Was wird aus der Eishalle: Großdisco? NPD-Zentrum? Moschee?

Von: Rudolf Müller
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Vom Frost beschädigt, von Graffiti-Sprayern beschmiert: Der Haupteingang zur Eissporthalle an der August-Thyssen-Straße macht keinen besonders einladenden Eindruck mehr. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Im „Liberty” fühlt man sich wie in einem amerikanischen Diner. Bänke mit dicken Kunstlederpolstern, Barhocker wie auf einem Szene-Gemälde von Edward Hopper, grelle Neon-Leuchtschriften, drei Poolbillard-Tische - nur die Aussicht durch die großflächigen Fensterscheibe führt nicht auf eine Straßenkreuzung in New York, sondern auf eine leere, weiße Betonfläche.

Das „Liberty” war bis vor gut einem Jahr Restaurant der Eissporthalle an der August-Thyssen-Straße, und durch seine Panoramascheiben konnte man dem bunten Treiben auf der Eisfläche zuschauen.

Heute kommt man sich vor wie in einer Filmkulisse. Gespenstische Stille dort, wo jahrzehntelang Disco-Klänge tausenden von Kufenflitzern aus nah und fern in der bunt illuminierten Halle einheizten.

Beheizt - wenn auch nicht musikalisch - sind hier lediglich noch die von der eigentlichen Eissporthalle abgegrenzte und gesondert zugängliche Spielhalle, mit deren Betrieb Markus Dohmen die Unterhaltskosten des Gebäudekomplexes finanziert und sein Büro. Hier sieht er ein- bis zweimal pro Woche nach dem Rechten, arbeitet sich durch die Post und hofft, dass Anfragen von Interessenten darunter sind. Bislang vergeblich.

„Ich hatte gehofft, Markus würde die Halle nach der unter anderem krankheitsbedingten Schließung in der darauffolgenden Saison wieder öffnen - aber das war utopisch”, bedauert Walter Dohmen, der die Halle 1982 gebaut und eröffnet hatte.

Als Sohn Markus den Betrieb 1997 übernahm, hatte der seine besten, publikumsträchtigsten Zeiten bereits hinter sich: Zeiten, in denen die Puckjäger der „Grizzlies” hier ebenso Prügel einsteckten wie überragende Erfolge feierten. Unter Trainern wie Peter Haiden und Ulli Rudel, um nur zwei zu nennen.

Rudel war immerhin deutscher Junioren-Bundestrainer. Und holte etliche junge Talente nach Eschweiler. Aber auch kanadische Cracks zog es zu den Grizzlies: Teal Fowler zum Beispiel, derzeit Sportmanager der Adler Mannheim und Mitglied des Trainerteams der deutschen Nationalmannschaft. Oder Kerry Goulet, heute Inhaber einer weltweit tätigen Sportmarketingfirma und Partner der Hannover Scorpions.

Zeitweise lockten die Spiele der Eschzweiler Kufencracks mehr Zuschauer an als die Fußballbemühungen der Aachener Alemannen auf dem alten Tivoli. Und sportlich schafften die Grizzlies sogar die Qualifikation zur 2. Bundesliga - finanziell allerdings war dies ein Kraftakt, den der Club nicht überlebte.

Im Herbst 2008 zog der Nachfolgeverein aus Kostengründen nach Aachen um - die Grizzlies kehrten der Indestadt den Rücken. Im Frühjahr 2009 war dann auch Schluss für den allgemeinen Eislaufbetrieb, in den sich zuvor jahrelang zahlreiche Schulklassen im Rahmen des Schulsports eingereiht hatten. Aus gesundheitlichen wie personellen Gründen schloss Markus Dohmen die Halle, Und nicht zuletzt die Kosten spielten eine Rolle: So habe die Gema „ihre ohnehin schon unverschämt hohen Gebühren” nochmals anheben und „pro Disco-Veranstaltung 1000 Euro allein für das Abspielen von CDs” kassieren wollen.

Seither steht sie leer, die insgesamt 3300 Quadratmeter große Eissporthalle mit Foyer, Restaurant, Küchen, Pistenbar, Umkleidekeller, Shop, Schlittschuhverleih und Büros. Samt fast neuer Eisaufbereitungsmaschine.

Vor Monaten bereits hat Walter Dohmen mit Bürgermeister Rudi Bertram über Möglichkeiten gesprochen, die der Bau auf dem 4200 Quadratmeter großen Grundstück an der August-Thyssen-Straße bietet. Ein Grundstück, das eingerahmt ist von öffentlichen Gebäuden: vom Berufskolleg der Städteregion auf der einen wie von der städtischen Gemeinschaftshauptschule Stadtmitte, der Schwimmhalle und einer Sporthalle auf der anderen Seite.

Die Gemeinschaftshauptschule Stadtmitte dürfte demnächst einen größeren Platzbedarf anmelden: schließlich soll die Hauptschule Dürwiß geschlossen werden. „Von der Stadt kam die Ideen, die Halle für Unterrichts- und Werkräume für Hauptschule und Berufskolleg zu nutzen. Das wäre sicher die optimale Lösung. Aber davon haben wir nie mehr etwas gehört”, sagt Walter Dohmen.

Er und sein Sohn Markus überlegen weiter, was mit dem Millionenobjekt passieren könnte. „Eine Großdisco? Eine Moschee? Ein NPD-Zentrum? Die Stadt und die Anlieger würden sich bedanken!”

Jetzt hat Markus Dohmen die Halle einmal mehr inseriert: als geeignet für Eissportbetrieb, Freizeitanlage oder Verkaufsfläche. „Vielleicht tut sich da ja jetzt etwas.”
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