„Willkommen in Eschweiler“: Nico hat‘s geschafft, Jasmin noch nicht

Von: Patrick Nowicki und Tobias Röber
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Glücklich: Nico aus Rumänien (Vordergrund) und die anderen erfolgreichen Teilnehmer zeigen ihre Zeugnisse. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Geschafft! Nico lehnt sich in seinem Stuhl mit einem Lächeln zurück, als Malgorzata Müller, Leiterin des Fachbereichs Sprachen an der Eschweiler VHS, ihn fragt, ob er denke bestanden zu haben. „Ja“, sagt er. Und Recht hat er. Wenige Sekunden später hält er sein Zeugnis in den Händen. Ein Jahr lang haben wir Nico aus Rumänien, die Syrerin Jasmin und ihre Mitschüler im Integrationskurs begleitet – bis zur Zeugnisausgabe. Nico hat es geschafft, Jasmin noch nicht.

Der Kurs hatte mit 20 Teilnehmern begonnen, 14 wurden zur Prüfung zugelassen. Von denen haben wiederum elf die Prüfung „Deutsch-Test für Zuwanderer“ auf dem Niveau B1 (Lesen/Hören, Sprechen und Schreiben) bestanden. Drei Teilnehmer müssen einen Teil des Kurses (Module 4,5 und 6) und die Prüfung wiederholen.

„Leben in Deutschland“

Im Modul 7 haben 14 Teilnehmer den Test „Leben in Deutschland“ (Kenntnisse über das Land, Geschichte, Politik und Kultur) abgelegt. Dabei wurden sie auf 330 Fragen vorbereitet. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, das für die Integrationskurse verantwortlich ist und diese finanziert, hat 33 Fragen gestellt. 60 Minuten hatte jeder Zeit, die Fragen zu beantworten. 17 Fragen mussten richtig beantwortet werden. Alle Teilnehmer haben in Eschweiler bestanden. Seit dem 1. April gilt dieser Test auch als Einbürgerungstest. Wer künftig den deutschen Pass beantragen möchte, kann den Einbürgerungstest bereits in einem Integrationskurs absolvieren und muss keine zusätzliche Prüfung ablegen.

Einbürgerung erleichtert

Ziel des Integrationskurses ist es, dass die Teilnehmer erfolgreich am Abschlusstest teilnehmen. Dieser Test besteht aus zwei Prüfungen: dem Sprachtest „Deutsch-Test für Zuwanderer“ (DTZ) und dem Test „Leben in Deutschland“. In der Sprachprüfung DTZ können die Absolventen im Gesamtergebnis das Sprachniveau A2 oder B1 des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) nachweisen (siehe Infobox). Wenn sie die Sprachprüfung auf der Stufe B1 und den Test „Leben in Deutschland“ bestehen, haben sie erfolgreich am Abschlusstest teilgenommen und erhalten das „Zertifikat Integrationskurs“.

Das Zertifikat erleichtert die Einbürgerung. Das Staatsangehörigkeitsgesetz legt fest, dass damit die deutsche Staatsbürgerschaft schon nach sieben Jahren rechtmäßigen Aufenthalts in Deutschland beantragt werden kann – normal sind acht Jahre.

Fazit: Eine Menge Hürden sind mit der erfolgreichen Teilnahme genommen, und die Fortschritte der Teilnehmer sind in der Tat enorm. Ein Beispiel: Dimitra aus Griechenland. Seit 17 Jahren lebt sie in Deutschland, aber erst mit dem Integrationskurs hat sie die deutsche Sprache gelernt. 88,5 von 100 Punkten im Lesen, 19 von 20 Punkten im Schreiben und 38 von 45 im Lesen – ein gutes Ergebnis. In einem fremden Land mit fremder Sprache, fremder Grammatik und einem anderen Alphabet.

Noch besser sieht das Resultat des Esten Raimuth aus. 90,5/19/44 Punkte lautet sein Ergebnis. „Als er nach Deutschland kam, konnte er nichts. Seine Frau hat immer für ihn gesprochen“, sagte Malgorzata Müller und fügte an: „Das ist jetzt ganz anders. Ich bin stolz auf dich!“ Und Nico? 95,5 Punkte im Sprechen, alle 20 Punkte im Schreiben und 42 Punkte im Lesen. Es gibt nur wenige, die es besser machen.

Malgorzata Müller appellierte bei der Zeugnisübergabe dennoch: „Lernt weiter. Das Gehirn braucht Zeit, bis die Sprache vertieft ist.“ Sie gab auch Tipps mit auf den Weg. So solle man Fernsehen nicht nur in der Muttersprache schauen, in Ämtern, bei Arztbesuchen und beim Einkaufen selbst sprechen und nicht Freunde oder Familienmitglieder mitnehmen.

Nico hatte Deutschland bereits als Saisonarbeiter kennengelernt. In Rumänien hat er Zimmermann gelernt und dann Agrarwissenschaften studiert. Ein Jahr fehlt ihm bis zum Abschluss. Zu gerne würde er das Studium beenden. Die Jobsuche war mitunter zäh, und der Rumäne machte dafür vor allem die mangelnden Sprachkenntnisse verantwortlich. Er arbeitete unter anderem in einem Schnellrestaurant. Die Sprachkenntnisse hat er jetzt. Im Fußballverein Rhenania Eschweiler hat er schnell Anschluss gefunden, und auch beruflich soll es jetzt aufwärts gehen.

Bis Jasmin ihr Zeugnis in den Händen hält, wird es noch etwas dauern. Einen Tag vor der Prüfung reiste sie aus Deutschland ab, zurück in die syrische Heimat. Bis Juli bleibt sie dort an der Uni, um ihr BWL-Studium zu beenden. Wenn sie ihr Diplom in der Tasche hat, will sie zurück nach Deutschland kommen und den Integrationskurs beenden. Am 19. November könnte sie die Prüfung machen.

Wie viele andere Teilnehmer hat sich auch Jasmin sprachlich sehr gut entwickelt. Auch persönlich hat sie sich verändert. Saß sie in den ersten Unterrichtsstunden noch mit Kopftuch in der Volkshochschule, hat sie dieses längst abgelegt.

„Integration funktioniert über Sprache“, weiß Malgorzata Müller und empfiehlt daher allen Menschen mit Migrationshintergrund, Kurse zu besuchen. Sie weiß jedoch auch, dass das nicht in allen Familien gerne gesehen ist. So gibt es auch immer wieder Teilnehmer, die die VHS heimlich besuchen. Da ist es gut, dass es nicht nur Kurse am Abend, sondern auch tagsüber gibt.

Nächster Kurs ab August

Der nächste Integrationskurs für Anfänger beginnt am 26. August und ist bereits voll. Nur noch wenige Plätze sind im Abendkurs frei, der am 1. Dezember startet. „In Eschweiler bleibt niemand ohne die Möglichkeit, Deutsch zu lernen“, sagt Malgorzata Müller. Nico, Jasmin und die anderen Teilnehmer stimmen ihr zu. Und was aus ihnen in Eschweiler wird, werden wir mit Sicherheit weiter beobachten...

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