Eschweiler - Wie Facebook, Google+ und Co. zur Bewerbungsfalle werden

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Wie Facebook, Google+ und Co. zur Bewerbungsfalle werden

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Im Visier: Jemand anderen goog
Im Visier: Jemand anderen googeln, wer tut das nicht? Die Verlockung, sich über den Bewerber im World Wide Web kundig zu machen, ist groß. Foto: imago/imagebroker

Eschweiler. Sie werden doch wohl nichts zu verbergen haben, oder? Dreist fordern manche US-Arbeitgeber von Bewerbern die Zugangsdaten zu sozialen Netzwerken - Schluss mit der Privatsphäre. Machen die Eschweiler Unternehmen das auch?

Klar ist: Fotos durchzechter Nächte und wilder Partys auf Online-Portalen wie Facebook, Studi/MeinVZ, Wer-kennt-Wen und Co. sind Gift für die Bewerbung. Fakt ist auch, dass immer mehr Unternehmen in puncto Bewerbungen Informationen über potenzielle Mitarbeiter im Internet einholen - vor dem Bewerbungsgespräch, vor dem ersten persönlichen Kontakt.

Zugeben wollen es allerdings nur die Wenigsten, auch in Eschweiler halten sich die Betriebe mit Pauschalurteilen zurück. „Nachforschungen über die Bewerber gehören nicht zu unserem Repertoire”, betont Stefan Kaever. Dennoch rät der Sprecher der Stadt zu Vorsicht, die Welt sei klein, auch die virtuelle. So werde das starke Eschweiler Vereinsleben zum Beispiel auch in sozialen Netzwerken dargestellt. „Bei einem hausinternen Unterricht haben wir das Thema behandelt. Schließlich haben auch bei uns viele ihr Profil in solchen Netzwerken, und da ist ja auch nichts gegen einzuwenden. Nichtsdestotrotz hatte Personalleiter Heinz Rehahn im Rahmen dieser internen Schulung zu Vorsicht mit persönlichen Daten in sozialen Netzwerken geraten.”

Welche Informationen kann man mit anderen teilen und was sollte man tunlichst unterlassen, im eigenen Interesse versteht sich. Wer kann was auf dem vermeintlich privaten Profil sehen? Bewerbungsexperten raten, nicht zu viel von sich preiszugeben, vor allem keine Details aus dem Privatleben wie Urlaubsfotos oder Kommentare, die auch Leute außerhalb der Freundesliste lesen können. Es könnte ein „falscher” Eindruck entstehen.

„Wir informieren uns vorher nicht, sondern machen uns selbst ein Bild von unseren Bewerbern”, sagt Roger Ringel von RWE Power. Soziale Netzwerke sind intern dagegen natürlich im Gespräch, das Unternehmen hat ein Profil bei Facebook, und jeder Mitarbeiter durchlaufe auch ein Programm, so der Referent der Ausbildungsabteilung, das „Gefangen im Netz” heißt. Hier werde auf mögliche Gefahren im Internet hingewiesen und Suchtprävention betrieben.

Die Studie „Social Media Report HR 2010”, die bisher größte Studie zum Einsatz von Social Media im deutschsprachigen Personalwesen, ergab, dass rund 40 Prozent der deutschen Personaler Social Media aktiv nutzen. Die Studie bringt weitere aufschlussreiche Details zutage: Die Mehrheit, fast 60 Prozent der befragten Unternehmen, googelt Bewerber und stöbert bei Xing, aber auch in privaten Profilen bei Facebook oder StudiVZ. Der virtuelle Ruf wird also immer wichtiger. Vor allem Bewerber im Management oder als Fachkräfte in der Verwaltung, im Vertrieb oder im Marketing werden genau unter die Lupe genommen.

Aber nicht nur Fachkräfte, bereits Volontäre oder Trainees werden online überprüft. Das kennt auch Klaus Jeske von der Agentur für Arbeit in Aachen. „Natürlich recherchieren Arbeitgeber ihre Bewerber im Internet, das ist uns bekannt. Deshalb sollte man mit privaten Informationen, zum Beispiel Fotos, sehr sensibel umgehen”, rät der Pressesprecher, „denn jeder hat Zugriff auf meine Daten, auch mein künftiger Arbeitgeber”. Und wenn einmal etwas bei Facebook und Co. eingestellt ist, lässt es sich nicht mehr so einfach entfernen, auch im Netz hinterlässt man „Fußspuren”. Klaus Jeske: „Ich rate auch meinen eigenen Kindern, sich vorsichtig zu verhalten.” Selber nutze er soziale Netzwerke, um gefunden zu werden, und das ist Klaus Jeske auch gelungen, wie er schmunzelnd erzählt: „Der verlorene Onkel aus Amerika hat mich auf diesem Wege gefunden.”

Hinweise zum übermäßigen Alkohol- und auch Drogenkonsum, provokative und anzügliche Sprüche - da klingeln sämtliche Alarmglocken der Personaler. Aber auch öffentlich gepostete Beiträge werden hier und da gelesen, vor allem um zum Beispiel Hinweise auf die Rechtschreibung und die Ausdrucksfähigkeit der Bewerber zu erhalten. „Wir möchten uns ehrlich gesagt zu diesem Thema nicht äußern, das ist zu sensibel”, heißt es aus dem Sekretariat einer Eschweiler Firma. „Da darf ich Ihnen nichts zu sagen”, betont eine andere Sekretärin. „Wir haben das bislang noch nie gemacht und machen das auch gegenwärtig nicht. Ich will allerdings nicht ausschließen, dass das einmal auf uns zukommt. Fakt ist: Wir lernen unsere Bewerber lieber im persönlichen Gespräch kennen”, betont Manfred Münz. Der Personalleiter des Eschweiler St.-Antonius-Hospitals weist darauf hin, dass, allein durch die Krankenhaus-Landschaft bedingt, der Umgang mit Daten hoch sensibel sei.

Der Vorteil von Google+, Facebook, Twitter und Co. ist, dass Bewerber diese auch intelligent nutzen und mit seriösen Profilen durchaus den einen oder anderen Personalchef auf sich aufmerksam machen können. Es muss also nicht immer negative Konsequenzen mit sich ziehen, wenn persönliche Daten gefunden werden.
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