Whisky, Bikes und böse Weiber: Tony Spinner begeistet Fans

Von: psi
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Profis in ihrem Element: Tony Spinner (links) mit Drummer Alex Steier und Bassist Michel Mulder bei „Blues meets Rock“ im „Rio“. Foto: Paul Santosi

Eschweiler. Die Pop-Stars der US-Band Toto wissen schon recht genau, warum sie den Sänger und Gitarristen Tony Spinner als Verstärkung mit auf ihre Welt-Tourneen nehmen. Dass der 52-jährige aus dem Bundesstaat Missouri derartig vielseitig in seinem Können ist, wollten am Dienstag abend auch ein paar Dutzend Livemusik-Begeisterte im „Rio“ in der Schnellengasse sehen und hören.

Wie immer barfuß und nett mit dem Publikum parlierend zeigte Tony Spinner mit seinem Trio gute zwei Stunden lang, was man mit Gitarre und Stimme alles so auf der Bühne hinbekommt. Spinner bedient nicht die üblichen Klischees zahlreicher Bluesrock-Powertrios und schwitzt sich gröhlend durch Brachialsongs über Seen voller Whiskey, röhrende Motorräder und bösartige Weibsbilder. Sein Spiel ist mal funky, mal jazzorientiert und dann wieder im Anklang an große Vorbilder wie Peter Green oder Jimi Hendrix traditionell, wunderbar einfach und wiedererkennbar.

Sichtlich Spaß hatte Spinner am Dienstag abend auch mit dem Publikum, dem er die jeweilig angewandte Stimmung seiner Gitarren für ein paar seiner Songs erklärte. Das mündete dann schon in eine Art informativen Gitarrenunterricht. Besonders angetan hat es ihm dabei die von Keith Richards oft verwandte „Open G“-Stimmung. Da könne man beim Riff-Hämmern nichts falsch machen und sich herrlich auf den Rest der Musik konzentrieren, erklärte Spinner mit einem Augenzwinkern. Und so klang auch die dritte Nummer des Abends frisch, geradlinig und wie aus der Feder von Jagger-Richards.

„Meine erste Platte war Elvis Presleys ‚Aloha from Hawaii’“ bekannte er freimütig, gefolgt von einem Fleetwood Mac-Album. Für alle, die Letztere nur aus dem seichten Fahrwasser ihres Pop-Geträller-Spätwerkes her kennen, erinnerte er daran, was für eine tolle Bluesband Fleetwood Mac in den Anfangsjahren mit Peter Green an der Gitarre war. Und auch für Rory Gallagher hat der Maestro eine Menge Sympathien übrig, jedoch ohne ihn gleich gnadenlos in Grund und Boden zu kopieren.

Ein absoluter Höhepunkt des Abends bestand in dem genialen Trick Spinners, während eines Stückes gemeinsam mit seinem Bassisten Michel Mulder und seinem Schlagzeuger Alex Steier ganz langsam, Takt für Takt, die Lautstärke herunterzufahren, bis man schließlich nur noch das unverstärkte Signal der Gitarrensaiten wahrnehmen konnte. Eine Form von Dynamik, die dem jüngeren Musikpublikum vermutlich schon längst abhanden gekommen ist.

Zunächst war es mucksmäuschenstill im Saal, dafür brauste der Applaus umso lauter auf, nachdem die Band wieder zur Normal-Lautstärke zurückkehrte. Dass Tony Spinner Eschweiler noch ein wenig mehr in Erinnerung behalten wird, dafür sorgten die Kollegen von „Saturday Night Fish Fry“, die nur ein paar Meter weiter in einem der Proberäume des „Rio“ ihren Spaß hatten.

In den kurzen Pausen zwischen den eigenen Songs horchte Spinner immer mal wieder auf und scherzte zum Beispiel: „Aaaaahhhhh ... den Song kenne ich. Das ist von Deep Purple.“ Ansonsten fühlte er sich aber ganz und gar nicht gestört, legte mit dem Bo Diddley-Hit „You can´t judge a book by looking at the cover“ endlich mal eine frische, unverschnarchte Version dieses Stückes hin und glänzte am Schluß auch noch mit „The wind cries Mary“, einem fast schon obligatorischen Jimi-Hendrix-Coverstück für Bluesrocker.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, das Tony Spinner mit seiner mitreißenden Stimme und seinem Gitarrenspiel zu den eindeutig sehenswerteren Beiträgen der Clubkonzert-Reihe „Blues meets Rock“ gehört.

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