Willi Pitz möchte Lionel Messi unbedingt noch live sehen

Von: Andreas Röchter
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Unter ihm lernten unzählige Indestädter das Schwimmen und so mancher Kicker verbesserte sein fußballerisches Vermögen: Schwimmmeister, Fußballer und Fußballtrainer Willi Pitz wird am heutigen Samstag 80 Jahre alt. Foto: Andreas Röchter
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Nicht nur als Schwimmer war Willi Pitz aktiv. Foto: Privat
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Auch als Co-Trainer bei der ESG war er aktiv (Pitz steht ganz rechts, das Bild zeigt unter anderem Bürgermeister Rudi Bertram, unten Mitte). Foto: Privat
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Während seiner Zeit bei der Marine lernte er er in Flensburg seine Frau kennen. Foto: Privat

Eschweiler. Sein bevorzugtes Element ist das Wasser. Und der grüne Rasen, der zu seiner Zeit als Fußballer auch noch häufig nach roter Asche aussah. Unzählige Indestädter lernten unter der Ägide von Willi Pitz als Schwimmmeister (auf keinen Fall „Bademeister“) und Bäderbetriebsleiter der damals noch vier Eschweiler Bäder Jahnhalle, Freibad Dürwiß sowie Hallen- und Freibad Weisweiler, sich erfolgreich über Wasser zu halten.

Als Kicker führte der Weg des linken Läufers, der 1937 das Licht der Welt erblickte und an der Marienstraße aufwuchs, von der „Weltklasse-Straßenmannschaft“ Langwahn und der Jugendabteilung der ESG nach einer mehrjährigen Pause über Germania Dürwiß und den SC Elsdorf zurück zur ESG, wo er auch zu Einsätzen in der Verbandsligamannschaft kam. Nach Abschluss seiner Spielerkarriere zog es ihn an die Seitenlinie.

Willi Pitz trainierte zunächst die Torhüter der ESG, hatte unter Willi Bergstein und Gerd Kalscheuer das Amt des Co-Trainers der Elf vom Patternhof inne, bevor er als Inhaber der B-Lizenz den Posten des Cheftrainers übernahm. 1988 zog es ihn zu den Bergrather Falken, die er bis 1993 trainierte und nach wie vor als Vereinsmitglied unterstützt. Heute in zwei Wochen vollendet Willi Pitz sein 80. Lebensjahr. Im Interview blickt der Jubilar zurück.

Die vielleicht wichtigste Frage gleich zu Beginn: Wie geht es Ihnen?

Pitz: Ich bin durchaus zufrieden. Trotz inzwischen acht Operationen, die ich alle dem Fußball zu verdanken habe. Dennoch möchte ich keine einzige Sekunde auf und neben dem Platz missen.

Im Wasser gibt es weniger Ecken und Kanten, trotzdem kann dieses Element lebensgefährlich sein. Der Schwimmmeister trägt in jeder Sekunde seines Wirkens äußerste Verantwortung. Wie geht man damit um?

Pitz: Natürlich habe ich mir stets Gedanken gemacht, vor allem in der Zeit, in der ich als Badebetriebsleiter (1979 bis 1991) und anschließend bis 1996 als Leiter der damals noch vier städtischen Bäder in der Verantwortung stand. Selbstverständlich hat man als Schwimmmeister das handwerkliche Rüstzeug und ist zum Rettungsschwimmer ausgebildet. Doch Theorie und Praxis, Training und Ernstfall, sind zwei verschiedene Dinge. Man muss unbedingt in der Lage sein, schnell zu reagieren.

Und in meinen 31 Jahren als Schwimmmeister zwischen 1965 und 1996 hat es zum Glück nicht viele, aber doch einige dramatische Szenarien gegeben. In den Sommermonaten ging der Blick jeden Morgen nach dem Aufstehen sofort zum Himmel. Die Fragen lauteten: Wie wird das Wetter und wie reagieren wir darauf? Zumal damals neben den Freibädern auch immer noch das Hallenbad Jahn-straße geöffnet war, wodurch Mitarbeiter gebunden wurden.

Wie kam es überhaupt zu Ihrer Affinität zum Wasser?

