Eschweiler - Wenn das Herz unter Druck gerät

Wenn das Herz unter Druck gerät

Von: Andreas Röchter
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Killer
Führte die katastrophalen Auswirkungen des „heimlichen Killers” Bluthochdruck vor Augen: Dr. Dario Frank. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Bluthochdruck tut nicht weh! Diese auf den ersten Blick positiv erscheinende Tatsache wird bei genauerem Hinsehen zum (großen) Problem. So leiden in Deutschland inzwischen fast 90 Prozent der Menschen jenseits des 55. Lebensjahres an „arterieller Hypertonie”.

Viele, ohne es zu wissen. Nicht zuletzt deshalb hat die Deutsche Herzstiftung unter der Überschrift „Herz unter Druck” den Bluthochdruck zum Thema der Herzwochen 2011 gewählt. Wie in jedem Jahr beteiligen sich auch die Verantwortlichen des St.-Antonius-Hospitals an der Herzwoche. Unter der Moderation von Professor Dr. Uwe Janssens, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, informierten am Dienstagabend mit Dr. Fabian Schmitz, Privatdozent Dr. Dario Frank und Dr. Andreas Niedeggen drei Oberärzte des Hospitals im Talbahnhof über die Volkskrankheit.

„Würde der Bluthochdruck Schmerzen verursachen, wären morgen auch in Eschweiler alle Arztpraxen überfüllt”, betonte Professor Dr. Uwe Janssens die Dimension des Problems. Dr. Fabian Schmitz erläuterte zunächst, was Bluthochdruck überhaupt ist. „Blut benötigt Druck, um die in den Gefäßen mitgeführten Nährstoffe in die Organe führen zu können. Ist dieser Druck zu hoch, liegt ein Krankheitsbild vor, dass eben diese Gefäße angreift und Organe, die auf eine gute Durchblutung angewiesen sind, schädigt”, so der Mediziner. Bluthochdruck liege vor, wenn die Messungen regelmäßig Werte ergäben, die über 140/90 (mm/hg), bei Messungen zu Hause über 135/85, liegen. „Diese Zahlen sind zunächst einmal Altersunabhängig”, erklärte Dr. Fabian Schmitz. Die oft zitierte Regel „100 plus Alter” habe keine Gültigkeit. Voraussetzung für eventuell notwendige Gegenmaßnahmen sei aber natürlich, den eigenen Blutdruck zu kennen. „Liegen in der Familie Fälle von Bluthochdruck vor, sollte ab dem 30. Lebensjahr der Blutdruck jährlich gemessen werden. Ab dem 40. Lebensjahr gilt dies für alle Menschen, ab dem 50. Lebensjahr sollte bei jedem Menschen halbjährlich eine Messung erfolgen”, empfahl er.

Unterschieden werden müsse zwischen dem primären, unbeeinflussbaren Bluthochdruck, der zum Beispiel durch Gene vererbt werden kann, und dem sekundären, beeinflussbaren Hochdruck, der durch Übergewicht, Bewegungsmangel, Streß, Rauchen oder übermäßigen Alkoholgenuss und falsche Ernährung entstehen könne. „Bluthochdruck kann aber auch eine Folgeerkrankung sein”, ließ Dr. Fabian Schmitz wissen.

Privatdozent Dr. Dario Frank referierte über die Bedeutung der „arteriellen Hypertonie”. Diese sei ein „heimlicher Killer”. Bemerke man sie, sei es eigentlich schon zu spät. Ein Herzinfarkt oder eine Hirnblutung seien häufige Folgen. „Wichtig ist, sich darüber bewusst zu sein, dass ein normaler Blutdruck im Alter von 40 Jahren nicht bedeutet, dass der Blutdruck auch mit 60 in Ordnung ist”, mahnte der Hypertensiologe zu Aufmerksamkeit. Bluthochdruck ziehe vor allem das Herz und das Gehirn, aber auch Nieren und Augen in Mitleidenschaft. „Der Schlaganfall wird in einigen Jahren die häufigste Todesursache sein und ist heute schon die häufigste Ursache für Pflegebedürftigkeit”, blickte der Experte in die Zukunft. Dabei vermindere schon eine leichte Senkung des Bluthochdrucks das Schlaganfallrisiko merklich.

Die Behandlung der „arteriellen Hypertonie” stand im Mitelpunkt des Vortrags von Dr. Andreas Niedeggen. Und dabei lag das Hauptaugenmerk vor allem auf der Gewichtsreduktion. „Nimmt ein Patient 5 Kilogramm ab, lässt sich der Blutdruckwert um bis zu 11 mm/hg senken”, nannte der Kardiologe Zahlen. So gelte es, bei Übergewicht langsam, also über Monate hinweg, abzunehmen. „Eine Scheibe Brot weniger pro Tag bringt vier Kilogramm pro Jahr.” Als Ernährungsgrundlage nannte der Oberarzt die sogenannte Mittelmeerküche. Neben einer gesunden Ernährung sei aber auch ein maßvolles Ausdauertraining zu empfehlen. Schwimmen, Radfahren und auch strammes Gehen seien eine wirksame Vorbeugung gegen Bluthochdruck. Leide der Patient jedoch bereits an hohem Blutdruck, solle er Kontakt zum Arzt aufzunehmen. Bei der medikamentösen Behandlung seien heute sanftere, langsam aber länger wirkende Arzneien gefragt.

„Bluthochdruck beschleunigt nicht zuletzt auch den Alterungsprozess”, gab Professor Dr. Uwe Janssens mit auf den Heimweg. Eine übertriebene Askese sei jedoch nicht notwendig. „Wie so oft ist das gesunde Mittelmaß der richtige Weg, mit Ausnahme der Zigarette”, so der Chefarzt.
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