Eschweiler - Wenn „Europa” im Stau steckt, wird die Region aktiv

Wenn „Europa” im Stau steckt, wird die Region aktiv

Von: ran
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Werben für mehr Demokratie in Europa: die Eschweiler Liberalen sowie Städteregionsratskandidat Dr. Werner Pfeil (6. v. r.) und Bundestagskandidat Stefan Rohmann (6. v. l.). Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Angekündigt war am Freitagabend der FDP-Europapolitiker Alexander Alvaro, der seit 2004 Mitglied des Europäischen Parlaments und dort innenpolitischer Sprecher der Allianz der Liberalen und Demokraten (ALDE) ist. Doch der Pfingstverkehr machte den indestädtischen Liberalen einen Strich durch die Rechnung.

Das Mitglied des FDP-Bundesvorstands stand in der Nähe von Frankfurt im Stau und musste deshalb die Termine in Eschweiler und Alsdorf bezüglich der Europawahl am kommenden Sonntag absagen.

Mit dem Kreisvorsitzenden Dr. Werner Pfeil, der bei der Kommunalwahl am 30. August für das Amt des Städteregionsrates kandidiert, und Stefan Rohmann, stellvertretender Kreisvorsitzender und Bundestagskandidat der FDP im Kreis Aachen, stand in der Gaststätte „Mexis Party-Eck” jedoch adäquater Ersatz bereit.

„Europa wird immer wieder vehement kritisiert. Aber vor 25 Jahren haben wir noch einen Wahlkampf für den Wegfall der europäischen Grenzen geführt. Davon spricht heute kaum noch jemand. Jetzt haben wir offene Grenzen. Europa ist für Deutschland zum Binnenmarkt geworden. Wahrscheinlich verdanken wir 50 Prozent unseres Wohlstands unseren Exporten in europäische Nachbarländer”, begann Ulrich Göbbels, Stadtverbandsvorsitzender der Eschweiler FDP, den Abend mit einem flammenden Plädoyer pro Europa.

Vor allem gelte es, das europäische Parlament zu stärken und die europäische Kommission zu schwächen. „Wir brauchen ein Europa der Demokratie, nicht der Beamten”, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Europa müsse sowohl wirtschafts- als auch sicherheitspolitisch mit einer Stimme sprechen. „Nur so können wir zum Beispiel China Paroli bieten”, machte Ulrich Göbbels deutlich.

Auch Umweltschutzstandards seien zu vereinheitlichen. Klar müsse jedoch auch sein, dass Europa ein Kontinent der Regionen und damit der Vielfalt bleiben solle. „Was vor Ort entschieden werden kann, soll auch vor Ort entschieden werden.” Oft stimme einfach die Außendarstellung Europas nicht. „Leider bleiben die Diskussionen um den Krümmungsgrad der Banane bei den Menschen länger im Gedächtnis als die zahlreichen Errungenschaften”, bedauerte der Stadtverbandsvorsitzende.

„Die vergangenen Jahrzehnte waren für Europa die friedlichsten seiner Geschichte”, nannte Dr. Werner Pfeil die wohl wichtigste Errungenschaft, die Institutionen wie der EWG oder der EU zu verdanken sei. Nun gelte es in naher Zukunft, die Grundrechte aller Europäer in einer Verfassung festzuschreiben.

Darüber hinaus dürfe die bald den Kreis Aachen ablösende Städteregion nicht das Ende der Fahnenstange sein. „Wir wollen den Euro-Distrikt und damit die enge Kooperation mit der Parkstadt Limburg sowie der deutschsprachigen Gemeinde in Belgien”, erklärte der FDP-Kreisvorsitzende. Ein Zusammenschluss der Kommunen des Kreises Aachen ohne den Blick zu den Nachbarn führe auf Dauer nicht zum Erfolg. Dabei sieht Werner Pfeil durchaus Potenzial. „Wir haben zum Beispiel durch das Campus-Projekt eine große Gelegenheit, unsere Region zu einem 1A-Wirtschaftsstandort zu entwickeln.”

Zeichen gegen Fundamentalismus

In Sachen EU-Erweiterung ist Werner Pfeil gespalten. „Ein EU-Beitritt der Türkei würde einerseits ein deutliches Zeichen gegen den Fundamentalismus setzen, andererseits aber immense Kosten verursachen”, so der Städteregionsratskandidat. Dennoch sei es an der Zeit, möglichst bald Fakten zu schaffen. „Das hat die Türkei verdient.”

Mehr Demokratie in Europa fordert Stefan Rohmann ein. „Der Ministerrat trifft seine Entscheidungen nach wie vor hinter verschlossenen Türen”, kritisierte der FDP-Bundestagskandidat. Unabdingbar sei vor allem die Lösung des immer stärker werdenden demographischen Problems. „Wir brauchen eine gemeinsame Migrationspolitik. Wir benötigen Einwanderung, ohne die wir in Europa auf Dauer nicht überlebensfähig sind”, so der 25-Jährige.

Einig waren sich alle Liberalen, dass die Europa-Begeisterung, die noch vor zehn Jahren geherrscht habe, inzwischen abgeflaut sei. „Viele Menschen sind einfach zu wenig informiert. Die Politik kann und muss besser über die Bedeutung Europas aufklären”, sieht Dr. Werner Pfeil Nachholbedarf. „Alle demokratischen Parteien müssen für den europäischen Gedanken werben”, forderte Ulrich Göbbels. „Die Europawahl am 7. Juni ist verdammt wichtig”, unterstrich der Eschweiler Stadtverbandsvorsitzende abschließend.
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