Pitz: Freunde von mir wohnten nur einen Steinwurf von der damaligen Schwimmhalle in der Kaiserstraße entfernt. Die haben mich mitgeschleppt. So wurde ich Mitglied des SV Hellas. Auf dem Weg zum Weltmeister war ich nicht unbedingt, für einen Platz in der Staffel hat es aber immer gereicht. Und für einen Platz im Tor der Wasserballmannschaft.

An der Kaiserstraße haben sie auch das Schwimmen erlernt?

Pitz: Nein! Schwimmen gelernt habe ich in der freien Natur, nämlich in Leuchters Mühle. Der Müller hatte quasi von der Inde einen Nebenarm abgezweigt, um das Wasser für seine Mühle nutzen zu können. Ich habe also in einem Nebenarm der Inde das Schwimmen gelernt. Das wäre heutzutage so wohl nicht mehr möglich.

Gleichzeitig zum Schwimmen sind sie aber auch dem Ball nachgejagt?

Pitz: Vor allem auf der Straße. Praktisch jeden Tag nach der Schule. Unsere Straßenmannschaft vom Langwahn bestand zum großen Teil aus Vereinsspielern und war sehr stark. Mit neun Jahren habe ich kurz nach dem Krieg dann auch in der Schülermannschaft der ESG als Vereinsfußballer begonnen und die gesamte Jugendabteilung durchlaufen. Der Sportplatz Talstraße war legendär. Einmal tat sich hinter einer Eckfahne ein großes Loch auf. Dort war ein ehemaliger Bunker eingestürzt. Damit musste das Kicken erst einmal eingestellt werden.

Nach der Schulzeit führte Ihr Weg dann aber wieder zum beziehungsweise auf das Wasser. Wie kam es dazu?

Pitz: Mein Wunsch war es, als Soldat zur Marine gehen zu können. Zunächst einmal habe ich aber den Beruf des Maurers erlernt. Als dann der Winter 1959 aber extrem streng und lang wurde, waren wir bis in den April hinein gezwungen, Stempeln zu gehen. Finanzielle Einbußen waren die Folge. Deshalb habe ich mich bemüht, meinen Wunsch in die Tat umzusetzen. Mit Erfolg! Wenige Wochen später ging es über Glückstadt und die Fernmeldeschule Flensburg zum 2. Schnellbootgeschwader nach Wilhelmshaven, mit dem ich an einigen Nato-Manövern in skandinavischen Gewässern teilnahm. Und seekrank bin ich nie geworden!

Der Gedanke, länger bei der Marine zu bleiben, war nicht vorhanden?

Pitz: Im Prinzip wäre ich gerne geblieben. Doch in Flensburg hatte ich meine Frau kennengelernt. Zwei meiner drei Kinder wurden dort geboren. Es hieß also, Geld zu verdienen. Während des Baubooms konnte man dies als Maurer dank der Akkordarbeit. Deshalb führte nach vier Jahren der Weg zurück in meine Heimatstadt Eschweiler, beziehungsweise in die damalige Gemeinde Dürwiß.

Wo sie aber doch wieder der Ruf des Wassers ereilte?

Pitz: In den Jahren 1963/64 wurde die Jahnhalle gebaut. Ich hatte meine Kontakte zum Schwimmverein wieder aufgenommen. Ich erfuhr, dass Schwimmmeister gesucht wurden, bewarb mich und trat am 1. April 1965 meinen Dienst an. Bis 1967 durchlief ich die Ausbildung zum staatlich geprüften Schwimmmeister.

Von 1971 bis 1979 wurde ich als stellvertretender Badebetriebsleiter im Hallenbad Jahnstraße eingesetzt. In diese Zeit fiel die Prüfung zum Schwimmmeister neuer Art, die ich am 3. Oktober 1978 ablegte. Seitdem gehörte unter anderem auch die Wasseraufbereitung zu meinen Aufgaben. Zwischen 1979 und 1991 fungierte ich als Badebetriebsleiter, bevor ich bis zu meiner Pensionierung im Jahr 1996 die Leitung der vier städtischen Bäder übernahm.

In Sachen Fußball haben sie eine mehrjährige Pause eingelegt. 1963 rollte der Ball dann aber wieder für Sie.

