Wie nähert man sich dem Tod?

Von: jope
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Otto Maus und Monika Meinhold funktionierten beim Kabarettabend im Talbahnhof später ihre Narrenmützen zu Spendendosen für ihre Hospiz-Initiative Eschweiler um. Foto: Joachim Peters

Eschweiler. Wie nähert man sich den Themen „Trauer” und „Tod”? Etwa todernst, wie es sich in unserer Gesellschaft zu gehören scheint? Oder gibt es noch eine andere Möglichkeit? Bei einer stark besuchten Benefizveranstaltung für die eigene gute Sache näherte sich jetzt die Hospizinitiative Eschweiler auf eine ganz andere Weise dem scheinbar Unaussprechlichem.

Mit Humor, und selbst dem - wie es dann in der Natur der Sache liegt - der makabren Sorte. Und dennoch: Der aus Krefeld angereiste Kabarettist Stephan Franke - kurze Zeit einmal Lehrer an der Eschweiler Erich-Kästner-Schule - umschiffte in seinem Soloprogramm „Ruhe sanft” trotz beißendem Humor mögliche Klippen niveauvoller Geschmacklosigkeit.

Das Böse, Dämonische und Unfassbare - kurzum alles, was nun einmal der Tod beinhaltet - lässt sich oft mit pointiertem Witz besser bannen als moralinsäurehaltigen Moralpredigten. Lachen befreit und löst innere Spannungen und Lähmungen. So hielt es auch Stephan Franke mit seinem Publikum. Dass dieses, teilweise aus den rührigen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern der Hospizinitiative Eschweiler zusammengesetzt, sich manchmal (wenn auch etwas verschämt) des herzhaften Lachens nicht enthalten konnte, zeugte vom Gelingen des Abends und der dahinterstehenden Absicht. Stephan Franke verstand es jederzeit, mit einer Mischung aus englischem Humor á la Monthy Python und rheinischer Fröhlichkeit selbst makaberste Mordversuche und Todesfälle in amüsante Unterhaltung umzusetzen. Ob Himmel oder Hölle durchquert wurden, stets ging der Meister beglückend voran - und das zwei Stunden lang.

Schon mit dem Eingangsgag brachte Stephan Franke die Besucher auf seine Seite. Er beschäftigte sich mit den allseits beobachteten psychosomatischen Störungen, die sich bei ihm vorwiegend durch „Taubheitserscheinungen im linken Ohrläppchen” manifestierten. Francke: „Dabei habe ich weder beruflichen noch privaten Stress. Ich bin Beamter und meine Frau hat eine gut funktionierende Beziehung neben ihrer Ehe”.

Köstlich der Auftritt als „Herr Maaßen”, der - in Hausmeister-Krause-Outfit und -Tonfall - über die Grabvorstellungen für sich und seine eigene Familie schwadronierte. Wegen Platzknappheit in der Familiengruft empfiehlt er etwa die Verbrennung der lieben Tante. „Nun ja, Tante Lotti will ja eigentlich nicht eingeäschert werden. Aber wollte sie früher etwa ins Altenheim...?” Auch über seine Grabinschrift hat sich „Herr Maaßen” schon Gedanken gemacht. Wie wäre es etwa mit „Hier liegen meine Beine - ich wünschte, es wären deine”.

Eine Paraderolle mimte Stephan Franke schließlich als „Medien-Operator”, der auf Wunsch lebender Angehöriger mit Hilfe der „Jenseits-Datenbank” einen heißen Draht ins „Nirwana-Wohlfühlcenter” vermittelt. Dass man dabei böse Überraschungen erleben kann, bekam da etwa eine Witwe zu spüren: Ihr Mann hat sich derweil im „Nirwana-Wohlfühlcenter” mit einer weiblichen Person verbandelt, welche die überlebende Ehefrau einst wie die Pest hasste...

Otto Maus und Monika Meinhold hatten den Benefizabend der Eschweiler Hospizinitiative eröffnet - als Referenz an die „Fünfte Jahreszeit” wechselweise in Hochdeutsch und „Eischwiele Platt” und mit Pappnas´ und Narrenmützen bekleidet. Letztere wurden rasch zu Spendendosen umfunktioniert.
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