Eschweiler - Wenn der Vater mit dem Sohne

Wenn der Vater mit dem Sohne

Von: Andreas Gabbert
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Hier ist die Hausarbeit reine
Hier ist die Hausarbeit reine Männersache: Die Zubereitung des gemeinsamen Mittagsessen ist für Marcus Adam keine Herausforderung, schließlich ist der alleinerziehende Vater gelernter Koch. Foto: Andreas Gabbert

Eschweiler. Selbst gemachte Geschenke wie die Uhr in den Farben seines Fußballvereins, die sein Sohn für ihn gebastelt hat, freuen ihn am meisten. Marcus Adam hat sie über die Jahre hinweg alle gesammelt, und wenn er sie heute aus dem Schrank holt, bekommt der 44-Jährige wieder feuchte Augen vor lauter Rührung.

„Das sind Sachen, die kann einem keiner nehmen”, sagt der alleinerziehende Vater, der mit seinem 13-jährigen Sohn eine Drei-Zimmer-Wohnung in der Eschweiler Innenstadt bewohnt und blättert dabei in alten Kinderzeichnungen.

Ständige Konflikte

Seit drei Jahren lebt Fabian jetzt bei seinem Vater. „Er hat sich dazu entschlossen, bei mir zu leben”, erklärt Marcus Adam. In seinem Leben hat sich dadurch einiges geändert. Auch seine letzte Beziehung ist zu Bruch gegangen. Seit Anfang des Jahres leben Vater und Sohn jetzt allein in einer neuen Wohnung.

Immer wieder war es zu Konflikten zwischen dem Sohn und der Lebensgefährtin gekommen, und Marcus Adam fand sich zwischen allen Stühlen wieder. „Ich liebte diese Frau, aber ich habe mich für meinen Sohn entschieden, er ist schließlich mein eigenes Fleisch und Blut.” Das ist ihm keineswegs leicht gefallen. Der Vater vermisst eine Partnerin an seiner Seite, mit der er seine Sorgen und Nöte teilen kann, jemand mit dem man abends den Tag nochmal Revue passieren lassen kann.

Adam musste lernen, den Haushalt anders zu organisieren und den Tagesablauf zu planen, Arbeit, Behördengänge, Kinderbetreuung und Freizeit unter einen Hut zu bringen. Dabei kam dem gelernten Koch seine Ausbildung zugute. Die Zubereitung des Essens ist für ihn keine große Herausforderung. Auch die Wäsche ist kein Problem. Die hat Adam gerade zum Trocknen aufgehängt. Er weiß, eine Waschmaschine zu bedienen und kann auch mit dem Bügeleisen umgehen. Nur das Fensterputzen ist nicht seine Welt. Und wenn er nicht mehr weiter weiß, dann ruft er eben seine Mutter oder eine gute Bekannte an.

Auch Fabian muss zu Hause mit anpacken. Marcus Adam versucht, seinen Sohn zur Selbstständigkeit zu erziehen und ihm ein Vorbild zu sein. „Er kann später einen Haushalt führen”, sagt der Vater voller Überzeugung und auch ein wenig stolz. Besonders stolz ist er auch auf die schulischen Leistungen seines Sohnes. Beim letzten Elternsprechtag hat er viele positive Rückmeldungen erhalten. Wie alle Eltern freut sich Adam, wenn sein Sprössling positiv auffällt - sei es in der Schule, bei anderen Eltern oder bei Oma und Opa. Ihm bedeutet das Lob aber wahrscheinlich noch etwas mehr als anderen Eltern, die ihr Kind gemeinsam erziehen. „Ich fühle mich dann in der Art meiner Erziehung bestätigt”, sagt er.

Nirgendwo ein Staubkorn

Sauberkeit und ordentliche Kleidung haben für den 44-Jährigen einen hohen Stellenwert. Er achtet auf das Aussehen seines Sohnes und der gemeinsamen Wohnung. Dort wirkt alles aufgeräumt, nirgendwo ist auch nur ein Staubkorn zu entdecken. Niemand soll sagen können: „Guck mal, wie der rumläuft. Ist ja auch kein Wunder wenn der Vater sich alleine um alles kümmert.” Das ist dem Alleinerziehenden besonders wichtig.

Lernen musste Adam aber auch andere Dinge. „Ich bin ein sehr emotionaler Mensch, ich musste vor allem lernen, ruhiger zu werden und gelassener zu reagieren”, sagt er über sich selbst. Zuhause versucht er also ruhig und sachlich zu argumentieren. Seine Emotionen lebt Marcus Adam im Stadion aus, wenn er in voller Fankluft seine Borussia aus Mönchengladbach anfeuert.

Im Hause Adam herrscht aber keineswegs nur eitel Sonnenschein. Fabian kommt jetzt in die Pubertät. „Er fühlt sich schon erwachsen.” Damit umzugehen ist für die Beiden schwer. Auch wenn Fabian nicht gerne über seine Probleme redet und sich der Vater manchmal etwas außen vorkommt, vertraut er seinem Sohn. Umso größer ist der Ärger und die Enttäuschung, wenn dieses Vertrauen missbraucht wird und Fabian beispielsweise später heimkehrt als vereinbart.

Arbeitszeiten sind ein Problem

Die Arbeitszeiten eines Kochs (bis in die Abendstunden und am Wochenende) mit der Betreuung seines Sohnes zu vereinbaren, ist für den 44-Jährigen eines der größten Probleme. Zurzeit ist er arbeitslos und geht einem 400-Euro-Job nach. So kommt er über die Runden. Sein Traum ist es aber, wieder eine Vollzeitstelle mit geregelten Arbeitszeiten anzutreten. Das würde für Vater und Sohn vieles einfacher machen.

Am morgigen Vatertag wird Marcus Adam zunächst mit Freunden und Bekannten losziehen. Fabian will ihn dann später abholen, und vielleicht bekommt der Vater dann auch wieder ein selbstgestaltetes Geschenk. Auf dem letzten stand geschrieben: „Für den besten Dad. Hab Dich lieb! Dein Fabian.”
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