Wenn Briten in Frankreich den Laridah spielen

Von: Stefan Herrmann
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Augen zu und durch: Gemeinsam mit seinem Amtskollegen aus Wattrelos, Dominique Baert (links), und Jean-Luc Doyen (rechts) genießt Rudi Bertram bei sommerlichen Temperaturen eine Konfetti-Dusche beim Karnevalsumzug in Eschweilers Partnerstadt. Foto: Stefan Herrmann

Wattrelos. Dieser Mann hält sein Wort! „Morgen zum Umzug scheint die Sonne”, versprach Jean-Luc Doyen seinen Eschweiler Freunden bei der Begrüßung. Der Präsident der Confrérie du Carneval Wattrelos ist ein Unikat. Ein lebendes Beispiel dafür, was eine Städtepartnerschaft ausmacht.

Und er ist scheinbar ein talentierter Meteorologe. Denn als am Sonntagmorgen die ersten müden Augen der Eschweiler Karnevalisten aus den Hotelfenstern blickten, wollten sie nicht glauben, das Doyens Prophezeiung noch eintreten würde. Kalt, bedeckt und ungemütlich präsentierte sich Wattrelos den Gästen.

Doch Jean-Luc sollte Recht behalten. Die Mäntel konnten im Koffer bleiben, denn pünktlich um 14 Uhr hatte Petrus ein Einsehen mit der feierfertigen Menge und schickte Sommerwetter par excellence in den Norden Frankreichs. Tausende Franzosen bejubelten beim anschließenden Umzug die 200 Eschweiler Fastelovendsjecken, die in diesem Jahr mit 900 weiteren Teilnehmern durch die Straßen von Wattrelos zogen. Ein unvergesslicher Tag für alle Beteiligten!

Schon am Abend zuvor erlebte die Vorhut aus der Indestadt, was Gastfreundschaft auf Französisch bedeutet: Leckere Speisen, ein schwerer Rotwein und jede Menge herzliche Umarmungen!

Dieses Jahr nicht dabei war Norbert Weiland. Schweren Herzens ließ der Präsident den Kleinbus mit seinen Komitee-Freunden am Vormittag ziehen. „Mein Arzt hat mir ein absolutes Startverbot verhängt”, bedauerte der Erkrankte, dieses Mal nicht mit seinem Freund Jean-Luc und den anderen Jecken zwei rauschende Tage zu feiern.

In die Bresche sprang vor Ort Manfred Wienands. Der Vize-Präsident des Karnevalkomitees übernahm kurzerhand die Ansprache beim Rathausempfang in Frankreich. „Im Karneval sind alle Menschen gleich. Es gibt keine sozialen Schranken. Es gibt nur ein gemeinsames Ziel, einen gemeinsamen Wunsch, nämlich gemeinsame, unbeschwerte Stunden zu verleben.”

Mit diesem Motto ging es raus zur Aufstellung. Am Prinzenwagen tropften Tollität Stefan I. (Franzen) und Zeremonienmeister Dieter (Braun) bereits die Schweißperlen von der Stirn. Eine ganze Europalette Bonbons, Waffeln, Schokoriegel und Gummibärchen hievten sie auf die oberste Plattform des prinzlichen Gefährts.

Dann gings los! „Bonjour und Alaaf”, riefen die Indestädter den Zuschauern entgegen. Heiß begehrt bei den französischen Kids: Kamelle made in Germany. „Merci”, bedankten die Kleinen sich bei den spendierfreudigen Uniformierten nach der Süßigkeiten-Offensive.

Auch Bürgermeister Rudi Bertram ließ sich das Spektakel nicht entgehen. Zwischen seinem franzöischen Amtskollegen Dominique Baert und Jean-Luc Doyen bestaunte Eschweilers Erster Bürger die farbenfrohen Gruppen und folkloristischen Tänze. Zwischendurch gab es dann immer mal wieder eine Konfetti-Dusche. Der ganz normale Wahnsinn in Wattrelos!

Eine wunderbare Geschichte schrieben am Samstagabend die englischen Musiker des Redhill Corps of Drums beim „Soirée carnavalesque”. Sie überraschten ihre deutschen Freunde in der vollen Halle mit einem besonderen „Ständchen”: „Da kommen wir nach Frankreich und dort spielt eine englische Gruppe den Eschweiler Laridah!”, war Kommiteemitglied Walter Münchow völlig von den Socken. „Einmalig!”, fand es Manfred Wienands. So wie das ganze Wochenende.

Eines ist jetzt schon sicher: Auch beim 32. Karneval in Wattrelos sind Eschweilers Jecke 2010 wieder dabei. Und Jean-Luc wird seine Freunde wie immer fröhlich gelaunt erwarten, ihnen gutes Wetter für den Umzug am nächsten Tag versprechen und vermutlich mal wieder Recht behalten.
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