Wie gefährlich ist der Propsteier Wald?

Von: Rudolf Müller
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Zerschnittener Draht am Eingang zum einstigen Camp Reine Astrid: Der Propsteier Wald ist nach wie vor Sperrgebiet. Aber viele scheint das nicht zu stören. Foto: Rudolf Müller
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Zerschnittener Draht am Eingang zum einstigen Camp Reine Astrid: Der Propsteier Wald ist nach wie vor Sperrgebiet. Aber viele scheint das nicht zu stören. Foto: Rudolf Müller
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Einer von 350 Munitionsbunkern, die noch immer als asbestverseuchte Altlasten im Propsteier Wald zu finden sind. Die Hauptstraße durch das einstige Camp ist inzwischen nahezu zugewuchert. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Seit zwei Jahren ist Martin Püschel engagiertes Mitglied des Fördervereins Propsteier Wald. Inzwischen allerdings fragt er sich warum: „Eigentlich sollten wir den Verein auflösen. Der kann rein gar nichts bewirken und wird ebenso wie die Stadt Eschweiler seit Jahren von der BImA nur vorgeführt.“

Die BImA, das ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Eigentümerin des Propsteier Waldes. Der sollte nach dem Willen der Bürger wie auch der Stadt eigentlich seit Jahren ein „Bürgerwald“, ein öffentliches Naherholungsgebiet, sein. Ist er aber nicht.

Und wird er auf absehbare Zeit wohl auch nicht werden. Und das liegt wohl am Geld: Das 37 Hektar große Gelände müsste komplett auf Kampfmittel, vornehmlich aus Bombardements im Zweiten Weltkrieg, untersucht und geräumt werden, sagt die BImA. Dafür aber sei kein Geld vorhanden. Für Püschel ist das nicht stichhaltig: „Die stets wiederholte Begründung, es könne aus finanziellen Gründen nichts getan werden, wird auch in den nächsten 100 Jahren in gleicher Weise zutreffen, denn freiwerdende und damit hierfür verfügbare Gelder wird es niemals geben.“

Püschel wie auch Eschweilers Beigeordneter Hermann Gödde halten der BImA vor, mögliche Einnahmequellen nicht zu nutzen. Püschel weist auf massive Rodungsarbeiten hin, bei denen das Holz „bei drastischer Verwüstung der Waldwege inner- und außerhalb des abgesperrten Gebiets auf Schwertransportern abgefahren“ worden sei.

Und Gödde ergänzt: Die „erheblichen Rodungsmaßnahmen in den Fichtenbeständen in den Jahren 2015 und 2016“ seien seines Wissens „ohne die Inanspruchnahme einer ökologischen Ausgleichsmaßnahme erfolgt. Diese nicht unerhebliche Wertschöpfung zusätzlich zum Holzverkauf wurde aus mir nicht bekannten Gründen nicht genutzt“, obwohl dies Bestandteil der Kooperationsvereinbarung zwischen BImA und Stadt gewesen sei. Püschel gegenüber begründete die BImA die Rodungen mit Borkenkäferbefall. „Das bedeutet, das Holz hätte überhaupt nicht verkauft werden können.“

„Jämmerliche“ Antworten

Martin Püschel kommt es auch seltsam vor, dass sich trotz aller Verbote und Warnhinweise zahlreiche Leute im dem Sperrgebiet frei bewegen können. „Die hätten laut BImA einen Haftungsausschluss unterschrieben“, sagt Püschel. „Wer also ums Leben kommt oder ein Bein verliert, der ist selber schuld? Ich kann mir vorstellen, dass dies für Jäger gilt, aber sicher nicht für Waldarbeiter.“ Vor wenigen Jahren haben Polizeieinheiten auf dem Sperrgelände Fahrtrainings absolviert, inzwischen haben Jäger neue Hochsitze errichtet. „Wenn das wirklich so gefährlich ist, wie von der BImA behauptet wird, wäre das doch gar nicht möglich!“

Wenig einleuchtend sei auch, dass die Gefährdung im gesperrten Teil des Propsteier Waldes höher sein soll als im öffentlich zugänglichen. Hier wie dort, so Püschel, sei bislang von Unfällen mit alten Kampfmitteln nichts bekannt. Nicht einmal ein Tier sei dort verunglückt. „Wenn das doch einmal passierte wäre, wäre das sicher nicht vertuscht worden. Im Gegenteil: Die wären ja heilfroh gewesen, wenn sie ihre Behauptungen damit hätten belegen können.“

Püschel steht seit Jahren in regem Schriftverkehr mit der BImA wie auch mit der Stadt. Letztere kann ihm auch keine zufriedenstellenden Antworten geben: „Die Schreiben, die man dazu von der Stadt bekommt, sind einfach jämmerlich!“ Das Pikante daran: Eberhard Büttgen, der Vorsitzende des Fördervereins Propsteier Wald, ist Mitarbeiter der Stadtverwaltung und als solcher mit dem Thema betraut. Er ist also auch derjenige, der im Auftrag von Bürgermeister Rudi Bertram entsprechende Anfragen wie die von Martin Püschel beantwortet.

Es tut sich nichts im Propsteier Wald, stellt Püschel fest: „Der immer wieder von der Stadt und vom Förderverein in Aussicht gestellte stufenweise Rückbau der Problem-Hütten“ (gemeint sind an die 350 asbestbelastete Munitionsbunker) „ist auch in Ansätzen nicht erkennbar.“ Und auch die von der Stadt angekündigte Untersuchung des Geländes auf Kampfstoffe anhand historischer Quellen, alter Luftaufnahmen etc. habe es bisher nicht gegeben.

Gespräche wieder aufnehmen

Von BImA-Vorstandssprecher Dr. Jürgen Gehb hat er erfahren wollen, welche Ziele die BImA mit dem Propsteier Wald überhaupt verfolge und ob hierfür ein Masterplan mit festen Termin existiere. „Da kam nur eine Blabla-Antwort.“

Besteht doch noch Hoffnung? CDU-Bundestagsabgeordneter Helmut Brandt hat zugesagt, zwischen Stadt und BImA zu vermitteln. Und Hermann Gödde schlägt der BImA „in Anbetracht der verfahrenen Situation“ vor, die vor Jahren abgebrochenen Gespräche im Rahmen der Arbeitsgruppe „Konversion Propsteier Wald“ wieder aufzunehmen.

Kooperativ könne man „alle weiteren Möglichkeiten zur erfolgreichen Konversion des Propsteier Waldes aufzeigen und gemeinsam umsetzen.“ Und: „Für den Umgang mit der ,Kampfmittelbelastung‘ wie auch für die notwendigen Rückbau- und Sanierungsmaßnahmen gibt es sicherlich pragmatische Lösungsansätze, die wir gemeinsam erarbeiten sollten.“

Martin Püschel wäre schon froh, wenn ein kleiner Teilerfolg zu verzeichnen wäre: „Dass das gesamte Waldgebiet aufgemacht wird, daran glaubt ernsthaft wohl niemand. Es wäre schon ein Erfolg, einzelne Wanderwege zu öffnen. Aber selbst das gelingt ja bisher nicht.“

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