Windkraft? Ja! Aber in angemessenem Abstand!

Von: Tobias Röber
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Windkraftanlagen wie diese sollen am Ortsrand von Fronhoven entstehen. Bürger machen gegen die Pläne nun mobil. Sie fordern einen Mindestabstand zur Bebauung von 2000 Metern. Foto: Stock/biky

Eschweiler-Fronhoven/Neu-Lohn. Heinz Rinkens bedient sich gerne bei Reinhold Messner, wenn er sein Anliegen vorträgt. „Alternative Energiegewinnung ist unsinnig, wenn sie genau das zerstört, was man eigentlich durch sie bewahren will“, hat der bekannte Bergsteiger einst gesagt.

Heinz Rinkens und etlichen Bürgern in Neu-Lohn und Fronhoven sind die geplanten Windkraftanlagen in der Nähe der Orte ein Dorn im Auge. Vielmehr: der geplante Abstand der Anlagen zu den Wohnhäusern. In einer Bürgerversammlung wurden die Pläne vor drei Wochen vorgestellt. Unmutsäußerungen gab es schon damals. Nun machen Bürger gegen die Pläne mobil. In einem ersten Schritt wurden 157 Unterschriften an Bürgermeister Rudi Bertram überreicht.

„Wir sind nicht gegen Windkraft. Wir möchten nur, dass die Windkraftanlagen einen angemessenen Abstand zu den Wohnhäusern haben“, sagt Heinz Rinkens. Seine Mitstreiter der Bürgerinitiative, die sich auch um die Unterschriften gekümmert hat, Berthold Braun und Marcel Cuvelier, nicken zustimmend. Aber was ist angemessen? Es gibt keine gesetzliche Vorgabe, welche Abstände einzuhalten sind. Als Orientierung gilt ein Gerichtsurteil des Oberverwaltungsgerichts Münster aus dem Jahr 2006. Damals kamen die Richter zu dem Ergebnis, dass bei einer Distanz, die geringer als die zweifache Gesamthöhe der Windanlage sei, eine „bedrängende Wirkung“ vorliegt. Die Stadt Eschweiler hat den Mindestabstand zur Wohnbebauung auf 600 Meter festgelegt.

Bereits bei der Bürgerversammlung vor drei Wochen kochten bei diesem Thema die Emotionen hoch. 600 Meter sei viel zu wenig, so die Meinung vieler Bürger. „Die tatsächlichen Abstände der geplanten Windenergieanlagen, die eine Höhe von 200 Metern haben sollen, zur Bebauung liegen jenseits der 800 Meter, der überwiegende Teil jenseits der 1000 Meter“, sagte Guido Beckers damals. Beckers ist Geschäftsführer von „BMR Energy Solutions“, dem Ingenieurbüro, das die Planungen im Auftrag von RWE übernommen hat.

Die 800 Meter plus x sind den Bürgern jedoch zu wenig. Die Bürgerinitiative fordert einen Mindestabstand von 2000 Metern zu den Wohnhäusern.

Zudem haben Rinkens & Co. die Parteien angeschrieben. UWG und SPD haben sich laut Rinkens bereits zurückgemeldet und Unterstützung beziehungsweise Gesprächsbereitschaft signalisiert. Die ist laut Rinkens auch dringend nötig. „Die Bevölkerung hier fühlt sich nicht ernstgenommen“, beklagt Rinkens. Die Bürger in Neu-Lohn (etliche von ihnen arbeit(et)en bekanntlich im Kraftwerk) hätten viel mitmachen müssen in den vergangenen Jahren und nennt neben dem Tagebau die Kraftwerksreststoffdeponie als Beispiel, deren großen Hügel man nun sehr wohl sehe. Vor rund zwei Jahren gab es gar einige Tage, an denen Asche in Richtung der Orte geweht wurde. Dieses Problem wurde kurz darauf abgestellt.

Marcel Cuvelier hat vor vier Jahren am Ortsrand Fronhovens gebaut. Damals habe man ihm im Rathaus zugesichert, der Blick in die Natur werde in den nächsten 80 Jahren nicht zugebaut. Er fühlt sich daher verschaukelt. Berthold Braun sagt: „Hätte ich das gewusst, hätte ich hier nicht gebaut.“

Ein weiteres Thema, das Heinz Rinkens auf den Nägeln brennt, ist der Infraschall. In Dänemark gibt es Untersuchungen, die davon ausgehen, dass Infraschall krank macht. Rinkens teilt diese Ansicht.

Der Flächennutzungsplan, der festlegt, wo Windkraftanlagen gebaut werden dürfen, wird derzeit überarbeitet. Um zu ermitteln, welche Flächen für den Ausbau der Windenergie zur Verfügung stehen, hat die Stadt seit September 2013 das gesamte Stadtgebiet untersuchen lassen. Etliche Flächen fielen dabei durchs Raster. Übrig blieben vier Konzentrationszonen, auf denen Windenergie ausgebaut werden soll: nordwestlich des Blausteinsees, nördlich von Fronhoven, nördlich des Kraftwerks sowie auf der Halde Nierchen.

Das 95 Hektar große Areal nordwestlich des Blausteinsees eignet sich laut Stadt für fünf Anlagen. Nördlich von Fronhoven sollen elf Anlagen auf einem Gebiet von 220 Hektar errichtet werden.

Heinz Rinkens, Berthold Braun und Marcel Cuvelier werden sicher in den kommenden Wochen und Monaten nicht ruhen. Unter anderem ist eine Internetseite zum Thema Windkraftanlagen geplant. Zudem planen Rinkens & Co., die im für die Windkraftanlagen angedachten Gebiet ansässigen Tierarten genau zu dokumentieren. Wir werden das Thema weiter begleiten...

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