Wenn das Geld nicht mal für Strom und Gas reicht

Von: sh
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Eschweiler. Es sind die alten Stromfresser wie Kühl- und Gefrierschränke, die sich Monat für Monat in der Rechnung des Energieversorgers bemerkbar machen. Wärmedämmung, eine moderne Heizanlage - alles schöne, effiziente und umweltfreundliche Methoden, um Energie und damit Geld zu sparen.

Für das „Klientel” von Stefan Graaf kommen solche Lösungen nicht in Frage. Sie kämpfen eh schon um jeden Euro. Stefan Graaf ist Geschäftsführer der ARGE (Arbeitsgemeinschaft für die Grundsicherung Arbeitssuchender) Kreis Aachen. Mit Blick darauf, dass immer mehr Menschen Probleme haben, ihre Stromrechnung zu bezahlen, appelliert er: „Das Thema muss endlich auf die großpolitische Agenda!”

Flickschusterei auf kommunaler Ebene könne zwar in Einzelfällen helfen, das Grundproblem löst es aber nicht. Denn auch in Eschweiler gibt es immer mehr Menschen, die sich Energie kaum noch leisten können. Mit Mühe und Not kommen viele so gerade über die Runden. Bei einigen reicht es aber hinten und vorne nicht. Das Resultat in der Vergangenheit: Stromanbieter wie die Energie- und Wasserversorgung GmbH (EWV) drehen ganzen Familien den Strom ab.

Diese Missstände soll es in Zukunft nicht mehr geben. Kreisdirektor Helmut Etschenberg, ARGE-Geschäftsführer Stefan Graaf und EWV-Geschäftsführer Manfred Schröder unterschrieben Anfang des Jahres eine Vereinbarung „über das Verfahren bei Energiekostenrückständen zur Vermeidung von Energiesperren”.

Hierin wird geregelt, dass für Personen, die auf soziale Unterstützung angewiesen sind (Hartz-IV- und Sozialhilfe-Empfänger) und offene Forderungen der EWV nicht mehr begleichen können, Hilfe bekommen.

Der Kreis Aachen als Träger der Sozialhilfeund die ARGE verpflichten sich, „solange ein Anspruch auf laufende Leistungen besteht, die monatlichen Abschläge für die Lieferung von Haushaltsstrom und/oder Gas direkt an die EWV zu überweisen”.

Damit sollen erschreckende Meldungen über junge Familien, die im Winter mit ihren Kindern ohne Strom und Gas zum Heizen und Kochen dasaßen, ein Ende haben. Plötzlich und ohne Vorankündigung sei dies, versichert Andreas Ihrig, aber eh nie geschehen.

„Dass jemand nach Hause kommt und der Strom ist gesperrt, das gibt es nicht”, verweist der EWV-Verantwortliche für die Öffentlichkeitsarbeit darauf, dass Kunden mindestens drei Werktage im Voraus über die Sperrung informiert würden. Alles andere sei nicht nur unmoralisch, sondern auch gesetzeswidrig. Trotzdem behält sich die EWV „im Einzelfall die Möglichkeit einer begründeten abweichenden Vorgehensweise vor”.

Ob auch so genannte Prepaid-Geräte, also Vorkassezähler, einen Beitrag leisten können, muss sich erst noch zeigen. Ähnlich wie bei einer aufladbaren Handy-Guthaben-Karte fließt der Strom solange der im Voraus bezahlte Geldbetrag reicht.

Zwar zeigt sich Graaf froh über die geschlossene Vereinbarung mit der EWV-Führung, trotzdem weist der ARGE-Geschäftsführer auf die weiterhin bestehende Problematik hin. Viele Arbeitslosengeld- und Sozialhilfe-Empfänger befinden sich laut Stefan Graaf in einem „Teufelskreis”. Leistungen seien in der Vergangenheit nicht mit den Energiekosten gestiegen.

„Ich appelliere an die Politik vor Ort, Druck nach oben auszuüben”, weiß Graaf, dass das strukturelle Defizit auf kommunaler Ebene allein nicht zu lösen ist. Neue Ideen müssen seiner Meinung nach auf den Tisch, die auch eine Diskussion über ein mögliches Recht auf Grundversorgung mit Energie erlauben.
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