„Was ist, Alter?“: Bill Mockridge auf der Bühne des Talbahnhofs

Von: ran
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Stellte im Talbahnhof humorvoll und philosophisch (und umgekehrt) unter Beweis, dass das Alter definitiv nichts mit dem Alter zu tun hat: der Schauspieler und Kabarettist Bill Mockridge. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. War es ein humoristischer Abend mit viel Philosophie? Oder ein philosophischer Abend mit viel Humor? Sei‘s drum! Bill Mockridge stellte jedenfalls sich selbst und seinen Zuhörern im gut besuchten Talbahnhof die existenzielle Frage „Was ist, Alter?“, wobei er bei seinen Lösungsansätzen meistens das Komma missachtete!

Nach einem kurzen filmischen Parforceritt durch die Evolution, die mit dem Urzeitaffenmädchen „Heidi“ startete, die als Afrikas „First Topmodel“ aufrecht gehend und damit Schuhe tragend, den Gott „Zalando“ anbetend, der Zivilisation entgegenstapfte und irgendwann auf diesem Weg auf das Wort „Alter“ stieß, berichtete der „Pensionator“ gleich aus seinem reichen Erfahrungsschatz: „Die Dinge bleiben ein Leben lang gleich, nur die Sicht verändert sich!“ So gebe es auf der einen Seite die im Geist jung gebliebenen Alten, wobei der Ohrring neben dem Hörgerät unter Umständen störe, und auf der anderen die alten Jungen. „Damit möchte ich aber keinesfalls etwas gegen Florian Silbereisen sagen“, baute Bill Mockridge etwaiigen Missverständnissen vor.

Sein Ziel war und ist vielmehr, das Image des Alters zu verbessern und in ein neues Licht zu führen. „Alter will, ähnlich wie die FDP, niemand haben“, hat der Schauspieler festgestellt. Der „Lebensabend“ werde oft mit fünf „furchtbaren L‘s“ in Verbindung gebracht: Langeweile, Lustlosigkeit, Looping, (James) Last und Leere! Dies gelte es zu ändern. Schließlich habe das Alter nichts mit dem Alter zu tun. „Jeder hat Alter, oder Alte, aber das ist ein anderes Programm!“, machte der in Toronto geborene Kanadier, der seit 1970 in Deutschland lebt, deutlich.

Natürlich sei heute einiges anders als früher. „Inzwischen antwortet häufig meine Frau, obwohl ich gefragt werde“, plauderte der Vater von sechs Söhnen auch aus dem Nähkästchen. Und überhaupt sechs Kinder! Heutzutage (fast) undenkbar! „Heute behauptet man, dass Kinder einem die Haare vom Kopf fressen. Das wüsste ich aber!“, zeigte Bill Mockridge ein gewisses Unverständnis. Nach dem (wenn überhaupt) ersten Kind sei inzwischen meistens Schluss! „Ich habe mich also für fünf sparsame deutsche Väter abgerackert“, so die Bilanz des Kabarettisten.

Als dieser sich nun für sein Bühnenprogramm auf die Suche nach einem Dia-Projektor machte und dabei ein Geschäft einer nicht unbekannten Elektromarktkette betrat, habe ein Angestellter erstmal die Frage „Dia-wat?“ gestellt und ihn dann in die Dinosaurier-Abteilung geschickt. Generell sei das Thema Sprache zwischen Jung und Alt ein heikles. „Welcher junge Mensch versteht heute noch die Begriffe Leibesübung, etwas Flottes für den Übergang, Bratkartoffel-Verhältnis oder ‚Räum dein Zimmer auf‘?“, fragte Bill Mock-ridge.

Auf der anderen Seite rutsche ihm das Herz in die Hose, wenn einer seiner Söhne verlauten lasse: „Dein neues Auto! Abgefahren!“ Und erst die Großeltern! „Heute eine ganz andere Gattung als früher. Mein Opa saß, las und aß im Sessel. Auf die Frage, „Wo wohnt dein Opa?“, habe ich geantwortet: Bei Oma im Sessel!“ Und die Oma, oder besser gesagt, die Omma, habe stets Lockenwickler und Kittel getragen. Heute zeichneten sich dagegen die „Großeltern 2.0“ hin und wieder durch Hyperaktivität aus. „Ältere Menschen sind heute neugierig und nehmen am Leben teil“, nannte Bill Mockridge eine positive Entwicklung.

Mick Jagger ist Uropa

„Mick Jagger ist Uropa. Helmut Schmidt ist gespannt auf die Zukunft. Und dies nicht nur hinsichtlich der Entwicklung der Tabakpreise“, lieferte der Gründer des Bonner Improvisationstheater „Springmaus“ gleich treffende Beispiele, die er mit beeindruckenden Filmaufnahmen aus einem Seniorenzentrum seines Wohnortes Bonn-Endenich ergänzte. Und so habe sein Programm eigentlich drei Titel: „Was ist Alter?“ „Was isst Alter?“ (nicht selten püriert und nicht zu heiß) und eben „Was ist, Alter?“ Für Mockridge gibt‘s eine klare Antwort: „Heute muss ich leben und jeden Tag als Chance begreifen!“ Dabei sollen nicht zuletzt die fünf „wunderbaren L‘s“ helfen, die die „Lust auf Leben“ in jedem Alter symbolisieren: Laufen, Laben, Lieben, Lachen, Lernen.

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