Wenn der Stein wackelt, zückt die Stadt Rot

Von: Patrick Nowicki
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Auf Kontrollgang auf Eschweilers Friedhöfe: Nicole Henk (rechts) und Marion Klein prüfen in dieser Woche, ob die Grabsteine auf den städtischen Friedhöfen wackeln. Droht ein Grabmal umzukippen, dann kleben die Mitarbeiter einen roten Zettel darauf und informieren die Nutzungsberechtigten. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Glaubt man Nicole Henk und Marion Klein, dann gibt es schönere Arbeitswochen als diese. Die beiden Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung laufen seit Montagmorgen über die städtischen Friedhöfe und kontrollieren, ob die Grabsteine wackeln und umzustürzen drohen.

Dies kann nämlich ganz schön gefährlich sein. Zudem hat es – wenn auch nicht in Eschweiler – schon Unfälle gegeben, weil die massiven Denkmäler umgestürzt sind.

Immer im Frühjahr

Einmal im Jahr, immer im Frühjahr, stehen Kontrollen auf dem Programm. Diese hat die Stadt Eschweiler sich selbst auferlegt. Zwar schreiben Berufsgenossenschaften eine regelmäßige Kontrolle vor, allerdings nicht konkret, wann die Rundgänge erfolgen sollen.

„Der Frost kann Fundamente und Sockel stark beschädigen“, berichtet Siegfried Zehn, Fachstellenleiter für Umweltbelange und Friedhofswesen. Deswegen ist das Frühjahr ein guter Zeitpunkt, nach dem Rechten zu sehen. Dringt nämlich Feuchtigkeit in Lücken und Fugen ein und gefriert, dann können sonst massive Verbindungen aufbrechen. Dies gilt sowohl für alte, aber eben auch für jüngere Grabmale.

Der vergangenen Winter war zwar mild, aber Schäden sind dennoch entstanden. Bei der ersten Station der Kontrolleure, dem Friedhof in Stich, mussten 14 Steine als gefährlich markiert werden. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr zählten sie dort 15.

Zwischen 30 und 40 Grabsteine waren in den vergangenen Jahren bei den Kontrollen nicht mehr ausreichend standfest. Und dieser Rundgang über die elf städtischen Friedhöfe kann durchaus anstrengend sein, denn insgesamt sind etwa 10.000 Grabstätten in Eschweiler zu untersuchen. Und dies innerhalb von fünf Tagen.

Sollte ein Grabstein bedenklich wackeln, dann kleben die Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung einen roten Zettel darauf. Er soll nicht nur den Nutzungsberechtigten informieren, sondern auch andere Friedhofsbesucher warnen. Die Suche nach dem Verantwortlichen ist jedoch nicht immer einfach.

„Manchmal sind die Menschen auch gestorben“, berichtet Nicole Henk. Dann beginnt die aufwändige Recherche, die sich manchmal über Monate ziehen kann. Denn wenn jemand in Eschweiler bestattet wurde, bedeutet das ja nicht, dass derjenige, der die Verantwortung für die Grabstätte übernimmt, auch in Eschweiler wohnt.

Droht ein Stein umzukippen, dann legen ihn die beiden Damen um oder informieren die Wirtschaftsbetriebe Eschweiler. Ein Grabmal wiegt schließlich häufig über 200 Kilogramm. In jedem Fall wird die Stelle gesichert und bei Bedarf mit einem Flatterband abgesperrt. In der Regel hat der Nutzungsberechtigte zwischen vier und sechs Wochen Zeit, das Grabmal wieder zu befestigen.

Natürlich ist die Frist nicht in Stein gemeißelt: „Wenn uns jemand mitteilt, dass der Steinmetz beauftragt ist, dann genügt uns das“, sagt Marion Klein. Nicht immer haben Betroffene Verständnis für die Aufforderung der Stadt. Es sei aber noch nie vorgekommen, dass man sich vollständig verweigert habe, berichtet sie.

80 Prozent Urnenbestattungen

In Zukunft dürfte die Zahl der kleineren Grabmale deutlich zunehmen. „Etwa 80 Prozent sind inzwischen Urnenbestattungen“, sagt Nicole Henk. Dies ist sicherlich auch auf die unterschiedlichen Gebühren zurückzuführen, schließlich ist eine traditionelle Erdbestattung kostspieliger.

Ein Erd­reihengrab kostet aktuell 1760 Euro, das Urnenreihengrab liegt um 700 Euro günstiger. Wer sich für ein Einzelwahlgrab entscheidet, der muss 3630 Euro bezahlen, ein Doppelgrab liegt bei 6395 Euro.

In dieser Woche steht die Festigkeit der Grabsteine im Mittelpunkt, was jedoch nicht bedeutet, dass sich die Mitarbeiter der Stadtverwaltung nicht regelmäßig auf den elf städtischen Friedhöfen umsehen. Dort fällt ihnen auch so manches auf.

„Oft melden sich auch Bürger, wenn ihnen etwas auffällt, also wenn zum Beispiel das Grab nebenan verwahrlost ist“, sagt Siegfried Zehn. Auch dann wird der Nutzungsberechtigte angeschrieben und aufgefordert, die Grabstätte zu pflegen oder sie herrichten zu lassen.

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