Waschen, schneiden, föhnen: Warum gibt es den „Friseurssonntag”?

Von: Laura Beemelmanns
Letzte Aktualisierung:
Friseurkunst und Tradition sei
Friseurkunst und Tradition seit 1923: Guido Külzer frisiert schon in der dritten Generation Eschweilers Damen- und Herrenschöpfe. Foto: L. Beemelmanns

Eschweiler. Einmal waschen, schneiden, föhnen bitte. Nur nicht am Montag. Doch warum eigentlich? Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, wieso der größte Teil der Friseure - vor allem in ländlicheren Gegenden wie Eschweiler - montags die Türen geschlossen hält?

Der sogenannte „faule Montag” oder auch „Friseurssonntag” ist gesetzt, und die Kunden nehmen es, wie es ist - der Montag ist und bleibt friseurfreie Zeit.

55.000 Köpfe

Es gibt 72 eingetragene Friseure in der Indestadt. In der Theorie bearbeiten sie rund 55.000 Köpfe, denn so viele Einwohner hat die Stadt. Und auch wenn nicht jeder von ihnen einen Friseur besucht, so treffen doch täglich von Dienstag bis Samstag etliche Kunden in den Salons ein. Da fallen eine ganze Menge Haare, je nach Kunden-Andrang bis zu „einem dicken Eimer” pro Tag, so Friseur-Meister Guido Külzer vom gleichnamigen Salon auf der Indestraße. Seit 1923 können sich die Eschweiler Bürger auf den Salon Külzer verlassen. Schon sein Großvater Heinrich Külzer und Vater Heinz schnitten die Eschweiler Damen- und Herrenköpfe. Früher noch an der Uferstraße, seit 1973 an der Indestraße. Als „kleiner Bub” übte Guido Külzer heimlich mit Hilfe von Perücken, nun ist er Profi durch und durch. „Die Perücken waren damals sehr teuer, ich schnitt die Haare einfach ab, nur, dass diese nicht mehr nachwachsen”, sagt er und lacht. Und auch die Külzers hatten vor rund zehn Jahren montags noch geöffnet. Ebenso wie Iwona Wallner vom Salon FeinSchnitt in der Englerth-straße. Wirklich angenommen wurde der offene Montag jedoch nicht - bei keinem von beiden. „Wer Montags kam, war am Donnerstag nicht mehr da. Wir haben größtenteils Stammkunden, wenig spontane Neukunden”, so Külzer. Iwona Wallner profitierte zwar von der „spontanen Laufkundschaft”, doch ihre Stammkunden verzichten gerne auf den Tag. Der Montag diente folglich nicht unbedingt als Gewinn, sondern als Ausgleich. Die Kunden kennen es schlichtweg nicht anders und akzeptieren es so wie es ist. Doch warum ist das so?

Der Ursprung dieses „Friseurssonntags” liegt nun doch schon etliche Jahre zurück. „Früher gingen die Leute noch einmal pro Woche zum Frisör”, erklärt Iwona Wallner. Sie ist seit 2003 Friseur-Meisterin und im Bezug auf die Historie ihres Berufes kennt sie sich bestens aus. Vor allem „Frauen haben sich die Haare nie selbst frisiert. Es war nicht wie heute, dass sich jeder die Haare selbst wäscht und macht”, erklärt Wallner weiter.

Strähnchentechnik

Samstags trafen sich die meisten auf dem Markt, sonntags in der Kirche. So ging ein jeder, der etwas auf sich hielt, am Freitag oder Samstag zum Frisör. „Montags kam dann so gut wie niemand mehr in den Salon”, sagt sie. Dabei würde sich der Montag doch auch als potenzieller Tag zum Schneiden eignen. Es ist der Start in eine neue Woche, warum diesen also nicht gleich mit einer neuen Frisur beginnen? „13-25-Jährige verändern häufiger ihren Haarschnitt oder kommen auf neue Strähnchentechniken zurück, in dem Alter probiert man alles aus”, weiß Norbert Bock, Obermeister der Friseur-Innung Aachen Regio, „ältere Kunden nicht so häufig”, so Bock. „90 Prozent der Kunden wollen es schlichtweg wie immer”, sagt Külzer. „Frauen, die etwas hinter sich haben, schneiden sich häufig die Haare ab”. Iwona Wallner weiß: „Nach der Hochzeit fallen die Haare”.

Und Männer? Die kommen gerne mal mit einem Bild in den Salon: „Genau so soll es sein. Junge Männer bevorzugen die trendigen Frisuren von David Beckham oder Mario Gomez”, so Külzer - gepflegt, top gestylt und als Krönung der Drei-Tage-Bart. Dies gilt jedoch nicht für jeden.

Grundsätzlich gebe es „in jedem Sommer zwei Moderichtungen”, erklärt Külzer. Im Grunde jedoch „wechselt mal die Farbe oder der Scheitel von links nach rechts”, viel mehr passiere selten. Lediglich die Dauerwelle habe es bislang zu keinem nennenswerten Comeback gebracht, scherzt er.

Aber wer weiß, vielleicht ist sie ja eher wieder Trend, als viele Friseure denken. Andere haben es schließlich auch mehrfach geschafft.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert