Eschweiler - Wenn das Zuhause wegbricht: Bereitschaftspflege bietet Zuflucht

Wenn das Zuhause wegbricht: Bereitschaftspflege bietet Zuflucht

Von: Patrick Nowicki
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Die Bereitschaftspflege bietet Kindern einen kurzfristigen Zufluchtsort. Wer sich engagiert, muss belastbar und gefestigt sein. Symbolbild: dpa

Eschweiler. Wenn Familien in tiefen Krisen stecken, bleibt dem Jugendamt manchmal nichts anderes übrig, als Kinder aus der Situation herauszunehmen. Bis sich die Wogen geglättet haben oder geklärt ist, hat die Behörde verschiedene Möglichkeiten, die betroffenen Minderjährigen unterzubringen.

Eine davon bietet die Bereitschaftspflege, also eine Familie, die kurzfristig und für einen überschaubaren Zeitraum ein Kind oder einen Jugendlichen bei sich aufnimmt. Im vergangenen Jahr war diese schnelle Hilfe in 19 Fällen erforderlich.

Dass junge Indestädter außerhalb ihrer Familie untergebracht werden müssen, ist nicht ungewöhnlich. In Eschweiler wohnen aktuell 130 Kinder und Jugendliche bei Pflegefamilien. Fünf Kinder leben kurzfristig bei einer anderen Familie. Die Zahl derer, die sich dieser Aufgabe gewachsen sehen, ist gering. Für die Bereitschaftspflege stehen lediglich sechs Plätze zur Verfügung. Das Eschweiler Jugendamt sucht darum händeringend nach weiteren Menschen, die diese durchaus herausfordernde Form der Hilfe anbieten wollen.

„Ja, man kann die Bereitschaftspflege etwas wie eine Feuerwehr sehen“, sagt die Diplom-Pädagogin Annegret Goebbels-Roob. Befindet sich das Kind in Bereitschaftspflege, dann sind die Pflegeeltern unmittelbar am Klärungsprozess beteiligt. So werden sie informiert, aus welchen Gründen die kurzzeitlichen Schützlinge nicht bei ihren Eltern bleiben können. Dem geht eine Schweigepflichterklärung voraus. So schrecklich manche Schilderung von Missbrauch, Vernachlässigung, Gewalt und einfacher Überforderung der Betroffenen auch sein mögen – das Wissen darüber ist bei der Hilfe entscheidend. „Wenn ein Kind ständig eingesperrt war, reagiert es auf verschlossene Türen“, nennt Jugendamtsleiter Jürgen Termath ein Beispiel.

Wer gerne Bereitschaftspflege übernehmen möchte, der wird entsprechend geschult. Der Fortbildung zur Pflegefamilie schließt sich ein weiteres Modul an, das die Besonderheiten nochmals hervorhebt. So stehen rechtliche Fragen im Vordergrund, aber auch die enge Zusammenarbeit mit den leiblichen Eltern des Kindes, mit Ärzten und Behörden. Die Schulung finden in Kooperation mit dem Haus St. Josef statt und ist natürlich kostenlos.

Nicht jedes Familie kann diese Form der Hilfe bewältigen, feste Strukturen sind entscheidend. Auch ist nicht jedes Kind für eine Pflegefamilie geeignet. In der Jugendhilfe wird darum jeder Fall einzeln betrachtet und einzeln entschieden. „Im Mittelpunkt der Bereitschaftspflege steht die kurzfristige Unterbringung, um eine langfristige Klärung zu erzielen“, sagt Termath. Wieder stehen viele Wege offen: die Rückkehr zur Ursprungsfamilie, eine dauerhafte Heimunterbringung, die Unterbringung bei einem Verwandten oder einer Pflegefamilie, selbst ein dauerhaftes Leben in einer Bereitschaftspflegefamilie.

Letzteres ist nicht die Regel, aber ebenfalls nicht ausgeschlossen. Das Wohl des Kindes und die bestmögliche Lösung bestimmen das weitere Vorgehen, berichten die beiden Sozialarbeiterinnen Heike Fütterer und Christiane Preuschoff, die eng mit Pflegefamilien zusammenarbeiten. Normalerweise ist die Unterbringung in Bereitschaftspflege auf maximal drei Monate beschränkt. Dies hat gute Gründe: Vor allem kleine Kinder sehnen sich nach Halt und Fürsorge und bauen schnell Bindungen zu den betreuenden Personen auf. Damit diese frisch gewachsenen Bindungen nicht sofort wieder aufgerissen werden, ist eine schnellstmögliche Klärung der Situation gewünscht. Dies bedeutet für die Kurzzeitpflegefamilien aber auch, dass sie von vorneherein dem Kind klarstellen, dass sie nur für eine kurze Zeit Ansprechpartner und Hilfegeber sind.

In Krisen kurzfristig einzugreifen, ist in der Tat ein Merkmal der Feuerwehr. Aber ein Aspekt unterscheidet die Bereitschaftspflege von den Rettern am Floriansweg. Das Jugendamt löst nicht zur nachtschlafenden Zeit den Alarm aus.

Auch die Bedürfnisse der Pflegefamilie werden berücksichtigt: „Wenn man gerade aus bestimmten Gründen niemanden aufnehmen möchte, dann akzeptieren wir das natürlich“, sagt Jürgen Termath. Die Aufnahme eines Kinder in der Notsituation wird zwar nach bestimmten Pflegesätzen vergütet, aber das Angebot, im Krisenfall zu helfen, ist ehrenamtlich und freiwillig.

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