Eschweiler - Weniger Azubis in Eschweiler Betrieben

Weniger Azubis in Eschweiler Betrieben

Von: Vivien Nogaj
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Sarah Gillich arbeitet seit 13 Jahren im Friseurladen von Sascha Peters Sie ist mittlerweile Friseurmeisterin. Foto: Vivien Nogaj
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Metzgermeister Gerhard Boshof hat dieses Jahr keinen Auszubildenden eingestellt: Seine Branche ist rückläufig. Foto: Vivien Nogaj

Eschweiler. Sascha Peters hat Glück. Seit dem 1. August hat er eine Auszubildende in seinem Friseursalon am Markt. Selbstverständlich ist das nicht – die Bewerbung von Ilana Petuchov war die einzige, die er in diesem Jahr bekommen hat. Immer weniger Schulabgänger interessieren sich für einen Handwerksberuf – im Kammerbezirk Aachen gibt es derzeit noch 450 freie Lehrstellen.

„Früher galt der Friseurberuf als einer der Top drei unter den Ausbildungsberufen“, sagt Sascha Peters. Seitdem habe sich einiges geändert: „Viele Schulabgänger streben eine akademische Laufbahn an.“

Das bestätigt auch Elmar Brandt von der Handwerkskammer Aachen: „Immer mehr junge Menschen wollen Abitur machen und studieren“, sagt er, „dabei können Handwerker auch Karriere machen und gutes Geld verdienen. Beispielsweise, wenn sie einen Meister anhängen und dann Inhaber eines Betriebes werden.“

Die Chancen auf eine Lehrstelle stehen gut, denn den Unternehmen fehlen die Bewerber: „Zum 1. August haben wir einen Rückgang an neuen Lehrverträgen um 4,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresstichtag verzeichnet – das sind 71 Ausbildungsanfänger weniger“, sagt Brandt.

Freizeit wird wichtiger

Aber auch, wenn ausreichend Bewerbungen eintreffen, heißt das nicht automatisch, dass die Betriebe einen geeigneten Azubi finden. Das weiß Jürgen Meurer, Inhaber einer Firma für Landtechnik. Er bildet in seinem Unternehmen junge Menschen zum Land- und Maschinenbaumechatroniker aus. „Man findet nicht sofort den Azubi, den man sucht“, sagt er. „Einige Bewerbungen können wir von vornherein auch gar nicht berücksichtigen. Die Qualität der Anwärter hat nachgelassen.“

Dass die Anzahl derjenigen, die eine Ausbildung beginnen wollen, generell dennoch sinkt, erklärt er sich so: „Viele junge Menschen wollen nicht mehr körperlich hart arbeiten. Und die Freizeit wird wichtiger.“ Bei Meurer müsse man sich auch dreckig machen, den Güllestreuer reparieren, und arbeiten, wenn der Kunde ruft. „Das kann auch mal über einen Acht-Stunden-Arbeitstag hinausgehen“, sagt er.

Nach dreieinhalb Jahren Ausbildung habe man aber eine gute Chance, von Meurer übernommen zu werden – die meisten der Ausgelernten nehmen das Angebot aber nicht an: „Die Erfahrung zeigt, dass viele Gesellen dann zurück auf den elterlichen Bauernhof gehen und in den familiären Betrieb einsteigen“, sagt er.

Metzger Gerhard Boshof hat ein anderes Problem: Auch er findet noch Auszubildende, aber sein Geschäft ist rückläufig. „Die Branche der Fleischerei läuft nicht mehr so gut wie noch vor einigen Jahren“, sagt er. „Wenn ich einen Azubi einstelle, dann muss ich ihn auch drei Jahre beschäftigen können.“ Das könne er aktuell keinem Anwärter garantieren. Deshalb hat Boshof in den vergangenen zwei Jahren keinen neuen Lehrling eingestellt. Aktuell hat er noch einen Auszubildenden im Betrieb – dieser ist soeben ins dritte Lehrjahr gekommen.

Auch Friseurmeister Sascha Peters stellt nur einen Auszubildenden pro Jahrgang ein, aber aus einem ganz anderen Grund: „Der Laden hat aufgrund seiner Größe nur begrenzte Kapazitäten“, sagt er. Ausgelernte Arbeitskräfte sucht er trotzdem noch. An seinem Ladenfenster klebt ein Aushang, und auch auf Facebook hat der Friseurmeister einen Aufruf gestartet. „Aber“, sagt er, „wenn sich weniger junge Menschen ausbilden lassen, sind am Ende auch weniger Leute ausgelernt.“

Eine, die vor Jahren bei Sascha Peters die Ausbildung begonnen hat, ist Sarah Gillich. Die Friseurin hat mittlerweile einen Meisterbrief und bereut ihre Berufswahl nicht. Dass man als Friseuse aber nicht das große Geld macht, weiß sie auch: „Der Friseurberuf ist einer der am schlechtesten bezahlten Jobs. Man muss ihn also wirklich lieben“, sagt Gillich.

Und das tut die Meisterin: Schon mit 12 Jahren ist ihr klar, dass die Kunden später die Haare machen will. „Die Ausbildung ist trotzdem hart. Du kannst erstmal nichts, und musst mühsam lernen, die Schere in der einen, und die Haare in der anderen Hand zu halten“, erklärt sie. Ihr schlimmstes Erlebnis? Einmal habe sie einer Kundin die Haare blau verfärbt. Das passiert ihr inzwischen nicht mehr – Gillich gibt das Erlernte jetzt an Auszubildende Ilana Petuchov weiter.

Studienabbrecher sind gefragt

Mit Petuchov haben im Bezirk der Handwerkskammer Aachen 1760 weitere Berufsanfänger ihre Ausbildung begonnen. Trotz der sinkenden Zahlen hoffen die Kammern, dass Ausbildungen, auch für Schulabgänger mit Abitur, attraktiver werden. Denn es gebe sie noch, die Jugendlichen, die – selbst wenn der Trend zum Studium ungebrochen hoch ist– alternativ eine Karriere im Handwerk in Betracht ziehen, sagt Doris Kinkel von der Handwerkskammer Aachen. „Mittlerweile finden viele Studienabbrecher den Weg ins Handwerk, weil dort eine gute Mischung aus Praxis und fundiertem Hintergrundwissen gefragt ist.“

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