Widerstand gegen Hospital-Pläne wächst

Von: Patrick Nowicki
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Nun melden sich die Hebammen zu Wort: Sie fühlen sich von den Plänen der Krankenhäuser übergangen. Symbolfoto: dpa

Eschweiler. Mit einer Unterschriftenaktion wollen einige Indestädter gegen die Pläne der beiden Krankenhäuser in Eschweiler und Stolberg protestieren. Zudem meldeten sich auch Hebammen zu Wort: Sie haben aus den Medien erfahren, dass die Geburtshilfe in Eschweiler aufgegeben werden soll.

„So geht man nicht mit eigenen Mitarbeitern um“, sagte eine Betroffene. Am Montag fand ein Gespräch der Hebammen mit der Geschäftsleitung des St.-Antonius-Hospitals statt.

Im Eschweiler Krankenhaus sind zwölf Hebammen fest angestellt. In der Belegschaft herrscht seit dem vergangenen Mittwoch große Unruhe. An diesem Tag machten die beiden Krankenhäuser ihre Pläne, ein „Regionetzwerk für Frauen“ zu gründen, publik.

Sämtliche Beteiligten waren im Vorfeld um absolute Verschwiegenheit gebeten worden. Man sei wie alle überrascht worden, berichten die Hebammen. In ihren Augen widerspreche dieses Vorgehen den Führungsleitsätzen, die sich das Krankenhaus selbst gegeben hat. Darin heißt es unter anderem: „Als Voraussetzung für erfolgreiche Arbeit informieren wir die Mitarbeiter umfassend, verständlich und rechtzeitig, schaffen Gelegenheit zur Aussprache, beachten und fördern Anregungen und Kritik.“

Zum 1. Oktober soll die Geburtsklinik in Eschweiler geschlossen werden. Dann können Kinder nur noch durch Hausgeburten an der Inde zur Welt kommen. Auch der Eschweiler Bürgermeister Rudi Bertram kritisierte die Pläne. Für ihn sei die Geburtsklinik Bestandteil der Daseinsfürsorge. In diese Kerbe schlagen auch die Eschweiler Hebammen.

„Eine Frau soll die Möglichkeit erhalten, in ihrer Heimat ein Kind zu gebären, vor allem bei einer Stadt von der Größe Eschweilers mit einem eigenen Krankenhaus“, meint eine Geburtshelferin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Der Abstand zwischen dem Eschweiler und Stolberger Krankenhaus betrage zwar nur sieben Kilometer, allerdings sei diese Distanz für Schwangere vor der Niederkunft groß: „Was passiert vor allem mit den Flüchtlingsfrauen und den Frauen, die sich kein Auto leisten können?“ Dann bliebe nur der Transport mit einem Krankenwagen. „Ist das wirklich so gewollt“, fragt die Hebamme.

Im vergangenen Jahr waren in Eschweiler über 550 Kinder geboren worden – Tendenz steigend. In dem von den beiden Krankenhäusern herausgegebenen Flyer zum „Regionetzwerk für Frauen“ ist von einer „wohnortsnahen Versorgung auf höchstem Niveau“ die Rede. Auch werde eine „Notfallversorgung in der Gynäkologie und Geburtshilfe an beiden Standorten“ garantiert. Einige Mitarbeiter im Krankenhaus bezweifeln dies. Ihr Argument: Man trenne die Gynäkologie und Geburtshilfe auf. Diese beiden Aspekte seien als Einheit zu betrachten. Auch in der Facharztausbildung müssen die Mediziner beide belegen. Wenn man in seiner Stadt nicht mehr gebären könne, könne man nicht von wohnortsnaher Versorgung sprechen.

Immer wieder ist von „Bevormundung“ die Rede, die werdende Mutter habe nicht mehr die freie Wahl, den Geburtsort ihres Kindes zu bestimmen. Auch der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) rückte dies in den Mittelpunkt seiner Kritik.

Die Hebammen haben die Erfahrung gemacht, dass werdende Mütter sehr viel Wert auf ein vertrautes Umfeld legen. Derzeit umfasst die Betreuung am Eschweiler Hospital die neun Monaten vor und nach der Geburt. In dieser Zeit lerne man das Krankenhaus und manche Mitarbeiterin näher kennen. Zwar sollen die Geburtsvorbereitungskurse sowie die Nachsorge nach wie vor in Eschweiler möglich sein, aber die eigentliche Geburt soll in Zukunft woanders erfolgen.

In Stolberg, wo im vergangenen Jahr 1200 Babys das Licht der Welt erblickten, ist der Geburtshilfe eine Kinderklinik angeschlossen. Risikogeburten wurden bisher ohnehin von Eschweiler an Stolberg verwiesen. Allerdings mehren sich die Hinweise, dass die Kapazitäten in der Kupferstadt derzeit noch nicht ausreichen.

Und es sei höchst zweifelhaft, dass bis Oktober die Voraussetzungen in Stolberg geschaffen werden können, über 500 Geburten zusätzlich zu bewerkstelligen, heißt es. „Schon jetzt kommt es dort zu Engpässen“, berichten Hebammen. Sie bestätigen mit ihren Aussagen die Befürchtungen des SkF, dass für die individuelle Betreuung der Mütter kaum Zeit bleibe.

„Eine Geburtshilfe wird nie wirtschaftlich sein, es geht um Daseinsfürsorge“, betonen die Hebammen. Große Hoffnungen, die Entscheidung aufzuheben, machen sie sich nicht. „Die Verträge sind unterzeichnet, aber wir wollen dies nicht kommentarlos hinnehmen“, sagt eine Hebamme. Das wahrscheinliche Aus der Geburtsklinik kommt ausgerechnet in deren sechzigsten Jahr.

Noch vor zwei Jahren wurde das Ergebnis einer Kundenbefragung veröffentlicht. In dieser erhielt die Geburtsklinik am St.-Antonius-Hospital die positivste Bewertung, die „höchste Zufriedenheit“ der Mütter. An der Umfrage nahmen 17 Krankenhäuser teil. Trotz Bestnote droht der Eschweiler Geburtsklinik das Aus.

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