Wenn Frauen und Männer das kleine 112 lernen

Von: ran
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Gestaltete den Festakt anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Eschweiler musikalisch: der Spielmannszug unter der Leitung von Hans Krott. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Es geschieht in den ersten Dezembertagen des Jahres 1889! Der damalige Bürgermeister Ferdinand Fischer lädt zu Beratungen in das Eschweiler Rathaus ein. Grund der Zusammenkunft: Die Idee zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr.

Wenige Tage später ist es soweit. Am 19. Dezember 1889 findet die konstituierende Versammlung der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Eschweiler statt. Zum Branddirektor der 28 Mann starken Truppe wird der Stadtverordnete Robert Stürtz gewählt. Kurz nach dem Jahreswechsel bewilligt die Stadtverordneten-Versammlung der Indestadt der Feuerwehr einen Zuschuss von 2000 Reichsmark für die Beschaffung der Ausrüstung.

125 Jahre und unzählige, teils unter Lebensgefahr bewältigte Einsätze später, ist die Freiwillige Feuerwehr mit ihren inzwischen mehr als 500 Mitgliedern, davon 260 größten Teils ehrenamtliche Einsatzkräfte, felsenfest im gesellschaftlichen Leben der Stadt Eschweiler verankert. Unter dem Grundsatz „Gott zur Ehr‘, dem Nächsten zur Wehr“ stehen die Feuerwehrmänner und -frauen 365 Tage im Jahr 24 Stunden rund um die Uhr bereit, zu löschen, zu retten, zu bergen und zu schützen. Das Jubiläumsjahr ist nun durch zahlreiche Veranstaltungen gekennzeichnet, in denen nicht nur der Rückblick auf die bemerkenswerte Historie der Freiwilligen Feuerwehr Eschweiler im Mittelpunkt steht.

Besonders wichtig ist es, die Bevölkerung über die Fähigkeiten der Wehr in Kenntnis zu setzen und das Interesse der Bürger weiter wachsen zu lassen. Am Freitagabend hatte nun die Wehrführung mit Stadtbrandinspektor Harald Pütz als Leiter der Feuerwehr sowie dessen Stellvertretern Brandoberamtsrat Axel Johnen und Stadtbrandinspektor Lutz Krüger zum Festakt in die Festhalle Dürwiß eingeladen.

Dort begrüßte Harald Pütz zunächst die zahlreichen Ehrengäste. „Mit ihrem Erscheinen stellen sie ihre Verbundenheit zur Feuerwehr Eschweiler eindrucksvoll unter Beweis“, hob er hervor. In seiner Festansprache betonte er die „auf Hilfsbereitschaft aufgebaute Kameradschaft“, die die Wehr auszeichne. Wobei das Aufgabenspektrum und Anforderungsprofil ständig wachse. „Dies wird in der Ausbildung, den Einsatzszenarien, der Ausrüstung und den Einsatztaktiken offensichtlich“, so der Feuerwehrleiter. „Die Stadt Eschweiler verfügt über eine in der Gefahrenabwehr bestens ausgebildete Wehr, deren soziales Engagement nicht zuletzt im Jugendbereich von großer Bedeutung ist. Wir sind uns bewusst, dass der Mensch die tragende Säule der Dienstleistung Feuerwehr darstellt“, unterstrich Harald Pütz, bevor er der Politik und der Verwaltung ausdrücklich dafür dankte, immer ein offenes Ohr für die Belange der Wehr zu haben und so notwendige Baumaßnahmen möglich zu machen.

Abschließend wies Harald Pütz auf die 114 Seiten starke Festschrift „125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Eschweiler“ hin, die auf der 1989 erschienenen Festschrift anlässlich des 100-jährigen Bestehens aufbaue und für die Horst Schmidt (Redaktion) in Zusammenarbeit mit Josef Gather und Sabine Derichs (Layout) verantwortlich zeichne.

Kurz darauf sprach Bürgermeister Rudi Bertram aus „voller Überzeugung und verbunden mit großem Dank“ den Feuerwehrfrauen und -männern seinen herzlichen Glückwunsch aus. „Sie alle leisten für uns eine besondere ehrenamtliche Arbeit, bei der bei allem Einsatz die Rücksicht auf das eigene Leben nicht zu kurz kommen darf“, erklärte der Verwaltungschef. Ehrenamtliche Arbeit sei heutzutage noch wichtiger als in der Vergangenheit. „Ehrenamtler sind die Gewähr, dass in Eschweiler das Miteinander gelebt wird und das soziale Gefüge intakt bleibt“, unterstrich Rudi Bertram, bevor er mit einem Augenzwinkern die technische Entwicklung seit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr unter die Lupe nahm. „Wer hätte 1889 gedacht, dass Axel Johnen im Jahr 2014 mit einem Laptop arbeitet?“ Zu guter Letzt dankte er Jugendwartin Marie-Luise Göldner für deren Aktivitäten. „Die Jugendarbeit hat einen Stellenwert, der nicht hoch genug zu bewerten ist!“

Nach kurzen Grußworten des stellvertretenden Städteregionsrates Hans-Josef Hilsenbeck und des Kreisbrandmeisters Bernd Hollands, der unter anderem eine von NRW-Innenminister Ralf Jäger unterzeichnete Urkunde für die Freiwillige Feuerwehr Eschweiler im Gepäck hatte, lud Feuerwehrarzt Dr. Hanns-Joachim Vögeli, der als Moderator humorvoll durch das Programm des Festakts führte, die Gäste zu einer kleinen Stärkung ein, die musikalisch vom Feuerwehrorchester unter der Leitung von Wolfgang Krieger, vom Spielmannszug unter der Leitung von Hans Krott sowie von Gesangssolist Christoph Androw untermalt wurde.

Bei der anschließenden Gratulationscour ließen es sich Vertreter des Malteser Hilfsdienstes, der Johanniter, des THW, der Werksfeuerwehr des RWE, der Feuerwehren Stolberg und Langerwehe sowie der CDU und der SPD nicht nehmen, den Verantwortlichen der indestädtischen Wehr ihren Respekt, verbunden mit kleinen Gaben, auszusprechen.

In einer „etwas anderen Festrede“ schlug Dr. Hanns-Joachim Vögeli den Bogen der Wehr in der aufstrebenden Industriestadt Eschweiler des Jahres 1889 zur Wehr der sich „immer in Bewegung“ befindenden Indestadt des Jahres 2014 und ging wissenschaftlich fundiert der Frage nach, ob es ein „Feuerwehr-Gen“ gebe, wobei er Herbert Grönemeyer (relativ frei) zitierte: „Feuerwehrmänner sind schon als Baby blau, spielen bereits im Sandkasten mit (Uni-)Förmchen, laufen mit einem Tatütata durch die Stadt, schreiben auf Löschpapier, lernen das kleine 112, sind stets Feuer und Flamme und lassen auch im späteren Leben nichts anbrennen. Außerdem halten Ehen von Feuerwehrleuten doppelt so lange, da sie nur die Hälfte der Zeit zu Hause sind. Das Ergebnis der Studie lautet also: Es gibt ein Feuerwehr-Gen“, erntete der Fachberater Medizin der Freiwilligen Feuerwehr Applaus.

Und eine weitere Überraschung: Denn kurz bevor Stadtbrandinspektor Harald Pütz den offiziellen Teil des Festakts beendete, überreichte Rudi Bertram eine Urkunde für 25-jährige Mitgliedschaft an Dr. Hanns-Joachim Vögeli. Ein würdiger Schlusspunkt eines feierlichen Abends.

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