Wer kreiert den besten Namen für die Villa?

Von: Rudolf Müller
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Noch trägt das Schild vor dem Eingang zur Villa an der Marienstraße die Aufschrift „Stadt Eschweiler Seniorenzentrum“. Jetzt soll ein neuer Name her, der den geänderten Angeboten des Hauses Rechnung trägt. Foto: Rudolf Müller
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Sie stehen für die Neuausrichtung der Angebote in der Villa an der Marienstraße: Verwaltungsmitarbeiter, Macher und Sponsoren – links Peter Toporowski und Cem Gökce. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Ein Schmuckstück ist sie ohnehin, die 1870 erbaute Villa Faensen an der Marienstraße 7. Eines, das – so betont Sozialdezernent Stefan Kaever – kaum eine andere Stadt vorweisen kann, und das mitten in der City eine Vielzahl von Möglichkeiten bietet.

Und die sollen künftig weitaus stärker genutzt werden als bisher. Am 7. Juli feiert die Villa an der Marienstraße Neueröffnung.

Dazu hat sich die Villa, die bis dato noch unter der Bezeichnung „Städtisches Seniorenzentrum“ firmiert und so immer wieder Anlass zu Verwechslungen mit dem Senioren- und Betreuungszentrum der Städteregion an der Johanna-Neuman-Straße bietet, jetzt kräftig herausgeputzt. Und das nicht nur optisch: Das Haus will weg vom Image einer Senioreneinrichtung, will Bürger aller Generationen ansprechen und mit vielfältigen Aktivitäten und Angeboten zum Mittelpunkt des Miteinanders im Quartier Mitte werden. Ein neuer Name soll her. Einer, mit dem sich auch jüngere Generationen identifizieren können. Und auch Menschen, die laut Geburtsjahrgang zwar zu den Senioren gerechnet werden, sich selbst aber alles andere als zum alten Eisen gehörig fühlen. Sie alle sollen sich hier wohlfühlen und von einem breiten Angebot profitieren, das mehr umfasst als Seniorenberatung und Tanztees.

Das zeigt sich schon beim Sommerfest zur Wiedereröffnung der Villa am 7. Juli. Das beginnt um 9.15 Uhr mit einem großen Frühstücksbüffet, dem sich ab 11.30 Uhr ein noch größeres Mittagsbüffet anschließt, gefolgt von Kaffee und Kuchen. Zu Preisen, die gerade mal die Kosten decken und deshalb niemanden ausschließen: Frühstück 3 Euro, Mittagsbüffet 4 Euro, Stück Kuchen 1 Euro. Ab 15 Uhr wird getanzt. Zur Musik von Klaus Nonnweiler. Bei freiem Eintritt.

Und von 18 bis 22 Uhr gibt es ebenfalls bei freiem Eintritt eine Premiere: ein Live-Konzert mit der Black Bourbon Bluesband. Die hat Gretel Germann, ehemals Inhaberin de Culture-Cafés, in die Villa geholt. Und der Premiere sollen weitere Konzerte folgen: Möglichst im Monatsrhythmus will Germann weitere Künstler in der Villa auftreten lassen, mal lautere, mal leisere – Bands, Solokünstler, Duos. Sozialamtsmitarbeiter Peter Toporowski: „Wir träumen sogar schon davon, im angrenzenden Stadtgarten ein Open-Air-Konzert anzubieten.“ Wobei mit „wir“ nicht die Stadt gemeint ist: „Die Stadt steht bei allem, was hier passiert, nur flankierend zur Seite. Die eigentlichen Macher sind die Bewohner des Quartiers.“ Zum Beispiel diejenigen, die in der „Fokusgruppe“ Freizeit, Bildung, Kultur mitarbeiten und bereits Oktober- und Frühlingsfeste, Muschelessen und mehr veranstalteten. Oder auch Buchhändler Jörg Drescher, der in der Villa regelmäßig literarische Abende und Lesungen anbieten will.

