Willi-Fährmann-Schule droht das Aus

Von: Patrick Nowicki und Andreas Röchter
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Unterricht in der Willi-Fährmann-Schule: Die Pläne zur Inklusion können das Aus für die Einrichtung an der Martin-Luther-Straße bedeuten. Foto: Jana Röhseler

Eschweiler. Die Willi-Fährmann-Schule steht vor einer ungewissen Zukunft. Ihr Aus ist nicht nur möglich, es ist sogar wahrscheinlich. Der Hintergrund: Eltern sollen im Rahmen der Inklusion entscheiden können, ob ihr Kind trotz Förderbedarf eine Regelschule besuchen soll.

In der Willi-Fährmann-Schule, die vor wenigen Jahren noch für 4,2 Millionen Euro saniert worden ist, kann dies der Todesstoß bedeuten. Eine Verbundschule muss mindestens 144 Schüler vorweisen, aktuell sind es an der Martin-Luther-Straße 154. Aber schon im kommenden Schuljahr sind es nur noch 135. Die Konsequenz für die Stadt: Die Schule muss geschlossen werden.

Im Kollegium der Willi-Fährmann-Schule ist man auf dieses Szenario vorbereitet, wie der Schulleiter Karlmartin Eßer erläutert. Schon seit längerem sei man in Gesprächen mit der Realschule, der Gesamtschule und der Hauptschule. „Dort sind wir mit den Vorbereitungen für die Umsetzung der Inklusion weiter, als viele vielleicht denken.“ Es laufe vieles positiv. Allerdings bleiben einige Fragezeichen bestehen. So gibt Eßer zu bedenken, dass sich die Anteile bei den Schülern mit besonderem Förderbedarf verschieben. „Die Zahl der Schüler mit eklatanten Verhaltensauffälligkeiten in den Bereichen emotionale und soziale Entwicklung nimmt stark zu. Diese Entwicklung wird zu großen Belastungen für die Systeme der Haupt-, Real- und Gesamtschulen führen“, glaubt er.

Auch nach dem nächsten Schuljahr werden nicht alle Kinder eine Regelschule besuchen können. Eßer nennt als aktuelle Zahl 25 Schüler an der Willi-Fährmann-Schule, bei der ein „besonderer Förderbedarf“ bestehe. Für sie müsse man eine ortsnahe Lösung finden, fordert er. Der Vorschlag der Nordkreiskommunen, alle an einer Stelle zu beschulen, hält Eßer als nicht sinnvoll für Eschweiler. „Man muss bestehende Kooperationen nutzen und sollte es den Kindern nicht zusätzlich zumuten, in eine andere Stadt zu fahren, um den Unterricht zu besuchen“, meint er.

Norbert Greuel, Schulamtsdirektor der Städteregion, verteidigt die Pläne: „Die Verantwortlichen innerhalb des NRW-Schulministeriums legen großen Wert darauf, dass Inklusion laut Definition der Vereinten Nationen als ein Menschenrecht zu verstehen ist.“ Während der jüngsten Sitzung des Schulausschusses berichtete er über den Stand der Dinge und ging dabei nicht zuletzt auf die Situation der Willi-Fährmann-Schule (Förderschule im Verbund mit den Schwerpunkten „Lernen“ sowie „Emotionale und Soziale Entwicklung“) ein.

Teilhabe aller

Inklusion sei etwas anderes als Integration. „Sie umfasst die volle Teilhabe aller Personen außerhalb aller Einschränkungen und stellt damit eine Zukunftsvision für eine neue Gesellschaft dar.“ Ob dieses Ziel jemals vollständig erreicht werden könne, bleibe abzuwarten. „Aber wir sind verpflichtet, alles dafür zu tun.“ Er unterstreicht, dass die allgemeinen Schulen der Regelförderort seien und Förderschulen die Ausnahme bildeten.

„Wird das Gesetz im September verabschiedet, besteht im Sommer 2014 ein Rechtsanspruch für Schüler der Klassen 1 und 5 auf Beschulung in einer allgemeinen Schule. Bis 2020 wird dies sukzessive auf die Klassen 1 bis 10 ausgebaut. Dabei muss prinzipiell dem Elternwunsch, der einklagbar ist, entsprochen werden“, machte Norbert Greuel deutlich. Grundsätzliches Ziel dieser Entwicklung sei es, Barrieren abzubauen.

Dietmar Schultheis, stellvertretender Vorsitzender des Schulausschusses, sieht in den Plänen eine „große Herausforderung für die Gesellschaft, die darauf noch nicht gänzlich vorbereitet ist.“ Es sei noch eine Menge Überzeugungsarbeit zu leisten. Norbert Greuel wirbt für die Vision der Inklusion: „Die Anwesenheit von Schülern mit besonderem Förderbedarf sorgt für eine individuelle Förderung, die auch hochbegabten Schülern zugute kommt.“ In der Städteregion gebe es derzeit 4200 Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf, von denen 1500 integrativ beschult würden. „Es ist also nicht so, dass die Regelschulen ab dem Schuljahr 2014/15 von Schülern mit besonderem Förderbedarf überschwemmt werden“, erklärte er.

Rechtsamtsleiter Dieter Kamp stellt fest: „Das Gesetz wird kommen, wir müssen uns als Schulträger damit auseinandersetzen. Die Probleme sind erkennbar, es ist viel Diskussionsstoff vorhanden. Wir bemühen uns, der Politik schnell eine wohldurchdachte Entscheidungsvorlage zu präsentieren.“ Die Lehrer an der Willi-Fährmann-Schule hoffen, dass ihre Einrichtung nicht sofort geschlossen wird, um einen sauberen Übergang zu gewährleisten.

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