Eschweiler - Wandern mit Kompass? Das war gestern

Wandern mit Kompass? Das war gestern

Von: Sonja Essers
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Pfadfinder sind uncool? Von wegen! Die Mitglieder der Deutschritter Röhe um ihren Leiter Michael Fasch (rechts) setzen sich bei ihren wöchentlichen Truppstunden im Röher Pfarrheim mit verschiedenenProjekten auseinander. Auch Zeltlager und Ausflüge stehen bei den Mitgliedern jedes Jahr hoch im Kurs. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. „Die beliebtesten Vorurteile über Pfadfinder sind, dass wir jeden Tag eine gute Tat vollbringen und gerne Kekse verkaufen.“ Sobald Michael Fasch diese Sätze ausgesprochen hat, verdreht der 32-Jährige die Augen und beginnt zu lachen. „So ist es gar nicht mehr. Auch wir Pfadfinder sind modern geworden“, sagt der Leiter des DPSG-Stammes der Deutschritter in Röhe.

Mittlerweile gibt es in der Indestadt nur noch drei Stämme, zu denen neben den Deutschrittern die Pfadfinder der Pfarre St. Bonifatius Dürwiß sowie die Hohensteiner aus Röthgen gehören. Dies war bis in die 1970er Jahre allerdings noch anders. Nicht nur in Röhe und Röthgen, sondern auch in Hastenrath, Bergrath, Stadtmitte und auf Pumpe waren Pfadfinder anzutreffen. Toni Peters leitete damals den Bergrather Stamm, der sich ab 1955 in Sunuker umbenannte. 1970 war allerdings Schluss. „Wir haben den Stamm mangels Masse aufgelöst“, erinnert sich Peters. Zu diesem Zeitpunkt gehörten noch vier Mitglieder den Sunukern an.

Auch 45 Jahre später ist Nachwuchsmangel für die Eschweiler Stämme kein Fremdwort. In den vergangenen Jahren sei die Zahl der Mitglieder der Deutschritter um die Hälfte zurückgegangen. Standen bis Anfang der 2000er Jahre noch Ausflüge mit 100 Personen auf dem Programm, so sind heute 50 Mitglieder mit von der Partie.

Ähnliche Erfahrungen hat Stefan Rehahn, Leiter der Hohensteiner in Röthgen, gemacht. Auch dort sind derzeit zwischen 50 und 60 Kinder und Jugendliche aktiv. „Die Mitgliederzahlen halten sich seit Anfang der 2000er Jahre konstant. Natürlich waren die Mitgliederzahlen in den 80er und 90er Jahren weitaus höher, wie wohl in jedem Verein“, meint er. Nachwuchsprobleme habe man, laut Rehahn, zwar nicht. Dafür gebe es ein anderes Problem. „Der anhaltende Leitermangel macht es meist nicht möglich, die Stämme größer werden zu lassen“, so Rehahn.

Auch für Fasch ist der Mitgliederschwund kein Grund zur Sorge. Schließlich hätten fast alle Vereine damit zu kämpfen. Als einen Grund dafür nennt er die immer länger werdenden Schulzeiten. Danach hätten die Kinder und Jugendlichen meist keine große Lust mehr, sich in Vereinen zu engagieren, ist er sich sicher.

Bei den 13- bis 16-Jährigen kämen andere Probleme hinzu. „Diese Altersgruppe lebt davon, dass die meisten bereits als Kinder eingestiegen sind. Als Jugendlicher erzählt man in der Schule nicht, dass man zu den Pfadfindern geht, das finden die meisten uncool.“

Mit zunehmendem Alter ändere sich diese Einstellung jedoch. Ab dem 16. Lebensjahr steigen die Mitglieder in die Gruppe der Rover auf. Mit 18 Jahren können sie leitende Positionen übernehmen. Vermehrt stoßen junge Erwachsene in diesem Alter zum Stamm hinzu. Fasch hat bereits von vielen Mitgliedern gehört, dass ihnen die Tätigkeit bei den Pfadfindern auch im Berufsleben weitergeholfen habe. Warum? „Wir passen aufeinander auf und nehmen Rücksicht aufeinander. Außerdem kommt die Gruppendynamik hinzu. Die spielt mittlerweile auch im Job eine immer wichtigere Rolle.“

Doch welche Aktivitäten bieten die Stämme ihren Mitgliedern eigentlich an? Bei den Jüngsten, den sogenannten Wölfchen, stehen gruppendynamische Spiele im Vordergrund. Ab den Jungpfadfindern (10 bis 13 Jahre) und den Pfadfindern (13 bis 16 Jahre) legt man Wert auf Projekte. Vom Basteln für anstehende Feiertage bis zur Gestaltung der Internetseite sei für jeden Geschmack etwas dabei, sagt Fasch. Wichtig sei jedoch, dass nur das angeboten werde, was den Jugendlichen auch Spaß mache. Das Ziel: „Wir wollen die Jugendlichen auf diese Weise in ihrem eigenverantwortlichen Handeln stärken“, so Fasch.

Bei den Deutschrittern sowie bei den anderen Stämmen in Eschweiler spielen Jungen und Mädchen gemeinsam. Das war jedoch nicht immer so. Erst im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts öffneten sich die Verbände für das jeweils andere Geschlecht und fusionierten.

Fasch weiß jedoch auch zu berichten, dass die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen heute nicht immer ganz so einfach ist. Oft würden die Kinder und Jugendlichen ihn fragen, ob man auf dem Zeltplatz Handyempfang habe, erzählt er. Und damit nicht genug. Wanderungen, die drei Tage dauern und bei denen man sich selbst Übernachtungsmöglichkeiten suchen muss, kommen heute nicht mehr so gut an. „Früher wanderte man drauflos. Da ging das noch mit Karte und Kompass. Heute benutzt man GPS und sucht nach Geocaches“, sagt Fasch.

Trotzdem hinterlassen diese Touren meist Spuren - zur Verwunderung der Eltern. „Wenn die Kinder aus dem Lager zurückkommen, sorgen sie plötzlich zu Hause für Ordnung und hinterlassen ein sauberes Waschbecken“, sagt Fasch. Spaß macht ihm die Arbeit mit dem Nachwuchs trotzdem. Seien es die wöchentlichen Truppenstunden oder das Gitarrenspiel am Lagerfeuer. „Die Arbeit gibt einem viel zurück. Vor allem wenn man sieht, wie die Kinderaugen strahlen“, sagt er.

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