Weitere Schritte für gelungene Integration

Von: Naima Wolfsperger
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Im September 2016 kam es zu einem Engpass: Kinder musste teilweise vier Monate warten, bis sie einen Platz in einer Internationalen Förderklasse bekamen. Anfang des Jahres wurden deshalb in Eschweiler zwei weitere Klassen eingerichtet. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Integration, das ist der zweite Schritt, der in Deutschland und auch in Eschweiler, auf die Einreise von Flüchtlingen folgt. Die Antworten auf die großen Fragen, „Wie weit sind wir? Wie geht es weiter?“, werden in Bahnen gelenkt und in Eschweiler derzeit aktiv umgesetzt. Wie weit die Kommune dabei ist und wie das genau aussieht, das war Thema der Sitzung des Integrationsrates am Mittwoch.

Fakt ist, dass in den kommenden Jahren einige der Schutzsuchenden bleiben werden. Mit einer neuen Wohnsitzauflage des Bundes werden jetzt nicht nur Flüchtlinge auf die Städte verteilt, sondern auch festgesetzt, wie viele Menschen, denen bereits Asyl gewährt wurde, eine Stadt aufnehmen muss. Damit soll verhindert werden, dass manche Städte besonders viele Asylberechtigte aufnehmen müssen.

„Dass die Menschen drei Jahre an einem Ort bleiben müssen, soll auch für eine konstante und gelungene Integration sorgen“, sagt Jürgen Rombach, Leiter des Sozialamts. Ortswechsel erschweren es Freunde zu finden und ein soziales Netz aufzubauen, regelmäßig Kurse, Fortbildungen oder eine Ausbildung durchzuziehen. Nach diesen drei Jahren ist bisher kein weiteres Programm vorgesehen. „Die Integration soll bis dahin so weit sein, dass die Menschen sich in Deutschland auch ohne Zuweisung zurecht finden.“

Zwei Quoten

Eine bestimmte Zahl an Flüchtlingen muss aufgenommen werden. Wie viele, das wird anhand von zwei Quoten errechnet. Für Menschen mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus ergibt sich die Zahl aus einer Rechnung, die 90 Prozent der Bevölkerung berücksichtigt und zehn Prozent der Stadtfläche. Für die Stadt Eschweiler bedeutet dies, dass derzeit 350 Menschen mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus hier leben.

Die zweite Quote, für Menschen die entweder asylberechtigt sind oder deren Leben in ihrem Herkunftsland bedroht ist, ergibt sich zu 80 Prozent aus der Einwohnerzahl und zu je zehn Prozent aus der Fläche und der Arbeitslosenquote. Menschen, die unter diese Quote fallen, erhalten mit ihrer Aufenthaltsberechtigung auch staatliche Grundsicherung, werden also unter den Arbeitslosen verzeichnet. Dadurch ändert sich wieder die Quote.

Etwa 35 Menschen, sagt Kämmerer Stefan Kaever, könnten der Stadt noch zugewiesen werden, wobei er vermerkt, dass „die meisten, für die die Wohnsitzauflage zum Tragen kommt, aber bereits länger in Eschweiler sind.“

Bis Flüchtlinge an diesem Punkt sind, müssen sie zuvor verschiedene rechtliche Prozesse durchlaufen. Da beispielsweise die Prüfung des Asylstatus lange dauern könne, gebe es auch einige Übergangslösungen, die es Kindern und Erwachsenen leichter machen sollen, Fuß zu fassen und die Zeit sinnvoll nutzen zu können.

Vor allem für die Kinder sei es wichtig, dass sie zur Schule gehen, egal ob sie eine langfristige Bleibeperspektive hätten, oder nicht. Laut Angaben der Stadt dauere es in der Regel nur wenige Wochen, bis schulpflichtige Flüchtlingskinder auch einen Platz bekommen. Im vergangenen September kam es aber an weiterführenden Schulen zu einem Engpass in den Internationalen Förderklassen (IFK).

Teilweise mussten Kinder vier Monate warten, bis sie zur Schule gehen konnten. Mit einer neuen IFK an der Waldschule und einer an der Bischöflichen Liebfrauenschule sei dieses Problem gelöst. 209 schulpflichtige Kinder mit Migrationshintergrund besuchten im Oktober 2016 Grundschulen in Eschweiler. 368 Kinder weiterführende Schulen in der Sekundarstufe I. Bei 34 Kindern kam es zu Wartezeiten.

Kinder von Null bis 18 Jahren, deren Eltern Unterstützung über das Asylbewerberbeileistungsgesetz (AsylbLG) beziehen, dürfen auch Angebote des Bildungs- und Teilhabepakts wahrnehmen. In der Indestadt betrifft dies 173 Kinder von Asylbewerbern. Zieht man 15 Säuglinge und Kleinstkinder ab, dann wird das Paket nur von einem Kind nicht genutzt. Das heißt 157 Kinder nehmen das Angebot wahr, was als Erfolg für die Bemühungen der Stadt zu werten sei, die Eltern bei Erstberatungen, über Wohngeldbescheide, Schulen und sonstige Unterstützungsleistungen aufzuklären.

Mit den Flüchtlings-Integrations-Maßnahmen (FIM), die vom Bund finanziert werden, gibt es erstmals auch ein Angebot für Erwachsene. Die auf sechs Monate befristete Teilzeitbeschäftigung ersetzt keine reguläre Stelle. Es sind zusätzliche Arbeiten, die mit 80 Cent pro Stunde entlohnt werden.

Aber nicht alle Menschen, die nach Deutschland kommen, sollen, können oder wollen auch bleiben. Der Caritasverband für die Regionen Aachen Stadt und Aachen Land e.V. hat bisher nur eine Teilzeitkraft zur Verfügung gehabt, um Flüchtlinge zu beraten, die die Heimreise antreten. Die Nachfrage für diese Hilfe sei aber viel größer als gedacht: 178 Menschen wurden 2015 beraten, 78 allein im ersten Quartal 2016. Die Städteregion Aachen hat jetzt einen Antrag der Caritas angenommen, und finanziert der Rückkehrberatung mit 70000 Euro eine zusätzliche Vollzeitstelle.

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