Eschweiler - Wenn Kinder lächeln, ist das schönster Lohn

Wenn Kinder lächeln, ist das schönster Lohn

Von: fe
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Händedruck und strahlendes LÀ
Händedruck und strahlendes Lächeln: Peter Schöner (links) gratuliert Professor Dr. Jozef Miklosko, dem neuen Träger des Europäischen Sozialpreises. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Sein Einsatz für slowakische Kinder ist beispielhaft für ganz Europa. Mit dem Europäischen Sozialpreis wurde am Montag im Ratssaal von Eschweiler der Kinderarzt und Sozialwissenschaftler Professor Dr. Jozef Miklosko aus Bratislava ausgezeichnet.

Als „Fest im Zeichen der Menschlichkeit” wertete Annelene Adolphs, die Geschäftsführerin des Europavereins GPB, am Montag die Preisverleihung.

Der Europaverein, gegründet als Gesellschaftspolitische Bildungsgemeinschaft (GPB), zeichnet seit 1997 Menschen aus, die sich in europäischen Ländern beispielhaft sozial engagieren und damit völkerverständigend wirken. Mit Dr. Jozef Miklosko habe man in diesem Jahr wieder einen Preisträger, der seit Jahren vorbildlich zeigt, wie engagierte ehrenamtliche Arbeit Gutes bewirken kann, versicherte Peter Schöner als Präsident des Direktoriums Europäischer Sozialpreis.

Miklosko ist Vorsitzender der gemeinnützigen Organisation „Úsmev ako dar” (auf deutsch „Ein Lächeln als Geschenk”) in der Slowakei. Sie wurde 1991 gegründet und geht auf ein weihnachtliches Benefizkonzert in diesem Land zurück. „Ein Lächeln als Geschenk” kümmerte sich zunächst vor allem um Heimkinder. Inzwischen legt die Organisation größeren Wert auf die Prävention. Sie widmet sich der Schulung von Ersatzfamilien für Heimkinder und betreut leibliche Eltern, um Heimeinweisungen zu verhindern. Mehrere hundert Helfer kümmern sich um Beratung, Begleitung und Unterstützung gefährdeter Familien. Es gibt Rat bei Erziehungsproblemen und Hilfe bei Geld- und Wohnungsnot. Auch die Kinder von Roma-Familien werden unterstützt.

Dr. Klaudia Moch aus Stolberg hielt die Laudatio auf den Preisträger. Sie war für den eigentlich als Redner vorgesehenen Honorarkonsul der Slowakei Ivan Koval eingesprungen, der vor wenigen Tagen sein Amt niedergelegt hat. Dr. Moch stellte ausführlich die Aktionen und Einrichtung der „Gesellschaft der Freunde der Kinder aus Kinderheimen” vor. Diese ehrenamtlich arbeitende Organisation ist besser unter dem Namen „Ein Lächeln als Geschenk” bekannt, und dieser Name ist auch Antriebskraft für den Preisträger, der viele Jahre lang Vorsitzender der Gesellschaft ist. Eine Frage, die ihm ein Heimkind am Anfang seiner Tätigkeit als Kinderarzt gestellt hat, treibe ihn immer noch an, berichtete er in seiner Dankesrede: „Sagen sie mir, Doktor, wie ist es, eine Mutter zu haben?”

Dass Kinder so aufwachsen sollen, als hätten sie eine Mutter und einen Vater, das strebt „Ein Lächeln als Geschenk” an. Dafür engagieren sich viele hundert Mitarbeiter. Es begann mit Besuchen in Kinderheimen. Inzwischen gibt es ein Bündel von Aktionen und Einrichtungen, es gibt Bildungsprogramme für Eltern, die fremde Kinder betreuen, es gibt Unterstützung für Eltern, deren Kinder in Gefahr sind, vernachlässigt zu werden. Auch von Gewalt bedrohte Frauen werden unterstützt und Jugendliche, die aus Kinderheimen kommen und ein selbst bestimmtes Leben lernen. Die Organisation, so berichtete Dr. Moch, hat inzwischen regionale Zweigstellen in acht Städten und deckt damit 57 Landkreise ab. Sogar im Nachbarland Ukraine wurde ein Kinderheim errichtet.