Pitz: Richtig! Nach meinem Umzug nach Dürwiß bin ich regelmäßig zum alten Sportplatz gegangen, um den Spielern der Germania auch beim Training zuzuschauen. Trainer Otto Kummer kam dann eines Tages auf mich zu und fragte, ob ich nicht mal mittrainieren wollte. Das musste er mich kein zweites Mal fragen. Ich wollte einfach nur wieder Fußball spielen. Dies habe ich dann zunächst in der 2. Mannschaft getan und mich über anscheinend recht ordentliche Leistungen für die 1. Mannschaft empfohlen, in der ich allerdings nicht Stammspieler wurde.

Weil die Konkurrenz groß war?

Pitz: Bei der Germania spielten damals unter anderem Peter Stopka und Aka Willms. Mit letzterem habe ich mich auch privat sehr gut verstanden. Ein feiner Mensch. Und natürlich ein sehr guter Fußballer, der mir auf dem Platz klare Anweisungen gab, was ich zu tun hatte: Nicht zuletzt Laufarbeit leisten! Als Aka Willms dann zur Saison 1970/71 als Trainer nach Elsdorf ging, habe ich meine fußballerischen Zelte bei der Germania nach acht Jahren abgebrochen und bin mit in die Bezirksliga Jülich gewechselt, in der wir Meister wurden und in die Landesliga aufstiegen.

Doch die Anziehungskraft des Patternhofs war nach wie vor stark?

Pitz: In der Tat. Ab 1971 trug ich wieder das Trikot der ESG und wurde sowohl in der 1. Mannschaft, die in der Verbandsliga spielte, sowie in der 2. Mannschaft eingesetzt. Mit 43 Jahren absolvierte ich dann 1980 meine letzte Partie als aktiver Spieler.

Was keinesfalls heißt, dass der Fußball sie losließ.

Pitz: Das Gegenteil war der Fall. Unmittelbar nach Abschluss meiner aktiven Zeit als Spieler wurde ich Torwarttrainer bei der ESG. Anschließend war ich Co-Trainer der 1. Mannschaft unter Willi Bergstein und Gerd Kalscheuer, von denen ich viel gelernt habe. Schließlich habe ich dann die Prüfung zur Trainer-B-Lizenz erfolgreich absolviert und den Cheftrainer-Posten bei der ESG übernommen. 1988 endete meine Tätigkeit nach einem misslungenen Start in die Verbandsliga-Saison. Mein Nachfolger wurde Wolfgang Janowski.

Doch wie erreichte Sie dann der Ruf der Bergrather Falken?

Pitz: Da hatte ein gewisser Rudi Bertram einen Anteil dran. Er war ja damals Sportamtsleiter, somit mein Chef und darüber hinaus zuvor als Trainer bei den Falken tätig gewesen. In einem lockeren Gespräch fragte er mich, ob ich mir vorstellen könnte, noch einmal als Trainer zu arbeiten. Ich konnte und bald war der erste Kontakt nach Bergrath hergestellt.

In der Saison 1989/90 wurden wir Vizemeister in der Kreisliga B, ein Jahr später stiegen wir als Meister in die Kreisliga A auf, wo wir uns in den Spielzeiten 91/92 sowie 92/93 halten konnten. Danach habe ich meine Trainerlaufbahn beendet. Es waren sehr schöne aktive Falke-Jahre. Nicht zuletzt unsere Mannschaftstouren nach Prag, München und Willingen sowie unser „Trainingslager“ im Center-Parc De Vossemeeren sind mir in bester Erinnerung geblieben.

Der Verein hat Sie aber bis heute nicht losgelassen. Oder?

Pitz: Das ist schon erstaunlich. Schließlich bin ich ja eigentlich kein Bergrather Junge. Aber die Atmosphäre in diesem Verein gefällt mir so gut, dass ich seit über einem Vierteljahrhundert Falke-Mitglied bin. Ich bin bei jeder Jahreshauptversammlung interessierter Gast und schaue mir so manches Spiel im Willi-Bertram-Stadion an. Auch wenn wir schon einmal 0:3 verlieren, genieße ich die Zeit.

Gibt es Wünsche für die Zukunft?

Pitz: Ich hoffe, so gesund zu bleiben, dass ich möglichst viel Zeit am Wasser verbringen kann. Und eins noch: Ich bin ein Bewunderer von Lionel Messi. Irgendwie muss es mir gelingen, diesen wunderbaren Fußballer einmal aus der Nähe zu betrachten.

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