Eschweiler - Weniger Straßenkriminalität, aber mehr Kellereinbrüche

Weniger Straßenkriminalität, aber mehr Kellereinbrüche

Von: Rudolf Müller
Letzte Aktualisierung:
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Legten Zahlen vor, die Hoffnung machen: Polizeipräsident Klaus Oelze und der Leiter der Direktion Kriminalität, Frank Hoever. Foto: R. Müller

Eschweiler. Davon, zur Insel der Glückseligen zu werden, sind Eschweiler und die Region Lichtjahre entfernt. Und dennoch zeigte sich Polizeipräsident Klaus Oelze zufrieden, als er am Montag die Kriminalstatistik für das vergangener Jahr vorlegte: Nach dem „kriminellen“ Jahr 2011 sind die Fallzahlen in Eschweiler insgesamt deutlich rückläufig. Von 5328 anno 2011 auf 5171 in 2012. Und dies bei leicht gestiegener Aufklärungsquote: Mehr als jede zweite Straftat wird aufgeklärt.

Weniger Fallzahlen – dies trifft vor allem auf Delikte in der Öffentlichkeit zu. „Da gab‘s deutlich weniger“, sagt Oelze. „Ich sehe dies ganz klar als einen Erfolg unserer Konzepte flexibler, sichtbarer Einsätze. Das gilt vor allem für Eschweiler.“

Hier ist zum Beispiel die Zahl der Diebstähle spürbar zurückgegangen: von 2406 im Jahr 2011 auf nun 2011. Allerdings sank auf die Aufklärungsquote: von 290 auf 22 Prozent.

Deutlich rückläufig war auch die Zahl der Einbrüche, wie Frank Hoever, Leiter der Direktion Kriminalität im Aachener Präsidium, am Montag mitteilte: Die Zahl der Gaststätteneinbrüche sank von 27 auf 21, die der Geschäftseinbrüche sogar von 57 auf 22 und die der Wohnungseinbrüche von 138 auf 96.

Kellereinbrüche für Drogen

Allerdings: Die Zahl der Kellereinbrüche kletterte von 39 auf 72. „Es sind häufig Drogenabhängige, die in den leicht zugänglichen Kellern von Mehrfamilienhäusern Sachen suchen, die sie zum Kauf von Drogen leicht zu Geld machen können“, sagt Klaus Oelze. Auf das entsprechende Klientel will Frank Hoever künftig ein besonders scharfes Auge haben. Im Blick hat die Polizei die Drogen-Szene auch jetzt bereits: Die Fallzahl der Rauschgiftdelikte stieg in Eschweiler im vergangenen Jahr um fast 30 Prozent von 120 auf 155. Aufklärungsquote: fast 94 Prozent. „Bei Rauschgiftdelikten werden die Täter fast immer auf frischer Tat erwischt“, weiß Oelze. „Steigende Fallzahlen sind daher ein Erfolg guter Polizeiarbeit.“

Rückläufig war 2012 auch die Zahl der festgestellten Ladendiebstähle: 222 registrierten die Beamten. Im Vorjahr fielen Langfinger noch 329 mal auf.

Eine Steigerung verzeichneten die Beamten auch bei den Betrugsfällen: 1065 statt der vorherigen 1005. Hier betrug die Aufklärungsquote 63 Prozent. Aufgeklärt werden auch immerhin 40 Prozent aller Sachbeschädigungen. Davon gab‘s im vergangenen Jahr 563 Fälle – 66 mehr als im Jahr zuvor.

Immer noch ein großes Thema: Diebstähle von, an und aus Kraftfahrzeugen. 20 Autos wurden im vergangenen Jahr in Eschweiler gestohlen – immerhin elf weniger als im Vorjahr. Und die Zahl der Diebstähle aus oder an Kraftfahrzeugen (Spiegel, Kennzeichen etc.) summierte sich auf 333. Im Vorjahr hatte sie 533 betragen. 57 Mopeds (Vorjahr 52) wechselten illegal den Besitzer, und 143 Fahrräder (161) fanden neue Liebhaber.

Weniger Straßenkriminalität

Computerdelikte blieben mit 54 ebenso auf dem Vorjahresniveau wie Umweltdelikte (elf) und Gewaltdelikte (198 gegenüber 201). Bei Letzteren kann die Polizei eine Rekord-Aufklärungsquote von 83 Prozent vorweisen. Erfreulich: Die Straßenkriminalität sank von 1246 auf 1156 Fälle.

Ebenso erfreulich: Um immerhin 23 Prozent sank die Zahl der gefährlichen Körperverletzungsdelikten – von 78 auf 60. Der niedrigste Wert in den letzten fünf Jahren. Dagegen zeigt die Kurve bei vorsätzlicher leichter Körperverletzung nach oben: Sie stieg von 258 auf 339 Fälle. Aufgeklärt wurden 91 Prozent.

Aufgeklärt wurden auch 73 Prozent der 45 Raubdelikte – im Jahr zuvor lag die Zahl bei 52 und die Quote bei 58 Prozent. Ebenso hoch – 73 Prozent – ist die Aufklärungsquote bei Vergewaltigungen: Wurden 2011 noch fünf Taten zur Anzeige bracht, waren es 2012 elf – allesamt Beziehungstaten.

Die größte Steigerung erfuhr im vergangenen Jahr die Zahl der Handtaschenraube: Sie kletterte von einem Fall im Jahr 2011 auf jetzt zehn Fälle – eine Steigerung um 900 Prozent! Die Aufklärungsquote allerdings könnte besser nicht sein: 100 Prozent. Der Polizei gelang es, einen 13-Jährigen zu fassen, der sich mit seinem Rad Seniorinnen von hinten genähert und ihnen die Handtaschen entrissen hatte. Bei einer Durchsuchung fanden die Beamten in der Unterwäsche des kriminellen Knirpses zudem Drogen. Klaus Oelze: „Der Junge ist inzwischen im Projekt ,Kurve kriegen‘ des Innenministeriums untergebracht.“ Hier soll jugendlichen Mehrfachtätern der rechte Weg gewiesen werden.

„Friedliches“ Stolberg

Mit Kindern hat die Polizei es nicht nur in diesem Fall zu tun: Südosteuropäische Banden, die seit Jahren durch Serien von Wohnungseinbrüchen von sich reden machen, gehen in jüngster Zeit verstärkt dazu über, Kinder in ihrem kriminellen Metier auszubilden und zu ihren „Einsatzorten“ zu bringen. Kinder, die aufgrund ihres Alters nicht strafrechtlich belangt werden können.

Ein Blick in die Nachbarstadt Stolberg: Dort lag die Zahl der Straftaten mit 3532 um mehr als 1600 unter der der Indestadt. Allein die Betrugsfälle (509 gegen 1065) sorgten für eine Differenz von mehr als 550. Und auch die Zahl der Diebstähle blieb in Stolberg mit 1353 weit unter dem Eschweiler Ergebnis von 2011. Auch die Zahl der Rauschgiftdelikte war in Eschweiler mehr als doppelt so hoch wie in Stolberg.

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