Als”Beitrag zur Völkerverständigung” würdigte Sabine Verheyen, Mitglied des Europaparlaments, in einem Grußwort die alljährliche Verleihung des Europäischen Sozialpreises. Helen Weidenhaupt, stellvertretende Bürgermeisterin von Eschweiler, freute sich, dass der Preis an einen Menschen geht, der „in hohem Maße soziales Engagement nicht nur fordert, sondern praktiziert und lebt”. Die Aachener Bürgermeisterin Hilde Scheidt zog eingangs ihrer Festrede zum Europäischen Sozialpreis eine Parallele zum Karlspreis und dem Aachener Friedenspreis: „Ein Preis für soziale Verdienste innerhalb von Europa ist immer noch etwas Besonderes. Ich empfinde den Preis durchaus als gleichwertig.”

Überall in Europa brauchen Kinder Unterstützung, brauchen Zuwendung, eine glaubwürdige Politik und Taten statt großer Worte - mit einer programmatischen Rede schlug Hilde Scheidt als Festrednerin der Preisverleihung am Montag einen großen Bogen von der praktischen Hilfe, die der Preisträger in der Slowakei leistet, hin zu der Politik in der Aachener Region und zugleich in ganz Europa. Sie stellte die Ergebnisse der Studie „Heimat 2035” der Aachener Stiftung Kathy Beys vor, in der die Vorstellungen zum künftigen gesellschaftlichen Leben in der Städteregion untersucht werden. Bei diesen Ideen und Zukunftswünschen geht es immer wieder um Geborgenheit, um Bildungschancen und die zunehmende Ungerechtigkeit. Die Gefahren, die der Demokratie drohen, lassen sich schon beim Umgang mit jungen Leuten und mit Kindern erkennen. Ein gutes Leben, das zeige die Studie, mache sich nicht unbedingt am materiellen Wohlstand fest, sondern erweise sich im achtsameren Umgang miteinand er und in neuen Formen des sozialen Ausgleichs. Hilde Scheidt: „Die aktuellen Proteste von jungen Menschen in vielen europäischen Ländern zeigen, dass Gesellschaftsverträge nicht mehr funktionieren.” Ein neuer sozialer Ausgleich sei notwendig. Darum gehe es auch in der Arbeit des Preisträgers Jozef Miklosku: „Es ist ihm ein besonderes Anliegen, die Rechte und die Entwicklung von Kindern und jungen Menschen zu stärken.”

Kinder sind Hoffnungsträger, argumentierte Scheidt, doch die Zahl der Kinder, die Hilfe brauchen, steige ständig. Die Bedrohungen heißen Sinkende Löhne, Hartz IV, Zweitjobs um den Lebensunterhalt zu sichern: „Wir kämpfen gegen das Fehlen von familiären Strukturen, gegen das Wegsehen wenn Familien in Not sind, gegen Verwahrlosung und mangelnde Ernährung, gegen Ausgbrenzung und Überforderung.” Deshalb dürfe die Politik keine finanzielle Unterstützung reduzieren. Stattdessen müsse man intensiver als bisher soziale Strukturen organisieren. Ihr Appell: „Lassen wir die Kinder spüren, dass wir Respekt vor ihren Wünschen und Träumen haben!”

Die Preisverleihung am Montag in Eschweiler sei ein starkes Signal: „Die Botschaft ist ganz eindeutig ein Plädoyer für die Kinder und ihre Rechte und ein Aufruf an alle Menschen in unseren Kommunen und Gemeinden: Kümmert Euch, seht nicht weg und engagiert Euch!”

Musikalisch umrahmt wurde die Preisverleihung von der Jazzformation „Swamp” des Trompeters Florian Esch, die mit heftigem Beifall bedacht wurde, außerdem vom Männergesangverein der Siedlergemeinschaft Stolberg-Donnerberg und den drei jungen Musikschülerinnen Nhat Kha Phan, Nell Pesch und Anja Hilgers. Der Verleihung schloss sich ein Empfang im Rathaus-Foyer an. Dort wurde auch eine Ausstellung „Sterne für Europa” eröffnet, die noch mehrere Tage lang zu sehen sein wird.
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