Eschweiler - Wenn einer den Erhardt kann, dann der Heist

Wenn einer den Erhardt kann, dann der Heist

Von: Marie-Luise Otten
Letzte Aktualisierung:
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Trinken ist eine Kunst, sagt der Komiker Hans-Joachim Heist im Talbahnhof. Er trinkt gerne Korn, wenn er traurig ist.

Eschweiler. Auch nach 27 Jahren zieht ein Heinz-Erhardt-Abend immer noch viele Fans in seinen Bann. Vor allem dann, wenn ein Profi wie Hans-Joachim Heist in seine Haut schlüpft. Schon die äußere Erscheinung ist erstaunlich ähnlich: das volle Gesicht, das spärliche Haar und dann die Art, wie er sich an die Brille greift.

„Noch‘n Gedicht“, das Motto seines Soloprogramms, ist zum geflügelten Wort geworden und begeistert, so dass das Publikum ganz hingerissen war und sich vor Lachen bog. Immer brachte Heist Heinz Erhardts Lebenserfahrungen, die in liebenswerten verschmitzten Gedichten, Weisheiten, Albernheiten und Liedern zum Ausdruck kamen, auf den Punkt.

Mit Schalk im Nacken ganz wie der große Meister erwies Heist im voll besetzten Talbahnhof dem Comedystar der 50er und 60er Jahre ganz offen seine Reverenz.

Als Heist erzählte er zunächst aus dem Leben des Schmunzelmeisters: 1909 in Riga geboren, studierte dieser in Leipzig Klavier und Komposition und arbeitete in der Musikalienhandlung seines Vaters, der er aber bald den Rücken kehrte. Er lernte seine Frau Gilda kennen, die Liebe seines Lebens. Seinen Durchbruch hatte er 1938.

„Viele betreten ja die Bretter, die die Welt bedeuten – und merken nicht, dass sie auf dem Holzweg sind“, hatte er hintersinnig gedichtet. Im Alter von 42 Jahren kamen der Film und bald auch das Fernsehen dazu. Allein den kleinen Finanzbeamten hat er über 650 Mal gespielt.

Als das Multitalent Heinz Erhardt hatte auch der Komiker Heist seinen Spaß. Man glaubte wirklich, den Meister der Wortverdrehung persönlich vor sich zu haben. Der „liebenswerte Schelm“ zitierte jedoch nicht nur lustige Verse, es gab auch Ernsteres wie das Gedicht vom politischen Zeus, der sich über die Uneinigkeit Europas auslässt. Heist sang Lieder wie „Fährt der alte Lord fort“ oder „Tante Hedwig“, obwohl er sich manchmal „wie ein Brötchen“ fühlte – seine Stimme war belegt.

Eine gute Idee war es, dass er Personen aus dem Publikum ansprach und sich mit diesen austauschte. So kam ein Herr in den Genuss mit ihm einen „doDo“ (doppelter Dornkaat) zu trinken. Oder im letzten Gedicht vor der Pause wurde der Ort Geilenkirchen in einen albernen Teil eingearbeitet.

Nach der Pause erzählte Heist wieder aus dem Leben des Unterhaltungskünstlers Heinz Erhardt: Ein tragischer Schlaganfall 1971 setzte der aktiven Karriere ein jähes Ende, er war halbseitig gelähmt und saß im Rollstuhl. Und auch das Sprachzentrum war unwiederbringlich geschädigt. Es gab da eine kleine Oper, die „Zehnpfennig-Oper“, die Erhardt in den 30er Jahren geschrieben hatte, die aber nie aufgeführt wurde.

Sein Sohn Gero, Kameramann, arbeitete mit ihm – seine Stimme wurde aus früheren Rundfunkaufnahmen hinzugemischt – an der Fernsehfassung, die dann einmal gesendet wurde und nunmehr verstaubt in den Archiven liegt. Seine Weggefährten Chris Howland, Rudolf Schock, Hans-Joachim Kulenkampff und Helga Federsen begleiteten ihn hier.

Dann sprach Heinz Erhardt in Person von Heist wieder selbst. Der literarische Teil beschäftigte sich mit verschiedenen Ritterballaden, in Vierzeilern wurden das Leben, die Starlets und die Nase beschrieben, Tiergedichte beschäftigten sich mit der Made, der Kuh und der polyglotten Katze oder dem Regenwurm. Nach dem Abschiedslied und dem Kabeljaugedicht als Zugaben gingen die Menschen fröhlich nach Hause.

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