„Wenn alle sagen ‚es geht nicht‘, tut sie es“

Von: Andreas Röchter
Letzte Aktualisierung:
sdfsdfsdf
Brigitte Averdung-Häfner ist die 20. Trägerin des Europäischen Sozialpreises zu Eschweiler. Mit ihr freuen sich Peter Schöner, Präsident des Direktoriums Europäischer Sozialpreis, die GPB-Geschäftsführerin Annelene Adolphs sowie Laudatorin Gabriele Giese-Glücklich. Foto: Andreas Röchter
13162349.jpg
Vollbesetzter Ratssaal: Zahlreiche Gäste nahmen am Festakt zu Ehren der neuen Preisträgerin Brigitte Averdung-Häfner teil. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Laudatorin Gabriele Giese-Glücklich brachte es auf den Punkt: „Ihr Lebensmotto lautet: Sensibilisieren und Handeln. Wenn alle sagen, dass es nicht geht, dann tut sie es einfach. Und zwar jetzt, immer nur jetzt!“ Gemeint mit dieser Beschreibung war Brigitte Averdung-Häfner, die am „Tag der deutschen Einheit“ im voll besetzten Ratssaal des Rathauses von den Verantwortlichen des Europavereins „Gesellschaftspolitische Bildungsgemeinschaft“ (GPB) den Europäischen Sozialpreis zu Eschweiler erhielt.

Die Fotografenmeisterin ist somit die 20. Preisträgerin und tritt die Nachfolge von unter anderem Petra und Heinz Brocks, die 1997 den Reigen eröffneten, Rupert Neudeck (2006) und Heinz Jussen, der vor zwölf Monaten ausgezeichnet wurde, an. „Alle unsere Preisträger, die aus der Mitte unserer Gesellschaft kommen und ehrenamtlich tätig sind, haben eines im Sinn: Sie wollen Menschen helfen. Sie stehen für gegenseitige Toleranz und Hilfsbereitschaft“, unterstrich der GPB-Vorsitzende und ESP-Direktoriumspräsident Peter Schöner.

Friedensappell an die Politik

Zur Begrüßung der zahlreichen Gäste des Festakts hatte die GPB-Geschäftsführerin Annelene Adolphs betont, mit der Verleihung des Europäischen Sozialpreises sei stets auch ein Appell an die Politik gerichtet, dem Leitgedanken „Für ein Europa des Friedens, der Solidarität und der Toleranz“ mehr Gewicht zu geben. Die stellvertretende Bürgermeisterin Helen Weidenhaupt hinterfragte genau dieses Motiv während ihres kurzen Grußwortes: „Steht das Europa des Jahres 2016 tatsächlich für diese Werte? Großbritannien verabschiedet sich aus der EU und in zahlreichen Ländern stehen nationale Egoismen im Vordergrund. Wo ist die Solidarität geblieben?“

Bundeskanzlerin Angela Merkel werde im In- und Ausland auf inakzeptable Weise angegriffen, weil sie etwas getan habe, was eben diesem solidarischen Gedanken entspreche. „Solidarität und Toleranz vor Ort leben, dies tut Brigitte Averdung-Häfner! Sie setzt sich unermüdlich für Menschen ein, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Europa braucht viele Menschen wie Brigitte Averdung-Häfner!“, schloss Helen Weidenhaupt.

Die stellvertretende Städteregionsrätin Elisabeth Paul erklärte, dass ohne das Engagement von Ehrenamtlern zum Beispiel die Integration der Flüchtlinge kaum zu bewerkstelligen sei. Der Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling erinnerte an die Rede von EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, der vor wenigen Wochen der GPB zu deren 25-jährigem Bestehen gratuliert und in seiner Ansprache die „Friedensrendite“ des vereinigten Europas in den Vordergrund gestellt hatte.

