Von ruhigen Tönen bis zum „Rote-SockenTest“

Von: Andreas Röchter
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Prinz René I.
In seinem Element: Prinz René I. erobert seit vier Wochen die Herzen der indestädtischen Jecken im Sturm. Foto: Röchter
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Bei der Damensitzung in Bergrath ging es hoch her. Foto: Röchter
Karneval
Richtige Töne und Gesten: Prinz René und Zerm Daniel bescherten den Senioren schöne Momente und ernteten dankbare Blicke. Foto: Röchter

Eschweiler. Die Herzen der Indestädter haben sie schon längst erobert. Seit vier Wochen regieren Prinz René I. und sein Zeremonienmeister Daniel ihre Heimatstadt Eschweiler mit großer Herzlichkeit, Enthusiasmus und Begeisterung.

Als Gegenleistung werden sie vom närrischen Volk nahezu auf Händen getragen. Und dies vollkommen zu Recht. Denn René und Daniel üben ihre Ämter mit Liebe, Überzeugung und großem Fein- und Fingerspitzengefühl aus. Wo es gilt, „auf die Tube zu drücken“, agieren die Beiden außer Rand und Band.

Doch in Situationen, in denen eine etwas ruhigere Gangart gefragt ist, sind Prinz und Zeremonienmeister sofort bereit, den Schalter umzulegen und sich auf die Menschen einzustellen, denen sie gerade ihre Aufwartung machen. Schließlich geht die Aufgabe der beiden Würdenträger weit darüber hinaus, die unzähligen Jecken in den Arenen, Festhallen und -zelten Eschweilers auf die Stühle zu treiben. Mindestens genauso wichtig ist es, denjenigen Menschen einige Minuten Freude zu schenken, die nicht an den Sitzungen, Empfängen oder Umzügen teilnehmen können.

So zählen die Besuche in den Senioren- und Pflegezentren sowie bei Menschen mit Behinderung oftmals zu den ganz besonderen Momenten des Prinzen- und Zeremonienmeisterdaseins. Nicht zu vergessen die Audienzen in den Kindergärten und Grundschulen, die am kommenden Dienstag beziehungsweise Mittwoch auf dem dichtgedrängten Terminplan des Prinzentrosses tiefrot unterstrichen sind. Doch wie sieht ein Tag der Regentschaft von Prinz Rene I. eigentlich im Detail aus? Wir haben den Narrenherrscher einen Tag lang begleitet.

Fröhlich und erwartungsvoll

Mittwoch, 27. Januar, 13.30 Uhr: Noch geht es relativ ruhig zu im Röher Restaurant „Sila la Taverna“ von Izabela und Kazim Sila. Doch kurz darauf treffen Prinz René I. und Zeremonienmeister Daniel gut gelaunt in ihrer Hofburg ein. Und nach und nach wird es voll: Prinzenführer Dieter Wolf, die Prinzenbläser, die Begleitoffiziere, die Pagen mit Begleitung und zahlreiche Personen der Organisationsmannschaft finden sich ein.

Die Stimmung ist aufgeräumt, fröhlich und erwartungsvoll. Sieben der insgesamt mehr oder weniger 198 Termine, die das Prinzengespann in dieser Session wahrnimmt, stehen heute auf dem Programm. In erster Linie sollen die Senioren der Indestadt in den Genuss einer Prinzenaudienz kommen. Zuvor kommen René und Daniel aber noch in den Genuss eines besonderen internen Geschenks: Mario Dähring, Mitglied der Prinzengesellschaft KG Onjekauchde Röhe und heute als Begleitoffizier im Einsatz, zeigt sein berufliches Können als Bäcker und überreicht einen süßen „Partykranz“, den sich die gesamte Prinzenmannschaft einige Stunden später munden lassen wird.

Um 14.02 Uhr erklingt die erste Fanfare des Tages der Prinzenbläser. René ergreift das Wort und begrüßt die Prinzenbegleitungen, die heute von der KG Blaue-Funken-Artillerie Eschweiler, dem Garderegiment Weiß-Rot, der KG Kirchspiel Lohn, der KG Grüne Funken sowie der KG Klee Oepe Jonge gestellt wird. Letztgenannte Gesellschaft schickt Willi Baur bereits zum dritten Mal ins Rennen, so dass der erste Prinzenorden des Tages fällig ist. Rund drei Minuten später ertönt das Pfeifsignal von Onjekauchde-Kommandant Paul Broschk.

