Weit mehr als Dracula und Dacia

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Mit Kaffeehausmusik und rumänischen Volksweisen begeisterten (von links) Tatiana, Manuela, Daniela und Roman Luchian beim Europaforum zum Thema Rumänien im Talbahnhof. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Rumänien muss ein wunderschönes Land sein. Eine Ahnung davon vermittelte, trotz der Bemühungen des Veranstalters, ein Vortragsabend des Europavereins GPB am Donnerstag im Talbahnhof vor rund 40 Besuchern.

Man weiß so wenig über dieses Land! Seit 2007 gehört es zur Europäischen Union. Aber viel mehr als das vor 20 Jahren beendete Ceausescu-Regime, der Weinbau, die Schwarzmeerküste und die Bären in den Karpaten fällt wohl wenigen Menschen ein, wenn die Rede auf Rumänien kommt. Und Dracula, natürlich. Aber Rumänien ist mehr als nur der legendäre Fürst Dracula und das Billigauto Dacia Logan, versicherte in seinem Grußwort der rumänische Generalkonsul Dr. Vlad Vasiliu.

Was Rumänien sonst noch alles zu bieten hat - eine zukunftsfähige Wirtschaft, eine turbulente Geschichte, grandiose Landschaften, touristische Attraktionen und einen Lebensstil, in dem sich Tradition und Moderne mischen - schilderten auf sehr unterschiedliche Art Annelene Adolphs vom Europaverein GPB (die Abkürzung steht für „Gesellschaftspolitische Bildungsgemeinschaft”) und der Eschweiler Buchhändler Jörg Drescher.

Mit viel Mühe hatte Annelene Adolphs Fotos rumänischer Landschaften und rumänischen Lebens aus dem Internet gezogen und zu einer mit Volksmusik untermalten Präsentation zusammengestellt. Weite fruchtbare Ebenen und schroffe Felsentäler leuchteten auf, die breit dahin strömende Donau und gischtende Gebirgsbäche. Die Pracht orthodoxer Kirchen ebenso wie ein McDonalds-Restaurant machten die Spanne zwischen dem traditionsbewussten und dem modernen Rumänien deutlich. Es gab Beifall, als das Licht wieder anging.

Allerdings zeigte sich bald, das dies nur ein erster Teil einer umfassenden Bilderschau sein sollte, über nur eine der vielen Landschaften in diesem südosteuropäischen Staat. So zogen immer mehr Bilder vorbei, und noch mehr Felsentäler, und noch mehr Kirchen. Im Banat, in der Walachei, in der Bukowina, in Moldova. Rumänien hat erstaunlich viele Provinzen! Auf die Felsentäler und Kirchen aus Transsilvanien musste am Ende verzichtet werden - „da wir etwas in Zeitverzug durch was auch immer gekommen sind”, wie Adolphs befand. Aber das werde dann an einem weiteren Abend nachgeholt.

Im Wechsel mit der Bilder-Präsentation stellte Annelene Adolphs die Geschichte des Landes vor, eine lange Folge von Auseinandersetzungen vor allem mit den Türken, Aufstieg und Niedergang großer Dynastien. Jörg Drescher, der andere Referent des Abends, fasste die lange Geschichte in einem anschaulichen Satz zusammen: „Die hatten schon eine hohe Zivilisation, da sind wir hier noch in Bärenfellen rumgerannt.”

Drescher las aus Werken rumänischer Schriftsteller. Die von ihm ausgewählten Passagen über die Literatur des Landes und über die Hauptstadt Bukarest machten die rumänische Lebensart, den trocken-hintergründigen Humor der Menschen und auch ihre Schicksalsergebenheit deutlich: „Ein geneigtes Haupt wird nicht abgeschlagen, lautet ein stolzes rumänisches Sprichwort”. Allein, dass Drescher auch die kompliziertesten rumänischen Namen, von Bucurestioara bis Podul Mogosoaia, so flüssig aussprach, als sei er mit ihnen aufgewachsen, machte seine Lesung bereits zu einem herausragenden Teil des Abends.

Herausragend waren auch die musikalischen Beiträge in diesem Europaforum. Das Duo Luchian - die virtuose Geigerin Tatiana Luchian, von ihrem Mann Romeo auf dem Akkordeon begleitet - spielte Kaffeehausmusik und rumänische Volksweisen. Bei einigen Stücken wirkten auch Daniela und Michaela Luchian (Querflöte und Geige) mit.

Die Veranstaltung fand ein etwas abruptes Ende, als Moderator Peter Schöner, der Vorsitzende der GPB, die noch ausstehenden Programmpunkte kappte: „Gehen wir doch raus in den Biergarten, da ist die Luft auch besser.”

Dass die Familie Luchian dort im Biergarten des Talbahnhofs weiter mit Kaffeehausmusik aufspielte, dürfte zu den angenehmsten Erinnerungen an dieses Europaforum gehören.
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