Wer will das Kloster, das gar keines mehr ist?

Von: Sonja Essers und Laura Beemelmanns
Letzte Aktualisierung:
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Ob aus dem ehemaligen Kloster Zweifall in Zukunft ein Jugendhilfezentrum wird oder nicht, steht derzeit noch in den Sternen. Im Februar dieses Jahres soll das entsprechende Angebot abgegeben worden sein. Foto: Jürgen Lange

Stolberg-Zweifall. Die Geschichte des Klosters, das in den 50er Jahren von acht Schwestern gegründet wurde, die friedlich zusammenlebten, Hostien backten und ein bescheidenes Leben in den Gemäuern an der Klosterstraße führten, klingt idyllisch, fast romantisch.

Das, was sich rund 60 Jahre später abspielt, ist weder idyllisch noch romantisch. Die Zukunft des Klosters ist ungewiss. Vielleicht ungewisser, als sie es jemals war. Sie liegt derzeit in den Händen des Dürener Anwaltes Karl-Heinz Schnitzler. Und der möchte sich nicht mehr zu diesem Thema äußern. Dabei gäbe es genügend Stoff, um zu reden.

Seit rund vier Monaten wartet die Jugendhilfe Eifel gGmbH auf eine Antwort. Sie will das ehemalige Kloster kaufen, um dort ein Jugendhilfezentrum zu errichten. Im Februar dieses Jahres hat sie ein entsprechendes Angebot abgegeben. Die Parteien, die mit dem Thema betraut sind, schweigen jedoch entweder oder wissen selbst nichts darüber. Über den Verbleib des Angebots ist ebenfalls nichts bekannt; über eine Entscheidung auch nicht.

Die Geschichte des Klosters beginnt im Jahr 1955. Damals wurde es von Schwestern des Karmelklosters Düren gegründet. Weil die Anzahl der Schwestern, die dort lebten, im Laufe der Jahre immer weiter zurückging, wurde im Jahr 2007 die Auflösung des Zweifaller Klosters vom höchsten Gericht der Apostolischen Signatur in Rom bestätigt. Die verbliebenen Karmelitinnen widersetzten sich und Zweifaller Bürger sowie der Verein „Freundeskreis des Karmels“ starteten Protestaktionen. Heute lebt nur noch eine Schwester dort; ein Kloster ist Zweifall jedoch offiziell nicht mehr. Viel geschehen ist seitdem nicht.

Notvorstand bestimmt

Mit dem Verkauf beauftragt wurde Schnitzler. Er wurde vom Notvorstand des Vereins „Karmelitinnen e.V. Stolberg“ im Jahr 2011 als Liquidator bestimmt. Damals hatte das Amtsgericht Aachen den Notvorstand benannt, weil es der Ansicht war, dass der Verein seit Jahren keinen rechtlichen Vertreter habe. Schnitzler hat die Verwaltung übernommen. Eigentümer der gesamten Klosteranlage ist aber nach wie vor der Verein. Seitdem sucht Schnitzler einen Käufer – zumindest sollte er das.

Schon damals, im Jahr 2014, einigte man sich darauf, dass bei der Suche nach möglichen Investoren vornehmlich karitative Interessenten bevorzugt würden. So ein Bewerber ist die Jugendhilfe Eifel gGmbH. Der Geschäftsführende Gesellschafter Alex Mayer sagt, dass die Jugendhilfe im Kloster ein Zentrum für Jugendliche und Kinder plane. Man wolle dort ein stabiles, familienähnliches Zuhause schaffen. Die Grundleistungen seien vor allem die sozialpädagogische Diagnostik, die Unterbringung und Versorgung der Kinder, die aus unterschiedlichen Gründen nicht in ihrem familiären Umfeld leben können, ihre Förderung, therapeutische Ansätze und kinderärztliche Betreuung.

Das Konzept steht also schon, doch laut Aussagen von Schnitzler gebe es noch weitere Interessenten. Und eine Entscheidung sei bislang nicht gefallen. „Mehr kann und will ich dazu nicht sagen“, sagt der Anwalt. Dass es gleich mehrere Interessenten für das Objekt gibt, glaubt der Sprecher des „Freundeskreises des Karmels“, Johann Ehlen, nicht. „Wir haben den Schlüssel und müssen die Interessenten reinlassen und bisher ist erst einer da gewesen.“ Eine Antwort auf das Angebot der Jugendhilfe, das sie laut Mayer im Februar abgegeben hätten, gab es bis heute übrigens nicht. Auch der „Freundeskreis des Karmels“ wisse nicht, ob der Kauf vollzogen werden könne oder nicht. Weder Ehlen noch die verbliebene Schwester Maria Regina seien über den aktuellen Stand vom Liquidator informiert worden.