Die deutlich zu verstehende Ansage „Langsam fertig werden!“ folgt. Es geht los! Und wie ist die Gefühlslage bei Prinz und Zeremonienmeister? Aufregung? Lampenfieber? „Unmittelbar vor und während der Proklamation war eine gewisse Anspannung vorhanden. Jetzt genießen wir jeden Auftritt zu einhundert Prozent. Die Euphorie im gesamten Tross ist riesig und trägt uns genauso wie die Begeisterung der Eschweiler Bevölkerung“, berichtet Prinz René, bevor er in eines der sechs Fahrzeuge steigt, die heute die Prinzenkolonne bilden.

„Prinz im Karneval reloaded“

Kurz vor 14.30 Uhr trifft diese an der Seniorenpflegeeinrichtung „Sentas“ an der Peter-Paul-Straße ein, wo René auch gleich mit der Vergangenheit konfrontiert wird. Denn der erste indestädtische Narrenherrscher, der die Einrichtung besuchte, war sein Vater Albert Schönenborn, der in der Session 1998/99 als Alfred I. das Zepter schwang. Die Senioren empfangen das Herrscherduo überschwänglich.

Prinz und Zerm bedanken sich und testen erstmals ihre Stimme: „Prinz im Karneval reloaded“ erklingt. Prinzenführer Dieter Wolf versichert den Sentas-Verantwortlichen sowie den Senioren, dass „wir es nicht eilig haben“. Also tritt ein ganz besonderes Sextett in den Vordergrund, dass die Herzen der bunt und fantasiereich kostümierten Senioren besonders erwärmt. Die Pagen Anna (5 Jahre), Liv (3), Julius (5), Liam (6), Lotta (3) und Henri (3) heißen ihre Zuhörer „Willkommen im Fastelovendsclub“ und werden anschließend von ihren Betreuerinnen Prinzengattin Christin Schönenborn, Tanja Schönenborn-Hermann und Sabrina Brenig wieder in Empfang genommen.

Unmittelbar darauf beendet Zeremonienmeister Daniel um 14.55 Uhr die erste Audienz des Tages. Schnurstracks geht es weiter in Richtung Pumpe-Stich, wo zahlreiche Senioren im Jugendheim St. Barbara katholisch-evangelische (oder umgekehrt) Fastelovend feiern. Leider spielen nicht alle Verkehrsteilnehmer immer mit, so dass Dieter Wolf auf etwa halbem Weg verkünden muss: „Jetzt haben wir noch zwei Minuten.“

Kaum 120 Sekunden später ist das zweite Zwischenziel erreicht. Im Jugendheim heizen Moderatorin Irmgard Winterscheid und Organisatorin Marita Königs die Stimmung mächtig an. Ein Jubelorkan erklingt, als René und Daniel Einzug halten. Dieter Wolf, der seit elf Jahren als Prinzenführer fungiert, wird standesgemäß ein dreifaches „Heijo“ in Narrenzunft-Sprache zuteil. Dann leben Prinz und Zerm ihren Traum ein weiteres Mal aus: „Me fiere va morjens bes am Ovend osere Eischwiele Fastelovend!“ Auch die Nachwuchsabteilung legt sich ein weiteres Mal mächtig ins Zeug, bevor Etappenziel drei ins Visier genommen wird.

„Stimmung am Siedepunkt“

Im Städtischen Seniorenzentrum ist es schnuckelig warm und der Platz zum Nebenmann/zur Nebenfrau durchaus begrenzt. Dies ficht jedoch keinen Beteiligten an. Alle erheben sich von ihren Stühlen und die Losung lautet „Stimmung am Siedepunkt“. Peter Toporowski, Seniorenbeauftragter der Stadt, erhält den Prinzenorden und Moderator Wolfgang Mertens, der scheinbar bereits alle anderen Auszeichnungen des weltweiten Karnevals sein Eigen nennt, wird mit der Prinzenbirne beehrt. Der Schlusspunkt der ersten Halbzeit des Tages steigt ab 16.30 Uhr in der Pro-Seniore-Residenz.

Und einmal mehr treffen Prinz René und Zeremonienmeister Daniel den richtigen Ton. Wie bereits an den drei vorherigen Anlaufpunkten verteilen sie rote Rosen, bereiten damit einigen älteren Damen besondere Momente und erhalten dankbare Blicke. Die Moderatorinnen Michaela Glasmacher (Hausdame) und Brigitte Greven (Rezeption) bedanken sich von ganzem Herzen und geben dem gesamten Tross Wegzehrung mit auf den nun anstehenden (vorläufigen) Heimweg.

