Wenn Eschweiler plötzlich zu Woodstock wird

Von: vab
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Vor dem Stamm-Café: Das Capri war der Ort, an dem die Karriere von Norbert Schmitz begann. Foto: Valerie Barsig

Eschweiler. Eschweiler sieht plötzlich ganz anders aus, wenn man mit Norbert Schmitz unterwegs ist. Eschweiler – das ist eine Stadt, in der der Rock n‘ Roll zu Hause ist. Eine Stadt, wo in das Eiscafé Venezia plötzlich Rocker stürmen, einer auf einen Tisch springt und lauthals ein Lied von den Lords vorzusingt.

Ein Skandal, denn das Venezia, das war die Heimat der „Mods“. Sie waren die Jazz-Hörer, nicht die Rock n‘ Roller. „Bevor das Lied losging, konnte man eine Stecknadel fallen hören“, erzählt Schmitz amüsiert. Schmitz ist Autor und selbst Musiker und nebenbei auch stadtbekannt. „Damals wollten wir so berühmt werden wie die Beatles oder die Rolling Stones. Eschweiler haben wir gepackt.“

Seine Geschichte beginnt im Eiscafé Capri – dort, wo „die Lehrlinge abhingen“ – und zwar als Schmitz 14 Jahre alt war. Dort habe es eine Musikbox gegeben und Cola, erzählt er. Mehr hätte man damals als Jugendlicher nicht gewollt. Außer den Beatbällen habe es damals noch nicht viel für Jugendliche gegeben. „Auf die Bälle habe ich mich einfach geschummelt“, erinnert sich Schmitz. Da habe es von den Eltern eine Menge Ärger gegeben. Später als zehn Uhr zu Hause zu sein, das war eigentlich nicht in Ordnung. Zu lange weggeblieben sei er trotzdem.

Sein Durchbruch erlebte er, nachdem er 1966 in Inden einen Talentwettbewerb gewonnen hatte. Danach strartete er mit den „Protects“ seine ersten Banderfahrungen. Später spielte er gemeinsam mit Ivo Bedekovic in der Band „Mick and his Children“.

Anders sein, als der Rest

„Wir wollten einfach etwas tun, was andere nicht tun. Und aus Spaß an der Freude singen“, erzählt Ivo, der sich als Zeitzeuge und Weggefährte Schmidts bezeichnet. Eigentlich, sagt er, habe er ihn sogar zum singen gebracht. „Mir war klar: Der kann was.“ Auch Ivo hat aus den wilden Jahren einiges zu erzählen. Zur Musik gehörten auch die Autos: Der Chevrolet, das war sein ganzer stolz. „Obwohl die Mods viel mehr Kohle hatten als wir, haben die nie solche Autos gefahren“, erzählt er und von dem Verstärker, den sie dabei hatten.

Schmitz ist im Herzen immer Rock n‘ Roller geblieben, die Musik begleitet ihn bis heute. Zwei Bücher hat er inzwischen geschrieben. Das erste, „Beatball. Als der Rock n‘ Roll nach Eschweiler kam.“, hat nun auch das Fernsehen auf den Plan gerufen. Gemeinsam mit Schmitz machen sich die Reporter auf die Suche nach den alten Orten der Musik in Eschweiler. Irgendwann trat Schmitz dann auch im Pavillon im Stadtpark auf.

Ein wenig wie Woodstock sei das gewesen, erzählt er. Primus, Capri, Struwwelpeter, das Malcafé und das Gloris – das war seine Welt. Als er sich mit Ivo vor dem Eiscafé Capri in die Sonne setzt, kann man spüren, dass Schmitz seine wilden Jahre noch sehr nahe sind.

Vielleicht haben sie auch nie aufgehört. Wenn er in Eschweiler ist, ist es eben irgendwie wie früher.

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