Wenn Pflanzen zu einem echten Problem werden

Von: Andreas Gabbert
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Das übel lässt sich nur an d
Das übel lässt sich nur an der Wurzel packen: Udo Thoma rückt der hochgiftigen Pflanze mit kochendem Wasser zu Leibe. Fotos (6): Andreas Gabbert Foto: Andreas Gabbert

Eschweiler. Mit einem rund hundert Meter langen Schlauch und einer Wasserlanze bewaffnet zieht Udo Thoma in Nothberg am Ufer der Inde entlang. Er sticht die Lanze in den Boden, und das 90 bis 95 Grad heiße Wasser schießt heraus. Die Pflanze senkt ihren Kopf und knickt langsam ein. Dann geht es weiter zur nächsten, es bleibt noch viel zu tun.

Thoma ist spezialisiert auf chemiefreie Unkrautvernichtung und rückt im Auftrag der Unteren Landschaftsbehörde und in Kooperation mit Mitarbeitern des Vereins Wabe e.V. dem Riesenbärenklau, der auch Herkulesstaude genannt wird, zu Leibe. Thoma kocht die Pflanzen, während Alex Riffel und Walter Bodden die Blüten abschneiden und die Wurzeln ausgraben.

Eigentlich ist es kein guter Tag für diese Arbeit. Denn je mehr Licht die Pflanze abbekommt, umso mehr pumpt sie sich mit Gift voll. Dementsprechend vorsichtig gehen die Männer zu Werke. „Der Riesenbärenklau brennt tausendmal mehr als eine Brennnessel, es entstehen riesige Entzündungsknubbel und später bleiben Narben zurück”, erklärt Udo Thorwesten von der Unteren Landschaftsbehörde. Auch Tiere können sich an der Pflanze verletzen, bei Kühen kann sie zum Beispiel zu schmerzhaften Euterentzündungen führen.

Warten können die Arbeiter aber nicht. Der Riesenbärenklau breitet sich unwahrscheinlich schnell aus und verdrängt die heimische Flora. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Seit März ist die Truppe in Sachen Bärenklau unterwegs, um an 40 Stellen in der Städteregion hunderttausende Pflanzen zu kochen und auszugraben. Die Staude wie bei Haus Pallant einfach abzumähen wäre nämlich eine ganz schlechte Idee. Dort wurde im Auftrag des WVER gemäht, was den Pflanzen in ihrer Entwicklung keinen Abbruch tut. Ganz im Gegenteil. Sie blühen dann kurz über dem Boden und samen kräftig aus. Zudem werden die Bestände erheblich dichter und es entsteht ein richtiges Zuchtbeet. „Der Riesenbärenklau ist eigentlich eine Riesensau. Er brennt wie sau, er wächst wie sau, und er riecht wie sau”, sagt Thorwesten.

Dass die Arbeiter erst jetzt an der Inde abgekommen sind, liegt daran, dass Naturschutzgebiete Vorrang haben. Außerdem arbeiten sich Thoma und Co von den Quellgebieten der Bäche und Flüsse in der Eifel langsam weiter vor. Die Gewässer sind eine Hauptverbreitungsquelle des Riesenbärenklaus. Da ist es sinnvoll an der Quelle zu beginnen. „Die Keimzellen müssen zunächst auf Null gefahren werden”, erläutert Thorwesten.

Nächste Woche wird Thorwesten wieder da sein, um zu kontrollieren, ob die Aktion geglückt ist. Ihn ärgert, dass wichtige Biotopmaßnahmen wegen dem Riesenbärenklau hinten anstehen müssen. „Ich würde lieber etwas schaffen als zu vernichten”, sagt er.
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