Zu den Angeboten in der Villa zählt im Herbst auch eine große Fotoausstellung. Mit Bildern, die zeigen, wie die Menschen in Stadtmitte „ihr“ Quartier sehen (siehe Box unten). Weitere Themenvorgaben gibt es nicht. „Kann sein, dass manche uns da Fotos von Müllhaufen schicken, weil sie den Müll als bestimmendes Element in der City sehen“, sagt Peter Toporowski. „Kann aber auch sein, dass wir Bilder blühender Blumen oder romantischer Abendstimmungen bekommen.“ Bilder, von denen sich die Mitarbeiter des Quartier-Zentrums Aufschlüsse für weitere Aktionen erhoffen. Auf die Fotografen der drei besten Bilder, die eine Jury unter Federführung der Film- und Fotofreunde Eschweiler auswählt, warten Preisgelder von insgesamt 500 Euro.

Die Mitglieder der Fokusgruppe „Freizeit, Bildung, Kultur“ sind nicht die einzigen, die an der Zukunft des Quartiers arbeiten. Zudem gibt es die Gruppe „Versorgung 24/7 und Organisation Ehrenamt“, die sich unter anderem mit der sozialen Betreuung der Quartiersbewohner befasst. Hier geht es darum, Menschen möglichst lange ein Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen: Home statt Heim. „Die medizinische Versorgung hier ist sehr gut, die soziale Alltagsbetreuung dagegen sehr lückenhaft“, sagt Dr. Wolfgang Joussen vom Eschweiler Forschungsinstitut B-Plan. „Wir haben Nachfragen aus dem gesamten Stadtgebiet.“ Die Lage soll sich bald entspannen: „Derzeit sind viele soziale Betreuer in Ausbildung, und ein Netzwerk ist in Vorbereitung.“

Forum Alternatives Wohnen

„Wohnen und Mobilität“ ist das Thema einer weiteren Gruppe, die jetzt für den 12. Juli zum 5. Quartiersforum in die Villa Faensen einlädt. Die Gruppenmitglieder – allesamt engagierte Bürger – haben in Eigenregie nach einer Bedarfsermittlung ein Konzept zum Thema alternatives Wohnen entwickelt, das sie an diesem Abend einer interessierten Öffentlichkeit vorstellen wollen. „Alternative Wohnformen sind schon seit Jahren für uns ein Thema. Jetzt wollen wir in die konkrete Umsetzung eintreten“, sagt Toporowski. In der Fußgängerzone sei ein Objekt gefunden, das nun als „Leuchtturmprojekt“ für Eschweiler in enger Kooperation mit dem Landesbüro für innovative Wohnformen und mit Fördermitteln des Landes umgestaltet werden kann.

Cem Gökce, im Amt für Soziales, Senioren und Integration für Quartiersentwicklung zuständig, weist auf weitere Angebote des Quartier-Zentrums hin: auf die Beratungsstunden im Obergeschoss der Villa zum Beispiel (dienstags und mittwochs von 11 bis 13 Uhr), die rege in Anspruch genommen werden. „Da geht es um alles Mögliche – vom Busticket bis zu Pflegefragen.“ Die Nachfrage ist so groß, dass probeweise künftig auch regelmäßig Sprechstunden in Hastenrath angeboten werden sollen. Cem Gökce betont auch die Bewegungsangebote des Quartier-Zentrums in enger Zusammenarbeit mit dem Regio-Sportbund. Unter dem Motto „Fit im Quartier“ soll hier z.B. Sturzprophylaxe vermittelt werden, zudem werden Angebote unter dem Thema „Bewegung im Park“ vorbereitet, ebenso Quartierspaziergänge in Kooperation mit dem Geschichtsverein.

Informieren über das komplette Angebot im Quartier-Zentrum kann man sich im Internet: auf der Quartiers-Homepage www.eq50.de. Im weltweiten Netz surfen kann man jetzt übrigens auch in der Villa an der Marienstraße 7: im frisch eingerichteten Internet-Café. Und demnächst soll es dort für alle, die lieber auf ihren eigenen Geräten surfen möchten, auch Freifunk geben.

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