„Das entzieht sich meiner Kenntnis. Wir und Schwester Maria Regina sind außen vor“, sagt Ehlen. Liquidator Schnitzler reagiert auf Anfragen genervt. Er möchte diesbezüglich auch nicht mehr kontaktiert werden, sagte er gegenüber unserer Zeitung. „Das ist vertraulich. Ich werde mich schon darum kümmern.“ Auskunft geben möchten auch die Schwestern des Karmel-Klosters in Düren nicht, von denen Schwester Josua Maria Mitglied im Notvorstand ist, der Schnitzler einst mit der Verwaltung beauftragte. Und auch der Stadt Stolberg sei von den aktuellen Entwicklungen nichts bekannt, sagte Tobias Röhm, Technischer Beigeordneter. „Es liegen uns keine Bauanträge vor“, ergänzt er.

Die derzeitige Situation stimmt vor allem den „Freundeskreis des Karmels“ um Sprecher Ehlen unzufrieden. In der Jugendhilfe Eifel gGmbH hätten sie einen passenden Käufer gefunden, sagt er. Die Verantwortlichen hätten sich die Räumlichkeiten bereits angesehen und ihr Interesse bekundet. Zudem hätten sie dem Freundeskreis mitgeteilt, dass dieser weiterhin seine Messen im ehemaligen Kloster zelebrieren dürfe. Auch Schwester Maria Regina könne – falls die Jugendhilfe das Haus erwerbe – weiterhin dort bleiben. Das wäre auch im Interesse des Freundeskreises. Er habe der Jugendhilfe zugesagt, dann weiterhin helfend zur Seite zu stehen. „Wir kümmern uns beispielsweise um den Garten und die Kirche. Das würden wir dann auch tun“, sagt Ehlen.

Schon seit Jahren helfen sie beim Unterhalt und der Pflege von Gebäude und Grundstück und bei Ausstellungen oder Konzerten. Mayer bestätigt diese Vereinbarungen. Im Angebot, über dessen Höhe er keine Auskunft geben möchte, sei in der Tat festgehalten worden, dass die Schwester lebenslanges Wohnrecht erhalte und zudem habe man eine Bestandsgarantie für Kirche und Friedhof angefügt. „Eine Möglichkeit wäre, die ehemalige Wohnung des Priesters neu zu gestalten, in die die Schwester dann einziehen könnte”, sagt Mayer. Das Gebäude sei groß genug, so dass sich Schwester und Jugendhilfezentrum nicht in die Quere kämen. Das dürfte auch im Interesse der Schwester sein. Denn im Oktober 2014 sagte sie: „Ich möchte mein restliches Leben hier als eremitische Karmelitin verbringen.“ Dass es einmal so turbulent hergehen würde, ahnte sie damals vermutlich nicht.

Schwester Maria Regina werde bald 65, sagt Ehlen. Und es sei ihr stets wichtig gewesen, das Kloster als solches zu erhalten. „Dort findet mehr statt, als in mancher Pfarrkirche“, sagt er. Immer noch werde jeden Sonntag um 8 Uhr die Messe abgehalten, zu der nach wie vor viele Bürger kommen würden.

Eines hat sich aber schon geändert. Die Schwester backt keine Hostien mehr. Das habe verschiedene Gründe, sagt Ehlen. Der Erlös aus dem Verkauf der Hostien wurde zuvor immer auf das Konto des Klosters eingezahlt. Über dieses habe die Schwester jedoch keine Verfügungsgewalt mehr, sagt Ehlen. Schnitzler kümmere sich jetzt darum. Der Freundeskreis sagt, dass er keine Einsicht mehr in die Kontobewegungen habe. Alles, was das Kloster und die Schwester durch Spenden, Kollekten und eigene Arbeit erwirtschaften, werde aber nach wie vor darauf eingezahlt. Sie wüssten auch nicht, was mit dem Geld geschehen ist, das durch den Verkauf eines Autos und eines kleinen Traktors des Klosters zusammen kam. Schnitzler habe die beiden Fahrzeuge veräußert. Auch dazu möchte der Anwalt nichts mehr sagen. „Wir wollen einfach nur wissen, was mit dem Geld auf dem Konto passiert“, sagt Ehlen. Er habe ebenfalls versucht, Schnitzler danach zu fragen. Auf eine Antwort warte er immer noch.

Hoffen auf baldige Lösung

Der „Freundeskreis des Karmels“ hoffe auf eine baldige Lösung. Ehlen sagt: „Wir wissen nicht, was Sache ist und auch Schwester Maria Regina bekommt keine Auskunft.“ Die Jugendhilfe Eifel gGmbH würde man als Käufer begrüßen. Laut Mayer würden sie mit ihrem Jugendhilfezentrum auch gerne dort einziehen. Doch das liege nicht in ihrer Hand.

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