hermann Gödde nach der Bürgerversammlung im Mai in der Weisweiler Festhalle. Dort war das Unternehmen Energiekontor angetreten, die Bedenken der Menschen mit einer großen Expertenriege auszuräumen. Doch die Veranstaltung führte keineswegs zu einer Beruhigung, denn am Ende kochte die Stimmung hoch.

Der Planungs-, Bau- und Umweltausschuss der Stadt Eschweiler hat in seiner Aprilsitzung die Offenlage der Pläne einstimmig beschlossen. Die Gemeinde Langerwehe folgte wenige Wochen später. Zwei Aspekte sind den Weisweilern ein Dorn im Auge: Mit einer Gesamthöhe von etwa 170 Metern sind die geplanten Anlagen deutlich höher als die bisherigen mit etwa 100 Metern Gesamthöhe. Viele Anwohner befürchten eine sogenannte „bedrückenden Wirkung“, die von den Windkraftanlagen ausgehe. Der zweite Kernkritikpunkt hängt ebenfalls mit der Höhe zusammen, denn Anlagen in dieser Größe müssen ein Warnlicht senden.

Proteste gegen Windkraftanlagen sind in Eschweiler nichts Neues. In einer ersten Potenzialanalyse ermittelte die Stadt Flächen, wo Windräder stehen können. Hauptkriterium war der ausreichende Abstand zu Häusern. Übrig blieben wenige Areale, unter anderem eines im Südosten vor Heistern. Dort reagierten die Menschen, gründeten eine Bürgerinitiative und verhinderten vor zwei Jahren den möglichen Bau von Windrädern an dieser Stelle.

Auch in Lohn und Fronhoven waren die Menschen wenig erfreut, als die ersten Pläne des Windparks „Nördlich Fronhoven“ vorsahen, das erste Windrad schon etwa einen Kilometer vom Ortsrand entfernt hinzusetzen. In einer CDU-Veranstaltung machten die Menschen ihrem Unmut Luft. Der Widerstand führte letztlich zu einem Teilerfolg: Ein Areal wurde aus der Planung per Ratsbeschluss herausgenommen.

Juristisches Nachspiel droht

Diese Entscheidung sorgte allerdings für Ärger: Das Dürener Unternehmen REA Umweltinvest hatte vor der Entscheidung angekündigt, juristisch gegen den Bebauungsplan vorgehen zu wollen. Mit der Ratsentscheidung wird nämlich verhindert, dass das Dürener Unternehmen nördlich von Fronhoven drei Windräder bauen kann. Der RWE-Tochter Innogy hingegen bleibt im Bebauungsplan Platz für neun Windräder. Der Baubeginn soll bald beginnen. Derzeit liegt laut Gödde noch keine Klage gegen den Bebauungsplan vor. Ohnehin hat sie keine aufschiebende Wirkung für den Bau der übrigen Anlagen.

Die Kommunalpolitiker, die letztlich der Bebauungsplanänderung zustimmen müssen, um damit die Weichen für die höheren Anlagen zu stellen, können sich mit der endgültigen Entscheidung noch Zeit lassen. Für die Sitzung des Planungs-, Bau- und Umweltausschusses am kommenden Donnerstag wird nicht über die Halde Nierchen gesprochen. Voraussichtlich für die Sitzung am 10. November kommt sie auf die Tagesordnung. Vorher soll ein Treffen von Vertretern der Gemeinde Langerwehe und der Stadt Eschweiler mit Energiekontor stattfinden.

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