Wie war das damals 1933 in der Indestadt?

Von: sh
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Untersuchten mit ihren Mitschülern die Ereignisse rund um den 2. Mai 1933 in der Indestadt: Die Gesamtschülerinnen (von links) Ginger Rose, Sara Oulbacha, Martina Serdar, und Nicole Truwe. Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. Jugendlicher Forscherdrang und Eschweiler Geschichte - zwei Aspekte, die für Schüler der Städtischen Gesamtschule zu einem erfreulichen 2. Platz beim bundesweiten Wettbewerb der Gewerkschaftlichen Immobiliengesellschaft für Restitutionsobjekte führte.

Das Thema, mit dem die Waldschüler die Fachjury begeisterten: „2. Mai 1933. Hände hoch, Sie sind verhaftet! Hitlers Helfer überfallen die Gewerkschaftshäuser. Ereignisse, Schicksale, Verantwortungen.”

Für die Gewerkschaften war - auch in Eschweiler - der Mai 1933 ein schwarzer Monat. Den 1. Mai ließ Hitler noch zum traditionellen Kampftag der Arbeiterbewegung, zum „Tag der Nationalen Arbeit” erklären.

Doch nur 24 Stunden später wurden die Gewerkschaftshäuser deutschlandweit von SA- und SS-Truppen gestürmt. Das von langer Hand geplante Ziel der Nationalsozialisten: Die freien Gewerkschaften sollten in ihrer bisherigen Form zerschlagen werden, Vermögen wurden beschlagnahmt und die Vorstände verhaftet.

Wenige Tage später wurden alle Gewerkschaftsmitglieder in die neue Organisation der „Deutschen Arbeiterfront” (DAF) zwangsüberführt. Von freiwilliger und unabhängiger Gewerkschaftsarbeit konnte von diesem Moment an in Deutschland nicht mehr gesprochen werden.

Kein großer Widerstand

„In Eschweiler vollzog sich der Übergang von den freien Gewerkschaften zur DAF am 2. Mai 1933, ohne auf großen Widerstand zu stoßen”, schreiben die Zehntklässler der Gesamtschule in ihrem Gewinner-Aufsatz.

Der Grund dafür: Anders als in den Gewerkschaftshochburgen Stolberg und Aachen war die Zahl der Mitglieder in der Indestadt eher gering. Auf jeden Fall zu gering, um nennenswerten Widerstand zu leisten.

In Eschweiler herrschte damals eine hohe Arbeitslosenquote, auch herrschte eine große Zustimmung für die kommunistische KPD und das konservativ-katholische Zentrum. Letztere wurde 1933 mit 30,06 Prozent die stärkste politische Kraft an der Inde.

Die NSDAP reagierte hierauf mit Härte: Kommunisten wurden verfolgt und verhaftet und es gab Versammlungsverbote für „staatsfeindliche Organisationen”.

„In Anbetracht dieser Vorgehensweise der NSDAP gegen politische und ideologische Gegner kapitulierten am 2. Mai 1933 die wenigen noch operierenden Gewerkschaftler in Eschweiler und schlossen sich ohne größeren Protest der DAF an”, fanden die Schüler heraus.

Aber es gab Protest. 553 Namen von Gewerkschaftlern nennt eine Ehrentafel des Deutschen Gewerkschaftsbunde (DGB), die während des Dritten Reichs ermordet wurden.

Auch die Eschweiler Gewerkschaftler Kurt Dietz und Josef Gieren gehörten zu den Opfern des nationalsozialistischen Terrors.

Ein weiterer Grund für Schwierigkeiten bei der Recherche stellte für die Gesamtschüler nicht nur die knappe und oftmals durch Propaganda verfälschte Dokumentenlage im Zeitungsarchiv dar.

Auch der Fakt, dass es in Eschweiler keine Gewerkschaftshäuser, sondern lediglich einige wenige kleinere Gewerkschaftsbüros gab, in denen Ortsverbände verschiedener größerer Gewerkschaften ansässig waren, erschwerten die Nachforschungen.

So befand sich das Büro des Metallarbeiterverbandes an der Marienstraße, Hausnummer 70. Räume des Kartells der Christlichen Gewerkschaften lagen am Langwahn 59. Zudem gab es Versammlungsorte verschiedener gewerkschaftlicher Gruppen in Gaststätten.

In der hiesigen Tagespresse wurde über den 2. Mai 1933 so gut wie gar nicht berichtet. Von „Einbau der Gewerkschaften in den Staat”, „Maßnahmen gegen katholische Verbände” und „Gleichschaltung der Christlichen Gewerkschaften” war die Rede.

„Aktion gegen die Freien Gewerkschaften ruhig verlaufen” titelte der Allgemeine Anzeiger am 3. Mai 1933.
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