Wenn ein Kind stirbt: anrührendes Theaterstück im Talbahnhof

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
Letzte Aktualisierung:
Anrührend spielte Anita Kelle
Anrührend spielte Anita Keller in dem Theaterstück „Oskar und die Dame in Rosa” nach dem Buch von Eric-Emmanuel Schmitt die Hauptrollen.

Eschweiler. Ein Theaterstück, in dem es darum geht, dass ein Kind an Blutkrebs stirbt - wer will sich das denn anschauen? Nun, der Saal des Kulturzentrums Talbahnhof war gut gefüllt, als am Samstagabend Monika Meinhold vom Vorstand des Hospizvereins (Ambulanter Hospizdienst Eschweiler/ Stolberg e.V.) die Zuschauer zu einer „vielleicht auch Alternativveranstaltung zum Eschweiler Karneval” begrüßte.

Die 74-jährige Schauspielerin Anita Keller, die auch ehrenamtliche Mitarbeiterin in einem Hospizdienst ist und sterbende Menschen begleitet, spielte das Ein-Personen-Stück „Oskar und die Dame in Rosa”, nach dem gleichnamigen Buch von Eric-Emmanuel Schmitt. Und bei aller Traurigkeit: Es wurde sogar gekichert im Talbahnhof, denn Buch und Stück sind auch voller Sprachwitz und Situationskomik.

Ebenso anrührend wie unsentimental stellte Anita Keller in der straffen Inszenierung von Anja Herdemerten die beiden Hauptpersonen des Stückes dar. Da ist der zehn Jahre alte Oskar, der an Leu-kämie erkrankt ist und nur noch wenige Tage zu leben hat. Er ahnt, dass er sterben wird, und er spürt die Angst und die Unehrlichkeit der Menschen, die mit ihm darüber nicht reden können - der Ärzte im Krankenhaus ebenso wie seiner Eltern: „Wenn man im Krankenhaus vom Sterben redet, hört keiner zu!”

Ebenso eindringlich spielt Anita Keller die „Oma Rosa”, eine alte Frau im rosa Kittel der ehrenamtlichen Betreuer. Sie hört Oskar zu. Die alte Dame hat den Mut und die Lebenserfahrung, so mit ihm umzugehen, dass er nichts von seiner Lebendigkeit, Fantasie und Liebesfähigkeit einbüßt, obwohl er täglich schwächer wird. Sie wird zur Vertrauten, zur Freundin des Jungen, für den sie ein Spiel erfindet, in dem er alle Stadien eines Menschenlebens bis ins hohe Alter durchlebt. Sie schafft es auch, ihn mit seinen Eltern wieder zusammen zu führen, und gibt ihm den Mut, seine Freundschaft zu einem kranken Mädchen auf der Kinderstation zu leben. Oskars Tod bedeutet am Ende nicht nur Verlust und Trauer. „Er hat mir so viel Liebe gegeben”, sagt Oma Rosa am Schluss, „dass sie die paar Jahre, die mir noch bleiben, erfüllen.”

Am Ende des Benefizabends gab es dankbaren Beifall des angerührten Publikums. Monika Meinhold bedankte sich von Herzen bei Anita Keller. Einen Kernsatz aus dem Theaterstück gab sie den Besuchern mit auf den Heimweg: „Von heute an wirst du jeden Tag so betrachten, als würde er zehn Jahre zählen. Dieser Satz”, versicherte die Hospizhelferin, „kann auch für uns hilfreich sein, denn nichts ist so zerbrechlich, so vergänglich und so fragil wie das Leben.”
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