Denn für Prinz, Zerm und Gefolge heißt es nun, durchatmen bis 19.20 Uhr. Dann warten viele „jecke Weiber“ auf der Damensitzung der KG Prinzengilde Bergrath. Der Begriff „Pause“ ist zwar relativ, wenn man Prinz in der absoluten Karnevalshochburg Eschweiler ist, doch im „Sila la Taverne“ erfolgen Stärkungen für Körper und Geist. Die Pagen blicken ihrem wohlverdienten Feierabend entgegen, stärken sich aber bei Pizza für die bald folgende Nachtruhe, schließlich geht es am Donnerstagvormittag bereits weiter.

Für die beiden Hauptakteure bleibt kurz Zeit, ihre Gedanken zu ordnen: „Wir erleben unglaublich viele berührende Momente, in denen wir auch realisieren, wie gut es uns im Gegensatz zu manchen Menschen eigentlich geht. Wichtig für uns ist, dass wir uns täglich über das Erlebte austauschen. Wobei es sicherlich einige Zeit dauern wird, um alle Eindrücke wirklich einordnen zu können. Momentan vergeht jeder Tag nämlich wie im Flug“, erklärt Zeremonienmeister Daniel. Und Prinz René ergänzt: „Was uns momentan widerfährt, kann man mit Worten nicht erklären. Man muss es erlebt haben. Erst als Prinz wird einem so richtig bewusst, wie groß Eschweiler in Sachen Karneval wirklich ist!“

Trotz des dichtgedrängten Plans bleibt aber auch noch Zeit für Flexibilität und kurzentschlossene Zwischenstopps. So hält die Kolonne auf dem Weg nach Bergrath kurzerhand in der Innenstadt, um im Eiscafé Capri einzukehren, wo die gesamte Mannschaft ein Zitronensorbet der schärferen Art zu sich nimmt. Eine liebgewonnene Tradition wird selbstredend beibehalten: Die Prinzenbläser lassen den Jazz-Evergreen „Ice Cream“ erklingen.

Schon bei der Ankunft in Bergrath steppt im Festzelt der Bär. Die Damen sind außer Rand und Band. Sitzungspräsidentin Iris Winden-Cremer führt den Einmarsch der Gladiatoren, während dem es Rosen sowie rote und gelbe Luftballons regnet, persönlich an. An der Bühne angekommen, legt sie wenig später zunächst mit René, dann mit Daniel heiße Sohlen auf das Parkett.

„Das wird teuer“

Seine Tollität lässt es sich nicht nehmen, sein Gefolge dem „Rote-Socken-Test“ zu unterziehen. Und tatsächlich: Zwei Protagonisten sind ohne Fahrschein. „Das wird teuer“, kündigt René lapidar an. Der Feststellung „Prinz sin an d‘r Ing, is e herrlich Ding“ folgt der umjubelte Ausmarsch. „Oh, wie war das schön!“ Zum Ausklang des ereignisreichen Tages stehen noch zwei Audienzen in eher privater Atmosphäre an: Im Schützenheim St. Peter und Paul wartet die St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Eschweiler Mitte von 1330. Horst Tappert heißt das Prinzenduo samt Gefolge willkommen.

Ex-Prinz Hubert Gilles erhält genau wie Schützenbruder Hubert Mau den Prinzenorden. Nach glänzender Bewirtung folgt das Tagesfinale in der „Altdeutschen“. Dort haben sich zahlreiche Standartenträger der indestädtischen Gesellschaften eingefunden. „Die Standarten gehören zum schönsten, was die Eischwiele Fastelovend zu bieten hat. Das Bild mit allen Standarten während unserer Proklamation war absolut beeindruckend“, macht Prinz René deutlich, bevor er die Träger mit seinem Orden auszeichnet. Noch einmal werden die Stimmbänder kräftig strapaziert.

„Unsere Stimmen sind uns schon mal abhanden gekommen. Aber entgegen der Vorhersagen einiger Experten wieder zurückgekehrt. Kamillen-Tee und Salbei-Klümpchen sei Dank!“, erklärt der Narrenherrscher schmunzelnd. Und dann ist es soweit: Um 21.37 Uhr hat Zeremonienmeister Daniel einmal mehr das allerallerallerletzte Wort: „Die Audienz seiner Tollität Prinz René I. ist beendet!“ Bis zum nächsten Morgen!

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