„Während wir hier zusammenkommen, werden Angela Merkel und weitere Repräsentanten unseres Staates in Dresden mit schlimmsten Beleidigungen bedacht. Wir müssen also weiterhin für diese Rendite kämpfen. Genau dies tut Brigitte Averdung-Häfner durch ihr Handeln im Sinne von Fördern und Fordern.“

Mit der provokanten Frage, ob Europa bald zusammenbreche, begann Peter Schöner seine Festansprache. Um dies zu verhindern, seien ein starkes Herz und Vernunft vonnöten. Viele Tatsachen seien in Vergessenheit geraten: So basiere der Wohlstand der westlichen Welt nicht zuletzt auf der Ausbeutung des afrikanischen Kontinents. „Wären dessen Bewohner in den zurückliegenden einhundert Jahren auf Augenhöhe behandelt worden, sähe die Welt heute anders aus.“

„Flüchtlinge“ heißt „Menschen“

Die Ursachen der Flüchtlingsströme seien natürlich bekannt, doch es ändere sich nichts. „Höre ich einen Politiker wie Orban sprechen, dann sträuben sich mir die Haare. Denn dessen Worte sind menschenverachtend. Dabei muss doch jedem klar sein, dass wir, wenn wir das Wort ‚Flüchtlinge‘ benutzen, Menschen meinen!“ Den Trägern des Europäischen Sozialpreises sei dies in jeder Sekunde bewusst. „Allen Menschen, die sich wie Brigitte Averdung-Häfner um Flüchtlinge und weitere Hilfsbedürftige kümmern, gebührt Dank. Denn mit ihren Taten beweisen sie Menschlichkeit.“

Gabriele Giese-Glücklich, die genau wie die neue Preisträgerin als Counselor und Coach für humanistische Psychologie tätig ist, drang kurz darauf tief in die Seele von Brigitte Averdung-Häfner ein: „Ihr Markenzeichen ist das Lächeln. Sie ist präsent und bringt gerne Neues in die Welt. Dabei ist das Sensibilisieren ihre Passion.“ Auch in ihrem fotografischen Werk stehe stets der Mensch im Mittelpunkt, kein menschlicher Aspekt bleibe außen vor.

Sowohl als Fotografin als auch als Psychologin sei das „Hinfühlen“ das Zauberwort. „Alles beginnt mit dem Gefühl, dem der Gedanke und das Handeln folgen“, so die Laudatorin. In Sachen Sensibilisierung für Umwelt, Gesellschaft und Menschlichkeit sei jeder aufgerufen, mitzuwirken. „Inspiration, Energie, Mut, Leichtigkeit sowie die Lust am Leben sind bei Brigitte Averdung-Häfner spürbar.“

So könne die Preisträgerin auch mit Lust eine Matratze aus der Inde holen. „Etwas gemeinsam für die Gesellschaft zu tun, schafft einen Wert an sich und gibt ein gutes Gefühl. Der Leitsatz lautet: Ich bin die Stadt, ich bin verantwortlich!“ Trotz der Schilder an den Ortseingängen Eschweilers stelle sich Brigitte Averdung-Häfner die Frage, wieviel Rassismus „hier unter uns“ sei. „Ihr ist klar, dass wir längst paradiesische Zustände hätten, würden Schilder ausreichen.“

Männerchor singt Europa-Hymne

Unterstützt durch die Ehrenamtler ihrer Sensibilisierungsgruppe arbeite sie aktuell mit Flüchtlingen. „Sie kümmert sich konkret und richtet unter anderem elf Wohnungen ein. Mich beeindruckt ihr unermüdlicher Einsatz“, würdigte Gabriele Giese-Glücklich die Arbeit der neuen Preisträgerin.

„Brigitte Averdung-Häfner erkennt Schieflagen. Sie lebt vor, dass jeder für die Welt, in der er leben möchte, mitverantwortlich ist. Sie strahlt Wärme statt Kälte aus, handelt konstruktiv statt destruktiv, ist aktiv statt passiv“, schloss sie unter dem Applaus des Publikums ihre Laudatio ab, der die eigentliche Verleihung des Europäischen Sozialpreises folgte.

Ihrem Wesen und dem Motto „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ entsprechend, ließ Brigitte Averdung-Häfner anschließend Fotografien über ihr Engagement erzählen, bevor sie sich in das Goldene Buch der Stadt Eschweiler eintrug.

Musikalisch gestalteten der großartige Jazztrompeter und gebürtige Aachener Christoph Titz sowie traditionell der Männergesangverein der Siedlergemeinschaft Stolberg-Donnerberg, der neben „We Are The World“ auch die Europa-Hymne anstimmte, das Programm. Dem Festakt folgte ein Empfang im Foyer des Rathauses, wo sich die Gäste im Rahmen der Ausstellung „Sterne für Europa“ über die Träger des Europäischen Sozialpreises zu Eschweiler seit 1997 informieren konnten.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert